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Jede zwölfte Sektflasche kommt von Henkell-Freixenet.

Henkell-Freixenet

Schaumwein für die Welt

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Die Wiesbadener Sektkellerei Henkell-Freixenet zieht nach der Fusion eine positive Bilanz und hat ambitionierte Pläne für die Zukunft.

Bis hinter das Jahr 1963 blickte der Sprecher der Geschäftsführung von Henkell-Freixenet, Andreas Brokemper, zurück bei der Frage, warum der deutsche Sektmarkt weltweit am größten ist. Immerhin rangierten unter den Top fünf der größten Sekthersteller 2017 drei deutsche Produzenten, angeführt von dem Wiesbadener Schaumweinhersteller Henkell, der im vergangenen Jahr das spanische Cava- und Wein-Unternehmen Freixenet mehrheitlich gekauft hat.

„Sekt ist etwas Besonderes“, sagte Brokemper am Mittwoch anlässlich der Unternehmensbilanz für das vergangene Jahr. Das haben die Deutschen verinnerlicht, als für Sekt noch eine Preisbindung von 8,50 DM pro Flasche bestand. „Man musste einen Tag arbeiten für eine Flasche Sekt.“

Kein Wunder also, dass mit dem Wegfall der Preisbindung 1963 auch das Preisniveau für die prickelnde Spirituose nach unten ging. Bis heute kostet die Durchschnittsflasche Sekt in Deutschland weniger als anderswo in den rund 150 Ländern, in denen das Wiesbadener Unternehmen inzwischen seinen Sekt verkauft. Trotzdem – oder gerade deshalb – steigerte Henkell-Freixenet hierzulande seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 4,1 Prozent. In Deutschland, Österreich und der Schweiz belief er sich 2018 auf 175 Millionen Euro, 90 Prozent davon machte der deutsche Absatz aus. Das entspricht einem Fünftel des Gesamtumsatzes von 823 Millionen Euro, den das Unternehmen 2018 erwirtschaftet hat – dank der Übernahme von Freixenet ein Umsatzplus von 56,5 Prozent.

„Ein Riesenerfolg“, sagte Brokemper über die neue Allianz mit dem ehemaligen Konkurrenten. Langfristig will er den Marktanteil der Firma weiter steigern. „Für 2025 haben wir uns vorgenommen, weltweit für jedes zehnte Glas Schaumwein zu stehen.“ Zuletzt habe der weltweite Marktanteil der Gruppe 8,5 Prozent betragen, also bei jeder zwölften verkauften Flasche.

Die internationale Expansion soll weiter vorangetrieben werden. Im vergangenen Geschäftsjahr ging die Rechnung schon in Großbritannien auf, „bedingt durch den Konsum von Prosecco“, sagt Brokemper. Auch in den USA stieg der Absatz, denn vor allem die Generation der Millennials habe inzwischen den Sekt für sich entdeckt – statt etwa Gin oder Bier.

Preiskämpfe, hierzulande etwa mit der Rotkäppchen-Mumm-Konkurrenz, sehen die Wiesbadener gelassen, das belege die „Attraktivität der Gattung“, so Brokemper. Ärger könnte es werden, wenn sich ein Jahr wie 2017 wiederholt, in dem die Ernte mau ausfiel. Während es früher nur leichte Ausschläge bei der Ernte gab, sind die Wetterverhältnisse der letzten zehn Jahre laut Brokemper „ein Indiz, dass sich was tut“. Einstweilen gab das Unternehmen aber Entwarnung: Weder national noch international seien große preisliche Veränderungen zu erwarten. Und eine Preisbindung wie anno dazumal schon gar nicht, sodass dem Korkenknallen zumindest keine höheren Preise entgegenstehen.

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