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Schluss mit Hybris

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Statt Marken zu sammeln, sollte sich VW auf seinen Kern besinnen: das Auto. Das scheinen auch die Großaktionäre einzusehen.

Seit rund zwei Jahren wird die Story immer wieder erzählt, nun kommt Bewegung in die Geschichte: VW, der größte Autokonzern der Welt, könnte sich verkleinern, um agiler, wendiger zu werden. Was liegt da näher, als sich von Aktivitäten zu trennen, die nicht zum Hauptgeschäft des Unternehmens gehören. Bei Volkswagen sind es die Sparten Motorräder (Ducati) und Lastwagen/Busse mit den Marken MAN und Scania.

Der frühere Oberboss des Konzerns, Ferdinand Piëch, wollte so gut wie alles haben, was sich auf Straßen bewegt und einen Motor hat. Von der Ducati bis zum schwersten Lkw. Der ökonomische Sinn dieser automobilen Hybris hat vielen nie eingeleuchtet, auch vielen Managern im VW-Konzern nicht. Dazu soll auch der jetzige Vorstandschef Matthias Müller zählen. Immer wieder wird kolportiert, dass er lieber heute als morgen die Lkw loswerden will.

Ferdinand Piëch hat sich nach heftigem Streit mit Cousins und anderen Verwandten längst aus dem Konzern verabschiedet, doch der Porsche-Piëch-Familienclan, der bei Volkswagen das Sagen hat, wollte bislang an den schweren Brummis festhalten.

Anscheinend hat bei den Großaktionären aber ein Umdenkprozess eingesetzt. Medienberichten zufolge wird ein Börsengang der Lastwagen-Sparte bereits vorbereitet. Es könnte dann eines der größten Debüts auf dem Parkett der vergangenen Jahre geben. Immerhin hat Volkswagen mit den Nutzfahrzeugen von MAN und Scania 2017 einen Umsatz von rund 25 Milliarden Euro gemacht.

Müller, der mit dem Abgasskandal und der Modernisierung des Konzerns ohnehin genug beschäftigt ist, müsste sich dann nicht mehr auch noch um Lkw kümmern. Das Geschäft mit den großen Transportfahrzeugen ist ein komplett anderes als mit Pkw. Lastwagen werden erheblich länger gefahren; ihre Anschaffung hängt extrem stark von den Konjunkturzyklen ab; gemeinsame Technologien und Bauteile mit Personenwagen, die zu Ersparnissen in der Produktion führen würden, gibt es nicht.

Volkswagen könnte als reiner Pkw-Konzern wie Toyota für Investoren interessanter werden. Hinzu kommt: Die Töchter Scania und MAN sind nicht groß genug, um auf Dauer hohe Renditen zu erzielen. Vor allem braucht es einen Anbieter auf dem extrem wichtigen nordamerikanischen Markt. Deshalb führt über kurz oder lang wohl kaum ein Weg daran vorbei, dass die Beteiligung von 16,5 Prozent an dem US-Lastwagenbauer Navistar in eine Mehrheit umgewandelt wird, was viel Geld kosten würde. Müller will aber vor allem in die Entwicklung von Elektromobilität und autonomem Fahren investieren.

Also so schnell wie möglich weg mit den lästigen Lkw? Das ist naheliegend, zumal auch Daimler, Weltmarktführer bei Nutzfahrzeugen, selbige abspalten will. Doch es gibt auch Gegenstimmen, die vor einem übereilten Losschlagen warnen, und zwar just aus Investorensicht. Dazu zählt Frank Schwope, Analyst bei der Bank Nord LB. Er macht darauf aufmerksam, dass die Zusammenführung von Scania und MAN noch längst nicht abgeschlossen ist. Beide arbeiten vielfach noch nebeneinander her. Also erst einmal die mühsamen und nervenden Hausaufgaben machen und Baukästen mit gemeinsamen Motoren und anderen Bauteilen entwickeln. Das dürfte die Renditen steigern und damit auch die Erträge eines Börsengangs.

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