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Lohnt sich Sparen noch, wenn die Zinsen sinken?
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Lohnt sich Sparen noch, wenn die Zinsen sinken?

Lebensversicherung Niedrigzinsen

Schmankerl für wenige

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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Die Zinsen sind niedrig. So mancher Bürger verfolgt die Entwicklung mit großer Sorge. Nun sollen die Folgen der Niedrigzinsen für Lebensversicherer gerechter verteilt werden.

Für die Minderheit unter den Deutschen mit Lebensversicherungen, die bald ausgezahlt werden, ist es eine schlechte Nachricht. Freuen können sich jene, deren Verträge in zehn oder 20 Jahren auslaufen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kündigte am Donnerstag auf dem Versicherungstag einen neuen Anlauf an, um die Folgen der Niedrigzinsen gerechter zwischen den Generationen zu verteilen. Allianz, Ergo und Co. sollen nicht länger gezwungen werden, heute ungewöhnlich hohe Beträge auszuschütten. Das schmälert die Zukunftsreserven und die Renditen der jetzt 30-, 40- oder 50-Jährigen.

Schwere Last

Die extrem niedrigen Zinsen sind eine schwere Last für Versicherungen. Sie haben ihren Kunden im Schnitt Renditen von mindestens 3,2 Prozent zugesagt, können jedoch mit ihren Anlagen momentan allenfalls zwei Prozent erwirtschaften. Niedrigzinsen bringen zudem einen scheinbaren Vorteil, der die Nöte weiter verschärft. Assekuranzen haben viele alte Papiere mit höheren Zinsen. Deren (Buch-)Werte sind gestiegen, weil sie mehr abwerfen als aktuelle Anlagen. Allerdings verschwinden diese Buchgewinne schnell, wenn die EZB ihre ultralockere Geldpolitik ändert und die Zinsen wieder steigen. Dennoch müssen die Lebensversicherungen Kunden, die heute ihren Vertrag ausgezahlt bekommen, an den flüchtigen Gewinnen beteiligen. Wer das Glück hatte, dass seine Lebensversicherung 2013 oder 2012 endet, bekam ungewöhnlich hohe Bewertungsreserven zusätzlich überwiesen. 2010 oder 2011 gab es weniger.

So schön 10 000 Euro extra für Einzelne sind, so sehr schadet dies der Allgemeinheit. Um sich die Ausschüttungen leisten zu können, müssen die Versicherungen Anleihen mit hohen Zinsen veräußern. Nachkaufen können sie nur Papiere mit mickriger Rendite. Jeden Monat schütten sie laut Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) knapp 300 Millionen Euro Bewertungsreserven an Kunden aus, 80 Prozent mehr als 2011. „Dadurch verlieren wir jeden Monat Substanz, die wir brauchen, um alle Versicherten gut durch die Niedrigzinsphase zu bringen“, so GDV-Präsident Alexander Erdland.

Druck ist groß

Finanzminister Schäuble will das korrigieren. Allerdings hatte er schon in der vorigen Legislaturperiode versucht, die Vorschriften für die Bewertungsreserven zu korrigieren. Gescheitert war er am Widerstand von SPD und Grünen im Bundesrat, die eine versteckte Begünstigung der Branche zulasten der Verbraucher befürchteten. Die Chancen, dass es diesmal klappt, stehen gut. Unterstützung sagte der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter Borjans (SPD) zu, der im Bundesrat den Widerstand gegen die Pläne der alten, schwarz-gelben Bundesregierung angeführt hatte. Nötig sei „ein fairer Interessenausgleich“, sagte er. Der Kompromiss müsse aber berücksichtigen, dass es Ansprüche auf die Ausschüttung der Bewertungsreserven gebe.

Auch Verbraucherschützer, die Schäuble beim ersten Mal scharf kritisiert hatten, erkennen Handlungsbedarf. Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband sagt: „Wir sehen das Problem mit den Bewertungsreserven.“ Die Politik müsse aber sicherstellen, dass die Reform die Verbraucher nicht insgesamt benachteilige. Der Druck auf eine Änderung der Gesetze ist groß. Nach der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin hatte auch die Deutsche Bundesbank den Status quo angeprangert. Sie warnte vor Gefahren für die Stabilität der Versicherer durch die geltenden Vorschriften, diese behinderten den Aufbau notwendiger Sicherheitspuffer für die Zukunft. Kommentar

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