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Frachtschiff beim Auslaufen aus dem Seehafen von Rostock.

Weltmeere

Weniger Pötte sinken

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Die Schifffahrt wird zwar immer sicherer, künftig aber könnten Cyberattacken auf den Ozeanen große Schäden anrichten.

Es ist eine gute Nachricht: 2018 hat sich die Zahl großer gesunkener Schiffe global auf 46 Totalverluste halbiert - und das sowohl im Vergleich zu 2017 als auch dem Schnitt der jüngsten Dekade. Das geht aus einer Studie der Allianz-Tochter AGCS hervor. Von einer entspannten Lage mag Volker Dierks als Chef der AGCS-Schifffahrtssparte aber dennoch nicht sprechen. „2018 war ein positiver Ausreißer“, schätzt der Experte. Zwar nehme die Sicherheit in der globalen Schifffahrt zu. Die Entwicklung im Vorjahr sei aber auch dem Zufall geschuldet. Zudem gebe es neue Gefahrenquellen am Horizont und Risiken, die kaum in den Griff zu bekommen sind - von Cyberangriffen über Piraterie bis zu einer drohenden Zunahme von Maschinenschäden durch abgasarmen Sprit.

Wie unverändert die Risikolage bei genauerem Hinsehen ist, verrät die Zahl an Versicherungsfällen. Die ist im vergangenen Jahr mit 2698 bei großen Schiffen mit über 100 Bruttoregistertonnen gegenüber 2713 Schadensereignissen 2017 fast unverändert geblieben. Versichert sind weltweit etwa 60 000 Schiffe dieser Größe. Ein Pott muss nicht sinken, um hohe Schäden zu verursachen. Es reicht, wenn Container über Bord gehen, ein Brand auf hohe See ausbricht oder ein Maschinenschaden für eine Havarie sorgt.

Mehr als ein Drittel aller Schadensfälle geht laut AGCS-Studie auf Letzteres zurück. Das gilt auch für das Kreuzfahrtschiff, das kürzlich in Venedig ein Ausflugsboot gerammt hat. Dazu kommt menschliches Versagen. So ist vorigen Herbst eine tunesische Fähre mit einem Containerschiff kollidiert, weil der diensthabende Offizier mit seinem Handy beschäftigt war, statt mit dem Schiffsradar.

Zudem bereitet sich die Assekuranz auf neue Risiken vor. Die können politischer Natur sein, wie der jüngste Angriff auf einen Öltanker im Nahen Osten zeigt. Ab 2020 gelten ferner strengere Emissionsvorschriften auf See. Weil nicht jeder Motor abgasärmeren Sprit problemlos verkraftet, fürchten Versicherer mehr Maschinenschäden, die allein in den vergangenen fünf Jahren die Branche 900 Millionen Euro gekostet haben. Eine wachsende Gefahr ist auch, dass Containerschiffe immer größer werden und heute bis zu 24 000 Boxen laden. Bricht an Bord eines solchen Riesen einmal ein Brand aus, ist dieser oft unerreichbar im Schiffsinneren und kaum noch zu löschen.

Dazu gibt es regional ausgemachte maritime Gefahrenzonen. Für Versicherer am gefährlichsten sind die Gewässer Südchinas, vor allem weil dort am meisten Schiffe unterwegs sind. Gleich dahinter rangieren östliches Mittelmeer und Schwarzes Meer. Dort sind besonders viele Seelenverkäufer unterwegs, sagen Experten.

Als gefährlich hat sich 2018 auch der Schiffsverkehr zwischen griechischen Inseln erwiesen. Drei Fähren waren hier an insgesamt acht Vorfällen beteiligt. Piraterie wiederum ist an der afrikanischen Westküste ein massives Problem. Insgesamt kam es 2018 zu 201 Akten von Piraterie gegenüber 178 solcher Überfälle 2017.

Auf den ersten gemeldeten Schaden auf See durch Cyberkriminalität warten Versicherer noch. An Land ist die Infrastruktur von Reedereien schon mehrmals ein Opfer von Attacken aus dem Netz geworden. Wenn auch große Schiffe einmal autonom ohne Crew fahren, was nicht mehr lange dauern dürfte, bekommen Cyberszenarien auf See eine neue Dimension.

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