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Mit den Lenkdrachensystemen von Skysails konnten Kraftstoffkosten teilweise um bis zu einem Drittel verringert werden.
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Mit den Lenkdrachensystemen von Skysails konnten Kraftstoffkosten teilweise um bis zu einem Drittel verringert werden.

Schifffahrt

Schiffdrachenhersteller in Turbulenzen

  • VonEckhard Stengel
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Die Schifffahrtskrise beutelt jetzt auch den innovativen Zugdrachenhersteller Skysails: Er musste seine Belegschaft jetzt halbieren.

Auf einigen Gegenwind war der Hamburger Wirtschaftsingenieur Stephan Wrage gefasst, als er 2001 die Firma Skysails gründete. Gemeinsam mit einem Schiffbauingenieur wollte er die Seefahrt revolutionieren: mit einem Zugdrachen als treibstoffsparenden Hilfsantrieb. Aber dass es so stürmisch für ihn würde, hatte er wohl nicht gedacht.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise bringt seine Hamburger Unternehmensgruppe, die laut Wrage inzwischen über 300 Gesellschafter hat, in Kentergefahr. Ende Januar bekam die Hälfte der rund 80 Skysails-Beschäftigten die Kündigung, wie die Onlineausgabe des Manager-Magazins jetzt berichtete.

„Die Lage ist schwierig“, bestätigt Geschäftsführer Wrage auf Nachfrage unserer Zeitung. „Aber wir haben eine klare Planung, wie wir sie bewältigen“, versichert der 39-Jährige.

Fast sieben Jahre Entwicklungszeit hatte Skysails gebraucht, bis im Januar 2008 der erste Frachter mit dem neuen Zugsegel auf große Fahrt gehen konnte: die „Beluga Skysails“ des umtriebigen Bremer Reeders Niels Stolberg. Bei günstigen Winden konnte das Schwergutschiff den 160-Quadratmeter-Drachen in die Luft steigen lassen und damit den Motorantrieb entlasten.

Trotz einiger Kinderkrankheiten freuten sich Kapitän und Hersteller nach der siebeneinhalbwöchigen Jungfernfahrt: Bereits bei mäßigem Wind habe das Segel etwa 20 Prozent der Maschinenleistung ersetzt. Inzwischen baut Skysails doppelt so große Drachen. „Wenn der Wind stimmt, ersetzen wir damit 35 Prozent und auch mehr“, berichtet Wrage.

Wirtschaftskrise beutelt die Reedereien

Trotzdem konnte die Firma bisher erst vier Frachter und einen Fischtrawler mit dem kosten- und umweltschonenden System ausrüsten. Denn wegen der Wirtschaftskrise geht es vielen Schiffseignern schlecht. Die Beluga-Reederei ist mittlerweile pleite und zerschlagen. Andere mögliche Skysails-Kunden müssen von Monat zu Monat über die Runden kommen und investieren deshalb nicht in eine neue Technik, die sich wohl erst nach Jahren rentiert.

Gibt es doch mal potenzielle Käufer, dann scheitert das Geschäft an der Vorfinanzierung: „Die Banken spielen nicht mit“, sagt Wrage. „Alles, was Schifffahrt ist, wollen sie nicht anfassen.“ Und Skysails macht derweil Millionenverluste. Da nützt es auch nichts, dass das junge Unternehmen schon mehrere Auszeichnungen für seine umweltfreundlichen Innovationen erhalten hat.

Mitten im tobenden Sturm will sich Skysails jetzt auf diejenigen Produkte und Projekte konzentrieren, die laut Wrage gut nachgefragt werden. So hat eine Tochterfirma kürzlich ein Computersystem auf den Markt gebracht, das auf See errechnet, bei welchem Fahrttempo sich jeweils am meisten Treibstoff einsparen lässt. Wrage: „Da sind Verkäufe, das funktioniert gut.“

Oder: Gemeinsam mit der Berliner Firma Solar Water World entwickeln die Hamburger gerade eine „solarelektrische Kite-Yacht“, die wahlweise von einem Solarstrommotor oder einem Zugdrachen angetrieben wird. Diese Weltneuheit soll ähnlich wie ein normales Motorboot aussehen und bis zu 25 Meter lang werden. Das Dach der Kajüte erhält einen Sonnenkollektor, dessen Strom einen Elektromotor antreibt.

Weht genügend Wind, kann der Skipper den Motor abschalten und stattdessen ein 20 Quadratmeter großes Drachensegel aufsteigen lassen. Erhoffte Spitzengeschwindigkeit: bis zu 20 Knoten, rund 37 Kilometer pro Stunde.

Schiffsantriebe sind das eine. Daneben will die Unternehmensgruppe weiterhin an einer neuen stationären Methode zur Stromgewinnung tüfteln: Ein Zugdrachen zieht das Seil, an dem er hängt, bis maximal 800 Meter in die Höhe. Die Seiltrommel, die auf einer schwimmenden oder festen Plattform ruht, ist mit einem Generator verbunden. Beim Ausfahren des Seils wird daher Strom erzeugt. Ist die maximale Höhe erreicht, wird der Drachen in eine günstige Position zum Einholen gedreht und das Seil wieder aufgerollt - und so weiter.

Die Rückholphase verbraucht laut Skysails weniger Energie, als beim Ausfahren erzeugt wird. Klingt patent, klappt bisher aber nur mit einem 20-Quadratmeter-Drachen, der 55 Kilowatt Generatorleistung schafft. Wrages hochfliegendes Ziel: 320 Quadratmeter und ein Megawatt. Jetzt kann der Firmengründer nur hoffen, dass ihm und seinen Gesellschaftern nicht vorzeitig die Puste ausgeht.

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