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Ukraine fordert Energie-Embargo - und stellt EU enorme Energielieferungen in Aussicht

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Von: Michelle Brey

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Ein Lieferstopp von Erdgas durch Russland würde enorme Folgen für deutsche Branchen nach sich ziehen.
Die Ukraine will der EU Gas und Wasserstoff liefern. © Patrick Pleul/dpa

Die Ukraine kündigt Gas und Wasserstoff in erheblichem Umfang für den Westen an. Der Energieminister stellt im Ukraine-Krieg zunächst allerdings eine Forderung.

Kiew/München - Die Energie-Embargo-Debatte setzt sich fort. Russlands Präsident Wladimir Putin fordert Gas-Zahlung westlicher Staaten seit dem 1. April über russische Konten. Die energieintensive Industrie sieht düstere Zeiten voraus. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte bereits am 30. März den Gas-Notfallplan* ausgerufen. Nun will die Ukraine Angaben ihres Energieministers zufolge zur Verringerung der europäischen Abhängigkeit von Russland zukünftig Gas und Wasserstoff in erheblichem Umfang liefern. Zunächst fordert die Ukraine jedoch ein Energie-Embargo gegen Russland.

Ukraine-Krieg: Forderung nach „umfassenden Energiesanktionen“ gegen Russland

Wegen des eskalierten Ukraine-Konflikts* seien jetzt erst einmal „umfassende Energiesanktionen“ gegen Russland notwendig. Das sagte der ukrainische Energieminister German Galuschtschenko dem Tagesspiegel. Damit solle Russland das Geld für eine Fortsetzung seines Angriffskrieges entzogen werden.

„Deshalb fordern wir, dass es einen Mechanismus geben sollte, der sie daran hindert, Geld zu erhalten, bevor sie ukrainischen Boden verlassen haben“, sagte Galuschtschenko mit Blick auf die russischen Gegner. Die ukrainische Regierung schlage vor, einen Fonds unter westlicher Aufsicht einzurichten, „in den die Erlöse eingezahlt werden und der das Geld aus den Rohstoffverkäufen so lange behält, bis Russland den Krieg stoppt“.

Nach einem Ende des Ukraine-Krieges* biete der Export von Wasserstoff in andere europäische Länder seinem Land „Perspektiven und Wachstumsmöglichkeiten“, sagte der Energieminister. Ukrainische Atomkraftwerke produzierten bereits Wasserstoff in kleinen Mengen - „und wir bauen gerade eine größere H2-Anlage. Technologisch ist das sehr gut machbar.“ Schwieriger sei es, das Erdgas-Pipelinesystem für den Wasserstoff-Transport aufzurüsten, „aber mit großen Investitionen ist auch das möglich“.

Ukraine will Ausfall von russischem Gas ausgleichen

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz* (SPD) setzt auf eine große Wasserstoff-Initiative, um den Treibhausgasausstoß in Deutschland zu verringern. Galuschtschenko nannte es im Tagesspiegel „wirklich hilfreich und wichtig, dass Europa die Tür für nuklearen Wasserstoff nicht vor unserer Nase zuschlägt“. Sogenannter gelber Wasserstoff könne ein wichtiger Baustein sein, um Europas Energiesicherheit zu gewährleisten.

„In den letzten Wochen sollte jedem in Europa klar geworden sein, dass diese Sicherheit keine Selbstverständlichkeit ist“, betonte der ukrainische Minister. Sein Land investiere aber auch in erneuerbare Energien. „Vor allem in unserem sonnigen Süden haben wir bereits erhebliche Solarkapazitäten aufgebaut“, sagte Galuschtschenko. Die Ukraine* habe „ein großes Potenzial für die Stromerzeugung aus Biomasse, Biogas und Wasserkraft“ und könne zudem ihre Gasförderung deutlich ausbauen.

Seinem Land lägen „verlässliche Zahlen über das Potenzial von zwei Offshore-Gasfeldern“ mit einem Volumen von 350 Milliarden Kubikmetern und 500 Milliarden Kubikmetern vor, sagte Galuschtschenko. Er sprach von „sehr großen Volumen“. „Wir freuen uns darauf, sie nach dem Krieg zu nutzen, um den Ausfall russischen Gases auszugleichen - für uns, aber auch für den Rest Europas.“

Zunächst setzen russische Truppen ihren Angriffskrieg jedoch fort. Der ukrainische Präsident wandte sich auf Russisch an Soldaten-Eltern und warnte sie eindringlich. (mbr mit AFP)

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