Textilhandel

H&M rutscht in die Miesen

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Die Chefin des schwedischen Mode-Riesen erwartet, dass es in der Branche jetzt wegen der Corona-Krise zu Preisabschlägen kommen wird. Doch genau davor warnt der Handelsverband Textil.

Langsam zeichnet sich ab, was Corona mit der Textilbranche macht. Kurzfristig Rabattkämpfe, langfristig mehr Online-Geschäft und Filialschließungen. Wegen der Überversorgung mit Frühjahrsware und einer noch immer schwachen Nachfrage erwartet Helena Helmersson, Chefin von Mode-Riesen H&M, dass es in den nächsten Wochen zu Preisabschlägen in der gesamten Branche kommen wird. Ihr Unternehmen werde deshalb versuchen, die Kosten zu kontrollieren, um die negativen Folgen von Covid-19 zu minimieren.

Die Monate März, April und Mai waren für die Bekleidungsindustrie der Horror. Weltweit mussten Geschäfte wochenlang geschlossen bleiben. Die Frühjahrskollektionen blieben liegen. Bei H&M brachen in den drei Monaten, die die bisherige Hochphase der Pandemie markieren, die Umsätze um 50 Prozent auf umgerechnet 2,7 Milliarden Euro ein. Im Juni liefen die Verkäufe zwar wieder an, ihr Volumen befindet sich aber immer noch deutlich unter dem, was derzeit eigentlich normal wäre.

Laut der gerade vorgelegten Zwischenbilanz des schwedischen Konzerns lagen die Einnahmen vom 1. bis 24. Juni ein Viertel unter dem Wert für die gleiche Zeit des Vorjahres. Sieben Prozent aller Filialen, das sind 350 Läden, waren Ende voriger Woche noch immer geschlossen. Viele Geschäfte müssen zudem nach wie vor mit beschränkten Öffnungszeiten operieren.

Einiges spricht dafür, dass nun eine große Rabattwelle auch hierzulande anrollt. Die Lager sind voll, die Händler müssen mit aller Macht versuchen, Einbußen der vergangenen Wochen so gut es geht auszugleichen. Also die knallroten Sale-Schilder ins Schaufenster hängen, so wie es Helmersson nahe legt? Der Handelsverband Textil (BTE) warnt in einer internen Mitteilung an seine Mitglieder: „Falsch ist es aber mit Sicherheit, für den breiten Markt bereits jetzt neue Sommermode zu reduzieren – selbst bei großem Lagerdruck“. Das sei aus Sicht des Verbandes übereilt, weil immer mehr bedarfsorientiert gekauft werde. Die Kunden erwerben Shorts und leichte Shirts, wenn die Sonne vom Himmel knallt. Und viele Bedarfskäufer seien wegen der Corona-Beschränkungen noch gar nicht zum Modeeinkauf in den Städten gewesen.

Die Interessenvertretung der Modehändler will mit diesen Hinweisen einen Schneeballeffekt in der beginnenden heißen Jahreszeit verhindern – wenn ein Händler anfängt, müssen andere nachziehen. Der BTE-Appell ist als dringlicher formuliert. Denn: „Die Branche braucht jetzt diese Solidarität, um die Folgen der Coronakrise zumindest abzufedern.“ Die Lage ist in Tausenden Betrieben äußerst schwierig. Eine Umfrage des Modeverbandes German Fashion hat ergeben, dass drei Viertel der Firmen die unmittelbare Gefahr eine Insolvenz sehen.

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