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Ein ausgetrocknetes Wasserreservoir auf der Krim.
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Ein ausgetrocknetes Wasserreservoir auf der Krim.

Wasserversorgung

Akuter Wassermangel auf der Krim: Russische Staatsmacht schiebt Schuld auf Ukraine

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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Das Wasser auf der Krim ist schmutzig, vergiftet und vor allem sehr rar. Schuld daran soll auch die Ukraine sein.

Die Leute nennen es „Kwass“ oder „Krimbier“, wegen seiner zweifelhaften Farbe. Das Leitungswasser in Simferopol ist trübe geworden. Und es fließt nur noch zweimal am Tag, für drei Stunden. Bestenfalls. „Manchmal kommt morgens oder abends gar nichts aus dem Kran“, erzählt ein Einwohner dem Portal Krym.Realii. „Wenn möglich lassen die Leute die Wannen volllaufen. Wenn nötig kaufen sie Wasser.“

Auf der Krim ist Wasser rar geworden, und schlecht. In den Straßen der Hauptstadt Simferopol stehen blaue Zisternen, wo sich Bedürftige selbst versorgen können. Aufschrift: „Es wird geraten, das Wasser vor der Nutzung erst abzukochen.“ Wie die Nachrichtenagentur Tass Anfang der Woche meldete, ist in 29 Ortschaften der Krim das Wasser knapp geworden oder ausgegangen, muss zum Teil in Tanks herangeschafft werden. Betroffen sind das Badestädtchen Aluschta an der Südküste, außerdem vor allem Dörfer im Ostteil der Krim. Auch im Kurort Jewpatorija an der Westküste hat man das Warmwasser bis Ende des Jahres ausgeschaltet. Jeder der 2,4 Millionen Krimbewohner hat dieses Jahr nach Angaben des russischen Rechercheportals Projekt 450 Kubikmeter Wasser zur Verfügung, 60 mal weniger als ein Durchschnittsrusse. Die 23 Seen und Stauseen drohen auszutrocknen.

Wassermangel auf der Krim: Ukraine blockierte den Kanal mit einem Damm

Die russische Staatsmacht macht vor allem die Ukraine dafür verantwortlich. Nach dem Anschluss der Krim an Russland 2014 schlossen die Ukrainer die Schleusen des Nordkrimkanals. Der deckte vorher über 86 Prozent des Bedarfes der Halbinsel mit Wasser aus dem Dnjepr. 2017 blockierte die Ukraine den Kanal endgültig mit einem Damm. Damals verkündete die moskautreue Obrigkeit der Krim, man brauche das ukrainische Wasser nicht. Es sei schrecklich schmutzig und krebserregend, sagte Staatsratssprecher Wladimir Konstantinow.

Wassermangel gab es hier schon, bevor der Nordkrimkanal in den Siebziger Jahren gebaut wurde. Vor allem im Osten ist das Innere der Halbinsel Krim versteppt. Steigende Temperaturen und sinkende Niederschläge in Folge des Klimawandels verschärfen die Dürre. Dazu kommt ein marodes Rohrleitungssystem, aus dem bis zu 50 Prozent des Wassers versickern.

Laut dem Duma-Abgeordneten Michail Scheremet ist jede Einigung über den Nordkrimkanal mit den Ukrainern sinnlos: „Keinen wird es wundern, wenn sie versuchen, das Wasser zu vergiften.“ Kiewer Politologen aber fürchten einen Angriff der russischen Armee, um den geschlossenen Nordkrimkanal wieder zu öffnen. Das hieße allerdings offenen Krieg und neue Sanktionen, die sich Russland wirtschaftlich kaum leisten kann. Und das ukrainische Außenministerium fordert vor einer Öffnung des Kanals einen Abzug der russischen Besatzer. „Die Russen sind zu keinen Zugeständnissen fähig“, sagt der nach Kiew emigrierte krimtatarische Aktivist Erfan Kudusow der FR. „Eher lassen sie die Krim verdursten.“

Wassermangel auf der Krim: Meerwasserentsalzungsanlagen sollen helfen

Die russische Krimverwaltung aber sucht eine Lösung ohne Nordkrimkanal. „Auch wenn sie noch so fantastisch ist“, wie ihr Chef Sergei Aksjonow erklärt. Man diskutiert eine Rohrleitung, die Wasser aus dem Kuban in Südrussland durch die Kertscher Meerenge auf die Krim befördern soll. Aber dann droht am Kuban eine Dürre. Man überlegt, Wolken mit Feuerwerkskörper zu beschießen, um künstliche Niederschläge zu erzwingen. Aber die Idee scheitert wohl am Mangel von Regenwolken über der Krim. Um die Wasserversorgung des Kriegshafens Sewastopol sicherzustellen, will man das Flüsschen Kokoksa umleiten. Aber dann säßen 20 000 Dorfbewohner buchstäblich auf dem Trockenen. Und Massenbohrungen neuer Brunnen hätte nach Einschätzung von Ökologen zur Folge, dass Meerwasser das Grundwasser verdrängt.

Jetzt favorisiert die Krimregierung den Bau von Meerwasserentsalzungsanlagen. Schon verspricht Aksjonow, die Bauarbeiten seien in 14 bis 15 Monaten beendigt. Allerdings könne er die beteiligten Firmen noch nicht nennen. Fraglich ist aber, ob er wirklich ausländische Unternehmen kennt, die bereit sind, gegen die internationalen Sanktionen zu verstoßen. Russland selbst hat kaum Erfahrung mit Meerwasserentsalzung. Und es drohen enorme Kosten: Saudi-Arabien zahlt jährlich zehn Milliarden Dollar allein für die Filtermembranen seiner Entsalzungsanlagen, weiß der staatliche russische Wasserexperte Juri Gontschar. Der Kreml hat gerade 500 Millionen Euro für die Bewässerung der Krim bewilligt. Am Ende dürfte sie ihn noch viel teurer zu stehen kommen. (Stefan Scholl)

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