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„Schau mal, die Meier“

  • Sigrid Meuselbach
    VonSigrid Meuselbach
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Über Rabenmütter und Latte-Macchiato-Mamis

Hoffentlich tut es Dir nicht mal leid, dass Du deine Kinder so vernachlässigt hast!“ Der Ton der Teilzeit-Kollegin moduliert zwischen Vorwurf, Mitleid und Besserwisserei. Ihre Kollegin lässt sich nichts anmerken, aber es brodelt in ihr. Natürlich kennt sie diese Vorwürfe zur Genüge, doch was trifft eine Mutter mehr als die Vorhaltung, nicht für ihre Kinder da zu sein? Und was, wenn sie zu Hause geblieben wäre und sich in einem ruhigen Moment ein Heißgetränk im Stammcafé gegönnt hätte? „Schau mal, die Meier. Kaum sind die Kinder in der Kita oder in der Schule, schon lässt sie sich auf der Terrasse die Sonne auf den Bauch scheinen. Hat wohl nichts Besseres zu tun …“

Scheinbar können Frauen es nur falsch machen. Fügen sie sich traditionellen Rollenerwartungen, machen sie sich als „Latte-Macchiato-Mamas“ einen faulen Lenz, verzichten sie auf Kinder, sind sie egozentrische Karrieremonster. Wollen sie beides, Karriere und Kinder, sind sie Rabenmütter. Irgendwer findet sich immer, der das jeweilige Lebensmodell kritisiert.

Doch welchen Schaden fügen karriereorientierte Mütter ihren Kindern tatsächlich zu? Hospitalismus bis zum Kaspar-Hauser-Syndrom? „Mindestens“, behauptet die Fangemeinde des klassischen Heimchens am Herd. „Keinesfalls“, erwidert die Psychologin Una Röhr-Sendlmeier nach einer Studie mit 5500 Familien, deren Ergebnisse sich frappierend mit weiteren Studien decken. Die Untersuchungen belegen: Kinder berufstätiger Mütter sind nicht psychisch auffälliger oder in der Schule schlechter: Oft sind sie sogar leistungsmotivierter und erfolgreicher als andere. Ihre Mütter sind im Schnitt zufriedener als reine Hausfrauen, was die psychische Stabilität ihrer Kinder verstärkt – meint das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW).

Grund genug zur Toleranz, wenn eine Frau Beruf und Familie verantwortungsvoll vereinbaren kann. Leider aber neigen Menschen dazu, fremde Lebensentwürfe als Verurteilung des eigenen zu interpretieren. Doch zurück zu den Kindern: Ob sie „geraten“ oder, was viel wichtiger ist, glücklich sind, bestimmen immer noch die Menschen, die ihre Eltern sind, und nicht die Lebensweise, für die sich die Familie entscheidet. Sicher ist allerdings eines: mit flexibleren und familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen in der Wirtschaft hätten wir diese Diskussion wohl kaum.

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