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Uber macht Furore in Saudi-Arabien: Saudische Frauen lieben den Fahrdienst, der Staatsfonds investiert strategisch Milliarden.
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Uber macht Furore in Saudi-Arabien: Saudische Frauen lieben den Fahrdienst, der Staatsfonds investiert strategisch Milliarden.

Fahrdienst

Saudi-Arabien investiert in Uber

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Mit einer Milliardeninvestition steigt der saudische Staatsfonds bei dem kalifornischen Fahrdienst Uber ein. Es ist eine Wette auf das Potenzial neuer Mobilitätsangebote.

Jetzt haben es auch die Saudis kapiert. In neuen Taxi- und Chauffeurdiensten liegen riesige Potenziale. Deshalb investiert der saudische Staatsfonds in den US-Fahrdienst Uber. Es ist eine Wette auf das Potenzial neuer Mobilitätsangebote. Der Fonds überweist 3,5 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro) nach Kalifornien und wird damit größer Investor von Uber.

Das wesentliche Produkt des in Europa höchst umstrittenen Unternehmens besteht vornehmlich in einer App für das Smartphone, die Fahrer und Kunde zusammenbringt. Gleichwohl wird Uber jetzt mit umgerechnet 55 Milliarden Euro bewertet. Das ist mehr als BMW an der Börse wert ist. Kürzlich ist schon der Autobauer Toyota bei dem US-Fahrdienst eingestiegen – die Höhe der investierten Summe wurde nicht genannt. Zugleich wollen die Japaner künftig den Uber-Fahrern Leasingfahrzeuge zur Verfügung stellen.

Uber hat in der EU mit den Behörden viele Scherereien – vor allem, weil Fahrer aktiv sind, die keine Lizenz zum Befördern von Personen haben. Auch mögliche Steuerhinterziehung spielte eine Rolle. Hierzulande wurde Uber in mehreren Städten verboten.

In anderen Weltregionen hingegen hat die App einen Siegeszug hingelegt. So haben die Manager beschlossen, in Nordafrika und im Nahen Osten rund 250 Millionen zu investieren. In neun Ländern wird die Fahrdienstvermittlung schon angeboten, auch in Saudi-Arabien. Dort zählen Frauen, denen Autofahren verboten ist, zu den wichtigsten Nutzern . In der Region wird mehr investiert als in den Riesenländern Indien und China – dort gibt es schon starke Konkurrenz.

Uber selbst wächst derzeit am stärksten in Lateinamerika, dort hat sich die Zahl der Fahrgäste in den ersten vier Monaten im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht.

Doch auch zwischen Mexiko und Feuerland  dürfte die Konkurrenz demnächst wachsen: Womöglich durch Lyft und Gett. General Motors beziehungsweise Volkswagen sind bei den international agierenden Fahrdienstvermittlern vor kurzem in großem Stil eingestiegen. Bei Didi in China ist es der weltgrößte Computerkonzern Apple mit von der Partie. Und Daimler hat sich schon vor geraumer Zeit die Taxi-App MyTaxi einverleibt.

Neues Spielfeld der Autobauer

Das zeigt: Bei Investoren und Autokonzernen sind Chauffeurdienste derzeit extrem angesagt. Ihnen werden in zahlreichen Studien starke Wachstumsraten zugetraut. So schätzen Marktforscher, dass der Markt für Mobilität auf Abruf allein in Europa bis 2025 bis zu zehn Milliarden Euro ausmachen kann – mit jährlichen Wachstumsraten von 30 Prozent. Uber ist hier Marktführer, deshalb werden dem Unternehmen von vielen Analysten große Chancen eingeräumt, sich langfristig durchzusetzen. Allerdings bekommen es die Amerikaner künftig vor allem mit mächtigen Autobauern zu tun. Experten sind sich einig, dass die neuen Mobilitätsangebote zu wichtigen Geschäftsfeldern der Konzerne werden.

Der gerade erschienene und in den USA vielbeachtete Internet Trends Report der Beratungsfirma KPCB listet dafür eine ganze Reihe von Faktoren auf. Es läuft für die Analysten darauf hinaus, dass private Pkw einerseits sehr teuer sind und dass ihre Nutzung andererseits in den Städten immer schwieriger wird, weil Parkraum fehlt und weil sich Staus häufen. Als Alternative werden Fahrdienste und auch Carsharing genannt.

Hierzulande ist Uber indes nur in Berlin und München aktiv. Modernes, stationsunabhängiges Carsharing gibt es in deutlich mehr Städten. Und am Mittwoch starteten Volkswagen und Gett ihren Taxidienst in Berlin. Weitere deutsche Städte dürften folgen. Gett vermittelt Fahrten bereits in 60 Städten und wächst ähnlich schnell wie Uber, setzt aber nur Fahrer mit Personenbeförderungsschein ein. VW-Chef Matthias Müller erhofft sich gleich mehrfachen Nutzen aus der neuen Allianz. Volkswagen will künftig Gett-Fahrern Autos zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellen, sowohl bei Kauf und Finanzierung als auch bei Versicherungen und Wartung. VW baut sich damit einen zusätzlichen Vertriebskanal auf, und Gett kann schnell die Zahl der Fahrer erhöhen. Ähnliche Konzepte verfolgt auch Uber mit Toyota und der eigenen Leasingtochter Xchange.

Derweil arbeiten die Manager der Fahrdienste daran, die Effizienz ihrer Angebote zu erhöhen. Dabei geht es vor allem um Mitfahrgelegenheiten – Uber-Pool etwa. Hier vermittelt die App mehrere Personen, die in dieselbe Richtung fahren wollen. Sie werden in dasselbe Auto gelotst. Das macht die Fahrten für jeden Fahrtgast billiger und reduziert den Verkehr. Uber-Pool soll demnächst unter anderem in Rio de Janeiro eingesetzt werden, wo im Sommer die Olympischen Spiele stattfinden – Rio zeichnet sich durch Dauerstaus und einen nur mäßig ausgebauten öffentlichen Nahverkehr aus.

Uber-Deutschland-Chef Christian Freese will den Dienst hierzulande 2017 starten. Voraussetzung sei aber, eine Liberalisierung des Personenbeförderungsgesetzes, sagt er dem Wirtschaftsmagazin „Bilanz“. Sein Unternehmen könne viele Mobilitätsprobleme lösen. Die Fahrzeuge seien zu 80 Prozent ausgelastet und könnten in Zukunft auch Pakete oder Essen liefern.

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