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Ryanair befördert rund 130 Millionen Passagiere im Jahr.

Kohlendioxid-Emissionen

„Ryanair ist die neue Kohle“

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Mit dem irischen Billigflieger landet erstmals eine Airline unter den zehn größten Klimasündern in Europa. Experten fordern eine Besteuerung von Kerosin und den Umstieg auf CO2-neutrale Treibstoffe.

Bisher befanden sich nur Kohlekraftwerke mit ihrem hohen Kohlendioxid-Ausstoß in den „Top Ten“ der europäischen Klimasünder, die meisten davon aus Deutschland. Doch nun hat es erstmals eine Fluggesellschaft in diese eher unrühmliche Liste geschafft: die irische Billig-Airline Ryanair. Sie emittierte im vorigen Jahr 9,9 Millionen Tonnen CO2, was ihr Platz zehn in der Bilanz einbringt, die die EU-Kommission jetzt zum europäischen Emissionshandel vorgelegt hat. Als nächste Airline in dem Ranking folgt auf Platz 31 Easyjet. Sieben der zehn Top-Emittenten sind hiesige Kohlemeiler, von Neurath (rund 32 Millionen Tonnen) bis Boxberg (zehn Millionen). An der Spitze liegt das polnische Braunkohlekraftwerk Belchatow (38 Millionen).

Der Emissionshandel reguliert den CO2-Ausstoß von Kraftwerken, der Industrie sowie der Luftfahrt innerhalb der EU. In den Brüsseler Daten zeigt sich, dass die Emissionen im Kraftwerkssektor durch den von den Regierungen forcierten Umstieg auf grüne Energie tendenziell sinken, während die der Airlines rasant ansteigen. Anno 2018 wuchs der CO2-Ausstoß im Flugverkehr um 4,9 Prozent, in den vergangenen fünf Jahren waren es 26,3 Prozent. Die anderen Sektoren im Emissionshandel verzeichneten 2018 einen Rückgang um 3,9 Prozent und seit 2013 um elf Prozent.

Die NGO „European Federation Transport and Environment“ (T & E) kritisierte diese Entwicklung heftig: „Beim Klima ist Ryanair die neue Kohle“, sagte deren Flugverkehrsexperte Andrew Murphy. Der Trend werde sich nicht umkehren lassen, solange die EU keine Maßnahmen ergreife, um den „zu niedrig besteuerten und zu wenig regulierten Sektor auf Kurs zu bringen“. T & E forderte eine Besteuerung von Kerosin und Vorschriften für die Branche, auf CO2-neutrale Treibstoffe umzusteigen. Airlines zahlen bisher keine Kraftstoffsteuer, außerdem sind Flugtickets für den internationalen Verkehr von der Mehrwertsteuer befreit.

Die Iren verteidigen sich

Ryanair befördert rund 130 Millionen Fluggäste im Jahr, der CO2-Ausstoß des Unternehmens stieg 2018 um knapp sieben Prozent und seit 2013 um rund 50 Prozent. Bei anderen Airlines lag der Zuwachs im letzten Jahr nach einer T & E-Analyse allerdings sogar noch höher, darunter Billigflieger wie Jet2, Wizz Air und Easyjet, aber auch nationale Carrier wie Finnair und Lufthansa.

Die Iren verteidigten sich denn auch gegen die Kritik der Umweltschützer. Ein Sprecher sagte: „Ryanair ist Europas grünste und sauberste Fluglinie.“ Ihre Passagiere hätten dank moderner Flugzeuge im Vergleich zu allen anderen Airlines die niedrigsten CO2-Emissionen pro Passagier und zurückgelegtem Kilometer.

Der Flugverkehr ist in der EU für rund drei Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes verantwortlich, wobei sich die Emissionen seit 1990 verdoppelt haben. Falls die Politik nicht gegensteuert, könnten sie sich bis 2050 erneut verdreifachen, warnte T & E-Experte Murphy. Sparsamere Jets und das von der UN-Luftfahrtorganisation Icao beschlossene CO2-Kompensationsprogramm alleine reichten nicht aus, um die Klimaziele zu erreichen. Laut Icao soll das Wachstum des internationalen Luftverkehrs von 2020 an klimaneutral erfolgen, indem die Airlines weltweit in Klimaschutzprojekte investieren, um die Flugemissionen auszugleichen. T & E ist skeptisch, dass dieses System tatsächlich funktioniert, es könne nicht ausreichend überwacht werden.

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