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Das Führungsduo: Jörg Hofmann und Christiane Benner.

historisch schlecht 

Schlappe für IG-Metall-Chef

Jörg Hofmann wird mit einem schwachen Ergebnis wiedergewählt.

Herbes Resultat für den bisherigen und künftigen Vorsitzenden der Gewerkschaft IG Metall: Jörg Hofmann ist am Dienstag auf dem Gewerkschaftstag in Nürnberg mit lediglich 71 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden. Damit erhielt er das historisch zweitschlechteste Wahlergebnis aller bisherigen Vorsitzenden der größten Einzelgewerkschaft der Welt. Nur Jürgen Peters schnitt 2003 mit 66 Prozent noch schlechter ab. Allerdings war der damaligen Wahl ein interner Machtkampf vorausgegangen.

„Es ist sicherlich eine Enttäuschung, das Ergebnis, andererseits ist es ein ehrliches Ergebnis“, sagte Hofmann nach seiner Wiederwahl. Es zeige, in welchem Spannungsfeld die IG Metall stehe. Es zeige auch, wie wichtig die ausführliche Debatte darüber sei, wie sich die IG Metall in den Umbruchsituationen ihrer Branchen ausrichte. So stehen in der Autoindustrie zum Beispiel viele Arbeitsplätze infrage, weil elektrisch betriebene Autos einfacher herzustellen sind als Verbrenner. An Altem, in diesem Fall dem Verbrenner, festzuhalten, sei gleichwohl keine Lösung, so Hofmann. Die Gewerkschaft müsse sich verändern, sie könne nicht allein an Besitzständen festhalten.

Hofmann ist seit 2015 Gewerkschaftschef. Vor vier Jahren hatte er noch 91,3 Prozent der Stimmen erhalten. Hofmann gilt als ausgewiesener Tarifexperte. Er sitzt als Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten von Volkswagen und Bosch. Bei der Wahl am Dienstag war er einziger Kandidat für den Vorsitz.

Das schwache Abschneiden war so nicht erwartet worden. Unter den Delegierten herrschte nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnis Rätselraten. Als möglicher Grund für Skeptiker gilt Hofmanns vergleichsweise hohes Alter. Er wird bei einer vollständigen Amtszeit bis zum Alter von fast 68 Jahren im Amt bleiben. In Ostdeutschland gibt es zudem vereinzelt Unzufriedenheit, weil die IG Metall dort die 35-Stunden-Woche nicht durchsetzen konnte.

Insgesamt steht die Gewerkschaft vor gewichtigen Problemen. Die IG-Metall-Führung hatte sich klar zum Klimaschutz bekannt, was teilweise Unzufriedenheit bei den Arbeitern aus der Schwerindustrie auslöste. In der Autobranche muss der Transformationsprozess hin zu alternativen Antrieben begleitet werden – ebenfalls ein Thema mit großem Konfliktpotenzial.

Als Hofmanns Stellvertreterin wurde Christiane Benner von den Delegierten wiedergewählt. Sie erhielt mit 87 Prozent der Stimmen ein besseres Ergebnis als Hofmann, aber kam ebenfalls nicht an ihr Ergebnis von 2015 heran. Auch die übrigen Vorstandsmitglieder wurden einstimmig zur Wiederwahl vorgeschlagen, Gegenkandidaten meldeten sich zunächst nicht.

Die Gewerkschaft IG Metall tagt seit Sonntag in Nürnberg. Am Mittwoch wird eine Grundsatzrede von Hofmann erwartet. Für Donnerstag hat sich Kanzlerin Angela Merkel angekündigt.   (dpa)

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