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Samuelssons Comeback

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Von: Hannes Gamillscheg

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Håkan Samuelsson, Volvo-Chef.
Håkan Samuelsson, Volvo-Chef. © AP

Zuletzt war Håkan Samuelsson mit der feindlichen Übernahme von Scania gescheitert - nun übernimmt der Ex-MAN-Chef die Führung von Volvo. Er soll das Unternehmen, das inzwischen in chinesischem Besitz ist, in eine neue Ära führen.

Bei MAN scheiterte er mit der feindlichen Übernahme des Konkurrenten Scania, dann griff er vergeblich nach der bankrotten Edelmarke Saab, jetzt feiert Håkan Samuelsson bei Schwedens dritter Fahrzeugmarke Volvo ein überraschendes Comeback. Der 61-Jährige löst den sieben Jahre jüngeren Ex-VW-Manager Stefan Jacoby als Vorstandschef von Volvo Cars ab, teilte der Autohersteller in Göteborg mit, der seit zwei Jahren zum chinesischen Geely-Konzern gehört.

Jacoby musste im September nach einem leichten Gehirnschlag eine Auszeit nehmen, rechnete aber damit, nach einem Monat zurückzukehren. Doch jetzt verlässt er „mit unmittelbarer Wirkung und in Einverständnis mit dem Aufsichtsrat“ seinen Posten. Der Rücktritt habe nichts mit Jacobys Gesundheitszustand zu tun, so Volvos Vizeaufsichtsratschef Hans-Olov Olsson: „Wir brauchen einen neuen Chef, um das Unternehmen in eine neue Ära zu führen.“

Schwedische Medien hatten seit längerem über einen Machtkampf zwischen Olsson und Jacoby spekuliert. Schlechte Zahlen in der jüngsten Halbjahresbilanz veranlassten Volvo dann zu reagieren. Vor allem in Europa war der Absatz eingebrochen, auch das China-Geschäft läuft schlecht.

Samuelsson soll den Umschwung bringen

Nun soll Samuelsson, der seit der Geely-Übernahme ebenfalls zum Volvo-Aufsichtsrat gehörte, den Umschwung einleiten. In seiner Heimat Schweden wie in Deutschland, wo er bisher wohnte, ist Samuelsson allerdings eine umstrittene Figur. Er begann seine Karriere beim Nutzfahrzeughersteller Scania, wo er bis zum Kronprinzen von Konzernchef Leif Östling aufstieg. Doch als er an diesem nicht vorbeikam, wechselte Samuelsson nach München zu MAN.

Von dort aus setzte er den Krieg gegen Östling fort und verlor erneut. Die feindliche Übernahme missglückte, VW-Aufsichtsrat Ferdinand Piëch, der als Großeigner bei MAN und Scania das Sagen hatte, setzte auf Östling statt auf dessen Konkurrenten. Als dann der Bestechungsskandal um die Zahlung von Geldern an afrikanische und asiatische Käufer aufflog, nahm Samuelsson seinen Hut, obwohl er versichert, davon nichts gewusst zu haben. Später gehörte er einem Konsortium an, das Saab von General Motors kaufen wollte – wieder vergebens. Nun bekommt er bei Volvo eine weitere Chance.

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