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Fed-Chef Ben Bernanke.

Ben Bernanke US-Zentralbank Fed

Schlussglocke für Big Ben

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Acht Jahre stand Ben Bernanke an der Spitze der US-Notenbank Fed. Heute ist sein letzter Arbeitstag. Seine Amtszeit war geprägt von der Finanzkrise, die Ben Bernanke erfolgreich gemeistert hat. Ein unumstrittener Held ist Ben Bernanke aber nicht.

Acht Jahre stand Ben Bernanke an der Spitze der US-Notenbank Fed. Heute ist sein letzter Arbeitstag. Seine Amtszeit war geprägt von der Finanzkrise, die Ben Bernanke erfolgreich gemeistert hat. Ein unumstrittener Held ist Ben Bernanke aber nicht.

Heute ist sein letzter Arbeitstag. Am Samstag räumt Ben Bernanke den Chefsessel bei der mächtigsten Finanzinstitution der Welt, der US-Zentralbank (Fed). Für viele ist der 60-Jährige ein Held, der die Weltwirtschaft erfolgreich durch die Krise steuerte. Andere sind weniger wohlwollend. „Der Banker, der sich irrte“, nennt ihn Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank. Was Kritiker und Fans trennt, ist die Antwort auf die Frage: War die Fed schuld am Desaster, das sie dann so bravourös meisterte?

Bernankes Gedankenwelt ist geprägt von der Großen Depression ab 1929 – sie war sein Promotionsthema. Damals ging es mit der Konjunktur bergab, die Banken gaben keine Kredite, der Geldfluss trocknete aus. Aus der sinkenden Kreditvergabe schloss die Fed, dass die Banken keine Liquidität bräuchten und ließ die Geldmenge schrumpfen. Mit katastrophalen Folgen.

„Geld ist ein Mittel“

In der Krise ab 2007 beherzigte Bernanke die Lehren der dreißiger Jahre und leitete in gigantischem Ausmaß Geld in die Finanzwirtschaft: Die Fed senkte die Leitzinsen auf fast Null Prozent, gab Ausfallgarantien für Wertpapiere und Banken, arrangierte Rettungsmaßnahmen für Pleiteinstitute und kaufte schließlich massenhaft Anleihen auf. „Geld ist ein Mittel“, sagte Bernanke kürzlich vor Studenten in Princeton, „kein Zweck.“

Ergebnis der Rettung: Die Vermögensbilanz der Fed hat sich auf 4000 Milliarden Dollar aufgebläht. Doch die Strategie ist aufgegangen. Die gefürchtete Hyperinflation blieb aus, der Bankensektor ist wieder stabil, und die Wirtschaft schrumpfte trotz Mega-Finanzkrise nur um knapp fünf Prozent. Eine Meisterleistung der Notenbank und ihres Chefs. „Die Fed hat ihre Fehler von 1929 bis 1933 nicht wiederholt“, lobt Bernd Weidensteiner von der Commerzbank.

Seine Politik hat Bernanke den Spitznamen „Helicopter Ben“ eingetragen: Er ist der Mann, der mit dem Hubschrauber über das Land fliegt und Geld abwirft. Doch genau diese Politik war – vor der Krise – sein großer Fehler, sagen Kritiker. „Zwischen 2003 und 2007 hat Helicopter Ben mitgeholfen, die große US-Immobilienblase aufzupumpen“, rügt Ökonom Schmieding. Bernanke habe die Krise nicht kommen sehen und den Boom sogar genährt.

Ein großes Fehlurteil

Als 2002 Bernanke zur US-Notenbank kam war der Aufschwung am Immobilienmarkt schon am laufen. Kapital aus der ganzen Welt spekulierte an diesem Markt mit. Die Fed jedoch reagierte kaum auf diesen Boom. Es galt das Diktum von Bernankes Chef Alan Greenspan: Ob es sich bei einem Aufschwung um eine Blase handelt, weiß man erst, wenn sie platzt.

Anfang 2006 wurde Bernanke Chef der Fed, sechs Monate später erreichten die Hauspreise ihren Höhepunkt. Im März 2007 bezeichnete Bernanke den Immobilienmarkt zwar als Risiko. „Derzeit jedoch scheinen die Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Wirtschaft begrenzt zu sein“, so Bernanke. Ein Fehlurteil. Als im September 2008 die Investmentbank Lehman Brothers unterging, war allen klar, dass die größte Krise seit der Großen Depression anstand.

Und an der ist die Fed laut Kritikern mitschuld. Sie hätte, heißt es heute, in der Boom-Phase die Kreditvergabe drosseln müssen, um Luft aus der Blase zu lassen. Hätte – denn nachher ist man immer klüger. „Die Wirtschaftswissenschaft“, sagte Bernanke einmal, „ist ein ausgefeiltes Gedankengebäude, das sich exzellent dazu eignet, Politikern exakt zu erklären, warum sie sich in der Vergangenheit falsch entschieden haben. Über die Zukunft kann sie nicht so viel sagen.“

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