Ryanair-Manager haben zuletzt häufiger die Lufthansa attackiert.
+
Ryanair-Manager haben zuletzt häufiger die Lufthansa attackiert.

Airline

Ryanair kritisiert „suchtkranke Lufthansa“

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
    schließen

Der Ryanair-Personalchef hält die deutsche Konkurrentin Lufthansa für ineffizient. Bei Ryanair sind Entlassungen möglich.

Der irische Billigflieger Ryanair dringt auf niedrigere Flughafengebühren und droht mit Entlassungen bei den Flugbegleitern. „Deutsche Flughäfen arbeiten generell mit sehr hohen Kosten. Sie müssen effizienter werden“, sagte Ryanair-Personalchef Darrell Hughes dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). So sei sein Unternehmen derzeit in Gesprächen mit den Betreibern des Flughafens Hahn im Hunsrück, „um herauszufinden, welche Kostensenkungen für uns möglich sind, um den Flugbetrieb dort fortzuführen“, so der Manager.

Der irische Billigflieger hatte bereits im Juli angekündigt, Hahn als Stationierungsbasis für mehrere Flugzeuge aufzugeben. „Wir haben im Moment aber keine Pläne, den Flugbetrieb in Hahn oder in Weeze komplett einzustellen“, machte Hughes klar. Der Flughafen im niederrheinischen Weeze steht allerdings als Basis ebenfalls zur Disposition. Beide Standorte könnten aber auch in Zukunft noch von Maschinen angeflogen werden, die anderswo stationiert sind.

Am Donnerstag hatte Ryanair angekündigt, sich mit Beginn des Winterflugplans am 24. Oktober vom Düsseldorfer Flughafen komplett zurückzuziehen. Alle Flüge von und nach Düsseldorf werden gestrichen. 200 Beschäftigte verlieren ihre Jobs. Die sieben dort stationierten Maschinen werden abgezogen. Als Grund nannte das Unternehmen die hohen Gebühren am größten Airport in NRW.

Der durch die Covid-Pandemie ausgelöste Einbruch in der Luftfahrt macht der gesamten Branche schwer zu schaffen. Arbeitsplätze in großer Zahl sind gefährdet. Das gilt auch für hiesigen Kabinen-Crews, die bei der in Deutschland operierenden Ryanair-Tochter Malta Air arbeiten. Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi über eine Beschäftigungssicherung wurden Ende August ohne Ergebnis abgebrochen. Hughes betonte dennoch: „Unsere Tür ist immer offen. Wir haben aber bereits drei Monate verhandelt. Und wir haben nicht die Zeit, noch weitere drei Monate zu verhandeln.“

Laut Verdi hat das Ryanair-Management Teilzeit-Regelungen vorgeschlagen, die nicht akzeptabel seien, da sie das Einkommen der Beschäftigten um mehr als 50 Prozent reduzieren könnten – also unterhalb des Arbeitslosengeldes liegen, das bei einer Kündigung gezahlt wird. Der Personalchef der Airline sagte dem RND: „Wir haben vorgeschlagen, die Gehälter zwischen fünf und zehn Prozent abzusenken. Nach vier Jahren wollen wir auf das vorherige Niveau zurückkehren. Zudem wollen wir die Arbeit neu verteilen – als Alternative zu Entlassungen.“ Mit mehr als 90 Prozent der Kabinen-Crews in Europa seien solche Vereinbarungen bereits abgeschlossen worden.

Er verstehe, dass Gehaltseinbußen für Flugbegleiter herausfordernd seien. „Aber wir haben gerade eine sehr herausfordernde Situation. Deshalb werden wir an Entlassungen von Kabinen-Mitarbeitern in diesem Winter möglicherweise nicht vorbeikommen“, so Hughes.

Mit den hiesigen Piloten hat der Billigflieger hingegen eine Einigung über Gehaltskürzungen erzielt. Allerdings hat die Bundesanstalt für Arbeit (BA) den Flugzeugführern das Kurzarbeitergeld verweigert – mit der Begründung, bei Malta Air handele es sich nicht um ein deutschen Unternehmen. „Für uns ist das Verhalten der BA völlig unverständlich“, betonte Hughes. „Die Piloten leben in Deutschland, sie kehren nach ihrem Arbeitstag zu einem deutschen Flughafen zurück.“ Sie seien in Deutschland angestellt, zahlten deutsche Steuern und in die deutsche Sozialversicherung ein. Die Iren wollen die Angelegenheit nun vor Gericht klären lassen.

Kritik übt der Ryanair-Manager auch am Hilfspaket für den Konkurrenten Lufthansa. Es ist neun Milliarden Euro schwer und der Staat steht dafür gerade. „Lufthansa ist abhängig von der staatlichen Hilfen wie ein Süchtiger von seiner Droge abhängig ist“, sagte Hughes. Er fügte hinzu: „Der deutsche Steuerzahler bezahlt für die Ineffizienz der Lufthansa, die nicht so arbeitet, wie eine moderne Fluggesellschaft arbeiten müsste.“

Ryanair habe generell nichts gegen staatliche Hilfen für Airlines, wenn diese Hilfen nicht diskriminierend seien. Das könne beispielsweise in Form günstiger Kredite oder in Form von Steuerermäßigungen für alle Fluggesellschaften umgesetzt werden. Hughes betont: „Die Regierungen in der EU suchen sich jetzt aber jeweils ihre nationalen Champions aus, die ganz normale private Unternehmen sind und nun mit Steuergeld vollgepumpt werden.“

Lob gibt es vom Ryanair-Personalchef hingegen für das Corona-Management der Bundesregierung: „Dass allen Reisenden Covid-Tests angeboten wurden, war eine sehr vernünftige Politik. Die Erfolge dieser Strategie lassen sich an den relativ niedrigen Infektionsraten in Deutschland ablesen.“ Erheblich mehr Schwierigkeiten gebe es in anderen Ländern, die teilweise mit extremen Restriktionen arbeiten würden. Hughes wünscht sich deshalb „eine koordinierte pan-europäische Vorgehensweise“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare