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Die Hafenanlagen der Hansestadt Wismar.

Werften

Der Schatten über Wismar

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Ermittler prüfen den Verdacht auf Geldwäsche und Verstrickungen der Mafia.

Die Vergangenheit liegt wie ein grauer Schleier über den Werften von Wismar und Warnemünde. Ende Januar reisten Staatsanwälte aus Schwerin nach Madrid. Es ging, wieder einmal, um den Verdacht der Geldwäsche, russische Mafia, Oligarchen, die in Spanien leben, und mögliche Verstrickungen früherer Werftenbosse. Neue Erkenntnisse ergeben sich nicht.

Die Geschichte reicht zurück bis zur großen Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren. Containerschiffe, bis dahin das Kerngeschäft der beiden Schiffbaubetriebe, wollte niemand mehr haben. Banken gaben kein Geld mehr. In dieser Lage betritt im März 2008 ein früherer Sowjetoffizier die Szene. Für die enorme Summe von 249 Millionen Euro kauft Andrej Burlakow die Werften. Niemand fragt, woher das Geld kommt. Hunderte Arbeitsplätze scheinen gerettet.

Doch der Schein trügt. Die versprochenen Aufträge bleiben aus. Nach einem Jahr muss der windige Investor Insolvenz anmelden. Keine drei Jahre später ist Burlakow tot. Erschossen in einem Moskauer Restaurant.

Die Werften in Wismar und Warnemünde sind bereits 2009 für 40 Millionen Euro an einen Gazprom-Manager gegangen: Witaliy Jussufow, Sohn des Kreml-Vertrauten und früheren russischen Energieministers Igor Jussufow.

2010 leitet die Staatsanwaltschaft Schwerin ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Geldwäsche ein. Die ursprüngliche Kaufsumme Burlakows von fast einer Viertelmilliarde Euro soll illegal aus dem russischen Haushalt abgezweigt worden sein. Der Verdacht: Die Jussufows steckten von Anfang an hinter dem Deal. Das zumindest behauptet später ein früherer Berater Burlakows.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geraten immer wieder ins Stocken. Mit Burlakow ist der wichtigste Zeuge tot. Ein weiterer Zeuge mit Verbindungen zur russischen Mafia, der in Schwerin auspacken will, wird kurz zuvor in Moskau verhaftet. Seine Spur verliert sich hinter russischen Gitterstäben. Obwohl auch Jussufow große Mühe hat, die Werften wirtschaftlich zu sanieren, und die Großaufträge für eisbrechende Tanker ausbleiben, kann er 2016 die Werften an die Genting-Gruppe verkaufen – für 230,6 Millionen Euro. Die Fragen der Ermittler bleiben unbeantwortet.

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