1. Startseite
  2. Wirtschaft

Klimaschutz: In Sambia regeln das die Frauen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Joachim Wille

Kommentare

Die Organisation Comaco will Wilderei eindämmen. Beim Umschulen zeigte sich: Frauen sind „Change Agents“ in den Gemeinden.
Die Organisation Comaco will Wilderei eindämmen. Beim Umschulen zeigte sich: Frauen sind „Change Agents“ in den Gemeinden. © Comaco

Eine Initiative in Sambia zeigt: Klimaschutz und Gleichberechtigung befruchten sich gegenseitig. Banken lassen das aber noch oft außer Acht, wenn sie Kredite vergeben.

Lusaka – Angefangen hat es mit dem Programm „Transformed Poachers“. Es wurde im Luangwa Valley in Sambia gestartet, um Wilderer (englisch: poachers) aus der Illegalität zu holen. Ziel war es, die Männer zu überzeugen, die Waffen abzugeben und sich „umschulen“ zu lassen. Sie sollten zusammen mit den Frauen aus ihren Familien ihr Geld künftig in der Bio-Landwirtschaft verdienen können. Es funktionierte. Statt Elefanten in dem berühmten afrikanischen Naturrefugium abzuschießen und ihr Elfenbein zu verkaufen, produzieren sie heute Nahrungsmittel.

Inzwischen arbeitet die Organisation Comaco, deren Finanzchefin die Klimaaktivistin Prudence Muchinouta ist, mit Gemeinden in dem ganzen südafrikanischen Land zusammen, 225 000 Menschen, davon 52 Prozent Frauen, gingen durch die Schulung. Und Comaco schuf einen Markt für die nachhaltig hergestellten Lebensmittel. Die Organisation kreierte eine eigene Marke, „It’s Wild“, die guten Absatz findet.

Frauen könnten die klimafreundliche Umstellung der Wirtschaft enorm voranbringen

Die erste Idee war zwar, den Wilderern eine andere Lebensgrundlage zu schaffen und so die Elefantenpopulation im Luangwa Valley vor der endgültigen Ausrottung zu retten. Es zeigte sich aber schnell, dass gerade die Frauen sich in den Lerngruppen hervortaten. Viele übernahmen dann auch Führungspositionen in den Kooperativen und Gemeinden, um die Landwirtschaft bodenschonender und klimafreundlicher zu machen. „Sie sind ,Change Agents‘ für den Klimaschutz“, sagt die deutsche Entwicklungsexpertin Jessica Espinoza, die die Erfolgsgeschichte von Comaco begleitet hat.

In den Anfangsjahren konnte Comaco nicht so stark wachsen wie erhofft, unter anderem, weil es an Finanzierungen fehlte. Inzwischen sind lokale Banken aufgewacht, und auch Sambias führendes Geldhaus, die Zanaco Bank, engagiert sich stark. Der Hintergrund: Zanaco hat ein Programm aufgelegt, in dem Geschäftsfelder identifiziert werden, in denen Frauen besonders erfolgreich sein können. Das „Gender Smart Opportunities Assessment“ war zusammen mit der DEG entwickelt worden, einer Tochter der deutschen Förderbank KFW, die Unternehmen in Entwicklungsländern finanziert und berät. Espinoza betreute das Projekt.

„Es lohnt sich für Banken, Frauen Kredite zu geben“, sagt die 35-Jährige, die vor ihrer Anstellung bei der Kölner DEG unter anderem bei einem Sozialunternehmen in Mexiko und einer Bank in Nicaragua gearbeitet hat. Frauen seien besonders loyale Kundinnen mit einer enorm hohen Rückzahlungsquote. Viele Geldinstitute in Entwicklungsländern hätte das noch nicht begriffen. Mikrokredite, etwa um Saatgut zu kaufen, bekämen die Frauen noch, doch wenn es darum gehe, einen Traktor zu finanzieren, werde es schwierig, Geldgeber zu finden. „Auch dass Frauen gerade die Umstellung der Wirtschaft auf klimafreundliche Prozesse besonders voranbringen können, hat kaum jemand auf dem Schirm“, berichtet Espinoza.

Jessica Espinoza ist Entwicklungsexpertin.
Jessica Espinoza ist Entwicklungsexpertin. © DEG

Dabei sei die Lage eigentlich eindeutig. Studien zeigten zum Beispiel, dass Frauen eher als Männer neue Unternehmen gründen, die einen Fokus auf Nachhaltigkeit haben und Innovationen für den Klimaschutz entwickeln. „Doch sie haben kaum Zugang zu Finanzierung“, so Espinoza. Oder: Konzerne, bei denen auch Frauen im Aufsichtsrat sitzen, hätten im Schnitt deutlich niedrigere Emissionswerte und einen geringeren Energieverbrauch als vergleichbare Nur-Männer-Unternehmen. Weiteres Beispiel: Welternährung. Die WHO habe errechnet, dass die Ernteerträge um 20 bis 30 Prozent höher liegen könnten, wenn Frauen den gleichen Zugang zu Ressourcen in der Landwirtschaft hätten, also etwa Finanzierung, Saatgut und Dünger, wie Männer.

Klimaschutz und Gleichberechtigung müssen zusammengedacht werden

Inzwischen allerdings gibt es immer mehr Banken und andere Geldgeber, die die Chancen einer Verknüpfung von „grünen“ und frauenorientierten Investitionen erkennen. Eine 2018 gegründete Allianz internationaler Investoren, genannt „2X Collaborative“, fordert: Um der Klimakrise mit dem notwendigen Tempo begegnen zu können, müssten Frauen weltweit gleichberechtigt beteiligt sein – als Entscheidungsträgerinnen, Unternehmerinnen, qualifizierte Arbeitskräfte und Konsumentinnen. Die Allianz ist eine Initiative der Entwicklungsfinanzierungs-Institutionen aus den G7-Staaten, zu deren Gründern die DEG zählt.

Und 2X Collaborative hat durchaus Erfolge zu vermelden. So hat die Allianz ihr Ziel, bis Ende 2020 mindestens drei Milliarden Dollar in die „Gender Lens Investing Strategie“ zu investieren, weit übertroffen. Erreicht wurden 11,4 Milliarden. Inzwischen gibt es ein neues Ziel von 15 Milliarden Dollar für 2021/22. Zudem stellte die Allianz auf dem Weltklimagipfel in Glasgow im letzten Herbst einen „Werkzeugkasten“ vor, der Investoren und Unternehmen Vorschläge macht, wie die Klima- und Gleichberechtigungsziele aktiv vorangetrieben werden können – etwa in den Bereichen Landwirtschaft, Wasser, Energie, Klimaanpassung, Biodiversität und Finanzdienstleistungen. Und die Idee zieht Kreise. Auch große Privatinvestoren und Finanziers wie die Citi Group, das „Investor Leadership Network“ globaler Pensionsfonds sowie mehr als 30 weitere Institutionen weltweit sind beigetreten.

Espinoza ist überzeugt davon, dass die Themen Klimaschutz und Gleichberechtigung absolute Megatrends in der Finanzwirtschaft sein werden. „Und wenn man beide miteinander verknüpft, beschleunigen sie sich gegenseitig“, sagt sie. (Joachim Wille)

Auch interessant

Kommentare