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Mit dem Schlafwagen unterwegs: Nachtzüge sollen auch weiterhin durch Deutschland rollen.
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Mit dem Schlafwagen unterwegs: Nachtzüge sollen auch weiterhin durch Deutschland rollen.

Nachtzüge

Schlafwagen bleiben auf der Schiene

  • Tim Szent-Ivanyi
    VonTim Szent-Ivanyi
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Die Österreichische Bundesbahn übernimmt die von der Deutschen Bahn aufgegebene Verbindungen. Damit bleiben die traditionellen Nachtzüge auch in Deutschland erhalten.

Lange Zeit gab es nur Gerüchte, Ende 2015 kam dann die offizielle Bestätigung: Die Deutsche Bahn wird zum Fahrplanwechsel im Dezember die traditionellen Nachtzüge aufs Abstellgleis fahren und den Verkehr mit Schlaf- und Liegewagen einstellen. Der Aufschrei der Bahn-Fans war groß, mehr als 35 000 Menschen haben inzwischen eine Online-Petition unterschrieben. Die Bahn hatte allerdings immer betont, dass sie Gespräche mit der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) führt, um den Nachtverkehr zu erhalten. Diese haben nun offenbar zum Erfolg geführt. Die ÖBB wird aller Voraussicht nach auf den Strecken der Deutschen Bahn Nachtzüge anbieten und so den bisherigen DB-Verkehr weitgehend ersetzen.

Was genau ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember passieren wird, ist noch offen. Dem Grünen-Bundestagsabgeordneten und Bahnexperten Matthias Gastel liegen jedoch die sogenannten Trassenanmeldungen der ÖBB vor. Sie sind Grundlage für den Bahnverkehr, denn die Züge nutzen schließlich das (kostenpflichtige) Netz der DB. Nach diesen Anmeldungen will die ÖBB täglich zusätzlich drei Euronight-Züge (EN) mit Schlaf-, Liege- und Sitzwagen durch Deutschland fahren lassen. Die bisherigen ÖBB-Nachtzüge, die teilweise durch Deutschland rollen, bleiben erhalten.

DB mit hohen Verlusten

Keine Informationen lagen Gastel zu den Nachtverbindungen von München nach Mailand, Venedig und Rom vor. Inwieweit die ÖBB auch den Autozugverkehr in Deutschland wiederbeleben wollen, ist ebenfalls noch offen. Sprecher beider Unternehmen wollten sich nicht zu den Informationen des Abgeordneten äußeren. Voraussichtlich im September sollen die Pläne präsentiert werden.

Die DB hatte die Einstellung mit jahrelangen Verlusten in dieser Sparte begründet. Steigenden Betriebskosten stünden stagnierende Einnahmen gegenüber. Nur 1,3 Millionen Reisende, das sind ein Prozent der Gesamtzahl der Tagespassagiere, haben den Angaben zufolge zuletzt die Nachtzüge benutzt. 2015 wurde laut Bahn bei einem Ertrag von 90 Millionen Euro ein Verlust von 32 Millionen Euro erwirtschaftet. Da die meisten Züge mehr als 40 Jahre alt sind, seien zudem hohe Investitionen nötig, die sich aber nicht wieder hereinholen ließen, so die Bahn. Deshalb entschied der Vorstand, den Nachtzugverkehr zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember zu beenden. Als Alternative plant die Bahn, die Anzahl der nächtlich verkehrenden ICE-Züge zu erhöhen. Dort gibt es aber nur Sitzplätze. Außerdem sind Nachtzüge häufig die einzige Möglichkeit, Fahrräder mitzunehmen. In den ICEs ist eine Mitnahme generell nicht erlaubt.

ÖBB verdient Geld

Die Gewerkschaft der Lokführer, Fahrgastverbände sowie grüne und linke Bahnpolitiker warfen der Bahn vor, den Nachtzugverkehr über Jahre systematisch heruntergewirtschaftet zu haben, um am Ende eine Begründung für die Einstellung der in der Bahn-Spitze nicht beliebten Sparte liefern zu können. Durch schlechte Verbindungen und ungenügenden Service sei das Angebot immer unattraktiver geworden, so dass Fahrgäste weggeblieben seien. Auch die Verlustrechnung stimme nicht, die Bahn rechne die Sparte absichtlich krank. Die DB weist die Vorwürfe zurück. Es drängt sich aber der Verdacht auf, dass die Bahn tatsächlich nicht besonders an diesem Zugverkehr interessiert war.

Die im Vergleich zur Deutschen Bahn AG deutlich kleinere ÖBB betrachtet den Nachtzugverkehr zwar ebenfalls als Nischenprodukt. Sie hat aber erkannt, dass sich bei guter Organisation mit dieser Sparte durchaus Geld verdienen lässt. Derzeit macht die ÖBB mit den Nachtreisezügen 17 Prozent ihres gesamten Umsatzes. Im Mai hatte der ÖBB-Aufsichtsrat den Kauf von bis zu 60 gebrauchten Schlaf- und Liegewagen und 15 Autotransportwagen genehmigt. Bis Mitte 2019 sollen außerdem 20 ÖBB-Intercity-Wagen zu Liegewagen umgebaut werden, für die es bereits eine Designstudie gibt. Mit dem Ausstieg der DB ist die ÖBB der einzige Nachtzugbetreiber in Mitteleuropa.

Setzt die ÖBB die Pläne um, bliebe das bisherige Nachtzugangebot in Deutschland weitgehend erhalten. Fehlen würde beispielsweise die bisher von der DB betriebenen Nachtverbindung Köln-Warschau.

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