Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nur das Schlossgespenst fehlt: Das Châteaux de Tannois soll für 840 000 Euro den Besitzer wechseln.
+
Nur das Schlossgespenst fehlt: Das Châteaux de Tannois soll für 840 000 Euro den Besitzer wechseln.

Stadtflucht

Schloss zu verkaufen

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
    schließen

Frankreichs alte Gemäuer erfreuen sich zunehmender Beliebtheit auf dem Immobilienmarkt. Die Auswahl ist groß und oft sind sie schon für kleines Geld zu haben. Doch nicht jeder, der ein historisches Gebäude erwerben möchte, bekommt es auch.

Es muss ja nicht gleich Versailles sein. Frankreich zählt 45 000 Schlösser, und mehr als tausend stehen derzeit zum Verkauf. Die Immobilienplattform „Belles Demeures“ listet allein über 900 auf. Einige verdienen das Prädikat „Château“ nicht unbedingt, sind es doch eher Gutshäuser, Jagdpavillons oder stattliche Bauerngüter. Dennoch sind richtige Schlösser und Burgen in Frankreich häufig zu finden – und zwar nicht nur im Loiretal oder in Versailles.

Käuferbesuch im Château de Tannois in Lothringen: Das unweit von der Provinzstadt Bar-le-Duc gelegene Schloss stammt aus dem 16. Jahrhundert. Erbaut hatte es der damalige Herzog der Region. Die Türen und das Parkett – alles aus massivem Holz – knarren wie sich das gehört, die Fenster der Erker waren mal Schießscharten, und die Kamine sind höher als ein Mensch. „Nur das Schlossgespenst fehlt“, lacht Immobilienagentin Florence Fornara. Um dann ernsthaft zu präzisieren: „Wobei der Verkaufspreis bei einem solchen Gerücht dann garantiert höher läge.“

Jetzt liegt er bei 840 000 Euro. Das ist nicht übertrieben für ein dreistöckiges Wohngebäude mit einer Reihe von Nutzgebäuden. Nebengebäude, Taubenschlag, Pferdeställe umgeben das Schloss auf der Südseite; die nördliche Seite stößt an den Rhein-Marne-Kanal und wird durch einen drei Hektar großen Park mit Teich und seltenen Purpurbuchen geschützt.

Die früheren Besitzer hatten die Gebäude, die im Zweiten Weltkrieg von der US-Armee belegt waren, 2007 renoviert. Madame Fornara von der Agentur Patrice-Besse verhehlt aber nicht, dass heute je nach Anspruch Sanierungsbedarf bestehe. Immerhin könnten die zukünftigen Besitzer fürs erste unbesehen einziehen, wenn sie wollen.

Je natürlicher, waldiger und isolierter, desto besser

Viele wollen: Das Interesse am Schlosskauf nimmt in Frankreich ständig zu. „Die Leute wollen wieder authentisch leben, auch wenn nicht unbedingt im Luxus“, meint Madame Fornara. „Dieser Trend hat vor zwei Jahren begonnen. Und selbst abgelegene Schlösser in Regionen wie etwa der Haute-Marne stoßen derzeit auf ein gewaltiges Interesse. Je natürlicher, waldiger und isolierter, desto besser.“

Viele Kaufinteressentinnen und -interessenten kommen hier in Ostfrankreich aus den Nachbarländern – Deutschland, Belgien, Schweiz. An die speziellen Sitten eines Schlossverkaufs müssen sie sich erst gewöhnen. Den Verkauf an einen Belgier lehnte die Agentur Besse zum Beispiel ab, weil er ein Château kaufen wollte, ohne es besucht zu haben. „Ein Schloss ist kein normales Gebäude. Damit muss man eine Verbundenheit spüren und eine Leidenschaft entwickeln“, begründet Fornara. „Andernfalls wollen die Besitzer oft gar nicht verkaufen.“

Auch muss man den Unterhalt des alten Gemäuers meistern wollen. Die Vereinigung „Vieilles Maisons Françaises“, die sich um die Bewahrung des französischen Kulturerbes kümmert, warnt vor jedem überhastetem Kauf. Wenn gewünscht vermittelt sie Experten in Sachen Bausubstanz. Die Suche nach versteckten Mängeln genügt aber nicht immer. Im Schloss Carneville in der Normandie muss der junge Besitzer für teures Geld die ganze Wandtäfelung entfernen, um einen von außen unsichtbaren Pilzbefall zu bekämpfen.

Ein amerikanisches Paar verkaufte im Juli das Château Falloux im Loiretal, weil in der Nähe ein kleiner Windpark entsteht. Das Projekt mit vier Drehflügeln erboste die Besitzer so sehr, dass sie ihr imposantes, fünf Jahre lang millionenschwer renoviertes Bauwerk sogar mit Verlust abstießen.

Man muss es sich leisten können, Schlossherr oder -frau zu sein

Doch das sind Einzelfälle. Ein Schlosskauf muss das Budget nicht sprengen. Die Stadt Paris – die in ganz Frankreich 500 Immobilien besitzt – verkauft in den Pyrenäen gerade ein Schloss, das als Ferienlager gedient hatte; idealerweise könnte es in einen Landgasthof umfunktioniert werden. Bis zum 16. September wird das Gut über die spezialisierte Webseite Agorastore versteigert. Der Startpreis des Gebäudes mit 22 600 Quadratmetern Land liegt bei 90 000 Euro. Zugelassen sind aber nur Käufer, die das Château Nescus mit eigenen Augen besichtigt haben: Die Behörden wollen keine bösen Überraschungen verursachen.

Ein näher gelegenes Schnäppchen ist das Schloss Léguillon in der Nähe von Belfort, kaum eine Autostunde von der deutschen Grenze entfernt. Die Gemeinde bringt den schmucken Bau am 14. September für 280 000 Euro in den Verkauf. Die Renovierungskosten werden auf 320 000 Euro geschätzt.

Das mag für ein Schloss keine große Summe sein, leisten muss man es sich trotzdem können. Doch es gibt auch andere Wege, zum eigenen Schloss. In der Auvergne etwa erstand ein junger Liebhaber alter Mauern die mittelalterliche Festung Saint-Vidal 2016 für wenig Geld. Seither renoviert er sie teilweise selbst. Mit Freiwilligen aus dem nahen Dorf führt er im Sommer Freiluftspiele auf, um die Arbeiten zu finanzieren.

Dass Schlossherren und -frauen auch teilen können, zeigte sich im Loiretal: Mehrere junge Franzosen erstanden dort per Internetsammlung das romantische, durch ein Feuer zerstörte Wasserschloss La Mothe-Chandeniers. Heute hat es über einen Verein 25 000 Besitzer:innen aus der ganzen Welt. Schlossherr oder -frau zu werden ist nicht mehr schwer. Es zu bleiben, ist was anderes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare