Wegen Akkuproblemen vom Markt genommen: Samsung Galaxy 7.
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Wegen Akkuproblemen vom Markt genommen: Samsung Galaxy 7.

Mobilfunk

Samsung stellt Produktion von Galaxy Note 7 ein

  • Tim Szent-Ivanyi
    vonTim Szent-Ivanyi
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Wegen dauerhafter Akkuprobleme stellt Weltmarktführer Samsung die Produktion des Galaxy Note 7 ein. Der Austausch der Modelle geht jedoch weiter.

Für Samsung kommt es immer dicker. Auch die von dem südkoreanischen Konzern bereits ausgetauschten Smartphones vom Typ Galaxy Note 7 sollen in Brand geraten sein. Als Reaktion hat Samsung offenbar die gesamte Produktion des Gerätes gestoppt.  Was die neuen Informationen für die Kunden und für den Konzern im Kampf gegen den Hauptrivalen Apple bedeutet.

Welche Berichte gibt es über die Austauschgeräte?
Mittlerweile soll es allein in den USA sieben Vorfälle mit brennenden Austauschgeräten des Galaxy Note 7 gegeben haben. Am vergangenen Donnerstag musste in Louisville ein Flugzeug von Southwest Airlines, das sich noch am Boden befand, evakuiert werden, weil  Rauch aus einem Galaxy Note 7 kam.  Am Freitag ging Berichten zufolge das Note 7 eines 13jährigen Mädchens  in Flammen auf, während sie es in der Hand hielt. Sie konnte es schnell genug wegwerfen. Ein Mann wurde laut Bericht eines örtlichen Radiosenders durch Rauchgase leicht verletzt, weil sein Handy um vier Uhr in der Früh im Badezimmer in Brand geriet.   Unklar ist allerdings, ob sich alle Vorfälle tatsächlich so wie berichtet abgespielt hatten. Im Internet wird darüber spekuliert, ob es sich  um „Nachahmertäter“ handelte, denen es lediglich darum gegangen sei,  das Interesse der Medien zu wecken. Ergebnisse offizieller Prüfungen sind noch nicht bekannt

Warum geraten Akkus überhaupt in Brand?
Spezielle Schutzschaltungen in Akkus sollen eigentlich dafür sorgen, dass sie beim Laden nicht überhitzt werden. Dennoch gibt es immer wieder Berichte darüber, dass die Energiespeicher von elektronischen Geräten in Brand geraten.  Im Note 7 sollen interne Kurzschlüsse im Akku für die Überhitzung sorgen. Die  US-Verbraucherschutzorganisation CPSC will herausgefunden haben, dass in dem Smartphone der  Platz für den fest eingebauten Akku zu klein ist und er deshalb bei der Montage zusammen gedrückt werden muss. Das erhöht die Gefahr von Kurzschlüssel zwischen den Kontakten der  einzelnen Akkuzellen. Samsung selbst nennt als Grund Produktionsfehler in „einigen“ Akkus.

Samsung hatte doch aber in den Ersatzgeräten den Akku ausgetauscht?
Nachdem sich Ende August die Berichte über brennende Geräte mehrten, startete Samsung Mitte September ein weltweites Austauschprogramm für etwa 2,5 Millionen Smartphones. Bei  den Austauschgeräten wurde ein anderer Akku eingesetzt. Stimmen die Bericht über weiterhin brennende Geräte, dann wurde das Problem damit aber nicht beseitigt.

Wie sind die Reaktionen auf die erneuten Brände?
Mehrere Quellen, darunter ein von der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zitierter Manager eines Zulieferers,  berichteten, Samsung habe die Produktion des Gerätes vorläufig gestoppt. Samsung selbst hat das bisher  weder bestätigt noch dementiert. Das Unternehmen  veröffentliche nur eine Pressemitteilung mit der vagen Formulierung, die Produktionsplanung des Galaxy Note 7 werde „vorübergehend angepasst“. Zuvor hatten mehrere Mobilfunkunternehmen in den USA, darunter AT&T und T-Mobile US angekündigt, keine Geräte diesen Typs mehr an ihre Kunden auszugeben.  Käufer könnten ihre Geräte in andere Modelle austauschen, hieß es.

Was bedeuten die neuen Entwicklungen für deutsche Kunden?
Nach den ersten bekannt gewordenen Bränden Ende August war der für Anfang September geplante  Verkaufsstart in Deutschland und anderen europäischen Ländern verschoben worden. Offiziell  ist das Gerät derzeit in Deutschland nach wie vor nicht erhältlich. Gleichwohl wurde auch für deutschen Kunden am 19. September das Austauschprogramm begonnen. Es läuft weiterhin. Zuletzt wurde von Samsung der 28. Oktober als neuer Termin für den Verkaufsstart genannt. Ob dieser Termin   gehalten werden kann, ist nach den jüngsten Ereignissen jedoch mehr als fraglich.

Welche Folgen haben die Pannen für  Samsung?
Der finanzielle Schaden durch die erste Austauschaktion beläuft sich Schätzungen zufolge auf fast zwei Milliarden Euro. Bewahrheiten sich die neuen Probleme, dürfte sich die  Summe deutlich  erhöhen.  Der Imageschaden für Samsung ist jedenfalls schon jetzt gewaltig. Nutznießer dürften Apple und chinesische Marken wie Huawei oder Xiaomi sein. Die Börsen sind allerdings nicht so pessimistisch. Zwar gab der Kurs der Samsung-Aktie am Montag leicht nach. Gleichwohl notiert die Aktie derzeit immer noch höher als vor dem Bekanntwerden der  Note-7-Probleme. 

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