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Ohne gefährliche Substanzen

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Von: Joachim Wille

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Die Substanzen, mit denen auch Kaffebecher zum Mitnehmen beschichtet werden, sind ungesund und schwer abbaubar.
Die Substanzen, mit denen auch Kaffebecher zum Mitnehmen beschichtet werden, sind ungesund und schwer abbaubar. © imago images/Frank Sorge

Ein Verbot von wasserabweisenden PFAS-Chemikalien rückt näher, nachdem Behörden aus fünf EU-Ländern einen Beschränkungsvorschlag eingereicht haben.

Was „PFAS“ sind, ist nur wenigen bekannt, obwohl praktisch jeder Mensch sie benutzt. Die „per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen“ werden wegen ihrer wasser-, öl- und schmutzabweisenden Eigenschaften in vielen Anwendungen vielfach eingesetzt – von Outdoor-Textilien über beschichtete Pfannen bis zum Kaffee-To-Go-Becher. Doch die Chemikaliengruppe gilt seit langem als umwelt- und gesundheitsgefährlich. Nun rückt ein Verbot näher. Mehrere europäische Umwelt- und Verbraucherschutz-Behörden, darunter das Umweltbundesamt (UBA), haben sich jetzt dafür ausgesprochen.

Die PFAS-Gruppe besteht aus inzwischen fast 5000 Substanzen. Das Problem: Die Stoffe sind in der Umwelt sehr mobil und schwer abbaubar. Man findet sie mittlerweile selbst in den entlegensten Gebieten der Erde, etwa in der Tiefsee und in den Polargebieten. Nachgewiesen wurden die Chemikalien in Wildtieren und Fischen, aber auch in Milch und zahlreichen anderen Lebensmitteln sowie in menschlichem Blut und in Muttermilch. PFAS stehen im Verdacht, das Immunsystem zu schwächen und sogar die Entstehung von Krebs zu begünstigen. Außerdem können sie Organe wie die Leber oder die Schilddrüse schädigen und den Fettstoffwechsel beeinträchtigen.

Drei Jahre lang wurden die Risiken der Chemikalien untersucht

Die 2007 in Kraft getretene Chemikalienverordnung der EU, kurz „REACH“ genannt, sieht die Möglichkeit vor, gefährliche Substanzen aus dem Verkehr zu ziehen. Die Behörden aus fünf EU-Ländern haben dazu jetzt einen gemeinsamen Vorschlag bei der Europäischen Chemikalienagentur (Echa) eingereicht, der eine Beschränkung des PFAS-Einsatzes vorsieht. Für Deutschland waren neben dem UBA die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beteiligt, die weiteren Antragsteller kamen aus den Niederlanden, Dänemark, Norwegen und Schweden.

Vorausgegangen waren eingehende Untersuchungen der Behörden in den vergangenen drei Jahren zu den Risiken der Chemikalien. Dabei wurden auch zwei öffentliche Konsultationen abgehalten, um von der Industrie Informationen zur Verwendung der Stoffe zu erhalten, wie das UBA mitteilte.

Umweltbundesamt weist auf Alternativen zu PFAS-Produkten hin

Bis es zu einem möglichem PFAS-Verbot wird es jedoch noch dauern. Zuerst werden sich zwei Ausschüsse der Chemikalienbehörde mit dem Vorschlag beschäftigen, dabei geht es um die Risiken der Chemikalien sowie um die Folgen eines Verbots für Wirtschaft und Arbeitsplätze. Sie müssen ihre Stellungnahmen nach einer öffentlichen Konsultation bis März 2024 abgeben. Liegen diese vor, entscheidet die Brüsseler Kommission zusammen mit den EU-Mitgliedsstaaten über eine Beschränkung.

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass es in einigen Bereichen für Verbraucher:innen bereits heute Möglichkeiten gibt, die kritischen Chemikalien zu umgehen. Bei Bekleidung wie zum Beispiel Outdoorjacken existierten bereits PFAS-freie Produkte, die von den Herstellerfirmen entsprechend gekennzeichnet und beworben werden. Im Falle von beschichtetem Kochgeschirr rät das UBA zu Alternativen aus Eisen oder Emaille.

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