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Handelskammer: Deutlich weniger deutsche Firmen in Russland aktiv

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Russische und deutsche Fahne.
Für deutsche Firmen wird die Lage in Russland immer ungemütlicher. © Steffen Proessdorf/Imago

Immer mehr deutsche Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren aus Russland verabschiedet. Jetzt spitzt sich die Lage weiter zu.

Berlin - Kriegsangst, medizinischen Zwangstests für Manager, drohende Sanktionen: Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) warnt angesichts zahlreicher Probleme vor einer weiteren Abwanderung aus Russland. Die Zahl der deutschen Unternehmen sei dort bereits 2021 um acht Prozent zum Vorjahr zurückgegangen, wie die AHK am Montag mitteilte.

Insgesamt seien aktuell noch 3651 Firmen mit deutschem Kapital in Russland registriert. „Die Kriegsangst rund um die Ukraine-Krise, drohende neue Sanktionen und diskriminierende Zwangstests für Topmanager und Ingenieure stellen ein massives Risiko und Ärgernis dar“, sagte der Vorstandsvorsitzende der AHK und Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Russland, Matthias Schepp. „Es liegt auf der Hand, dass 2022 noch mehr Firmen die Koffer packen, wenn nicht bald Lösungen gefunden werden, die das Geschäftsklima stabilisieren.“

Russland: Anzahl deutscher Firmen hat sich seit 2011 fast halbiert

Von ihrer Höchstzahl im Jahr 2011 mit damals 6300 Unternehmen ist die Anzahl deutscher Firmen den Angaben nach um insgesamt 42 Prozent gesunken. Schepp machte auch positive Tendenzen aus. So würden deutsche Firmen nach wie vor hohe Milliardensummen im größten Flächenland der Erde investieren. Zugleich sei die Zahl der Mitglieder der AHK in den vergangenen fünf Jahren von 800 auf 1050 gewachsen.

„Russland bleibt ein großer und wegen der Konsumfreude der Bevölkerung lukrativer Markt für unsere Unternehmen, auch wenn die schwache Konjunktur und der vergangenen Jahre und die Corona-Krise mit Lieferkettenunterbrechung die Entwicklung bremsen“, sagte Schepp. Großkonzerne und Mittelständler investierten strategisch und langfristig in Russland. Die angespannte Lage rund um die Ukraine bereite aber Sorge. „Unsere Firmen hoffen auf eine Verhandlungslösung* und schnelle Beruhigung der Lage“, sagte Schepp.

Ukraine-Konflikt und Zwangstests sorgen für Unmut

Russland hat mehr als 100.000 Soldaten an der Grenze zur Ost-Ukraine stationiert. Die Regierung in Moskau weist den Verdacht zurück, sie plane eine Invasion. Westliche Staaten warnen vor massiven Sanktionen im Falle eines Einmarsches.

In scharfer Form kritisiert die AHK die im Dezember eingeführten medizinischen Zwangstests, bei denen Ausländer in Russland regelmäßig auf Drogenkonsum und Infektionskrankheiten wie HIV, Syphillis, Tuberkulose und Covid geprüft werden. Neben Blut- und Urinproben müssten sich auch Kinder ab sechs Jahren und Ehepartner alle drei Monate Röntgentests mit hoher Strahlenbelastung aussetzen. Deutsche Manager berichten demnach von „kafkaesken Zuständen wie in Filmen aus Gulagzeiten“, mit stundenlangen Wartezeiten und mangelnder Einhaltung von Covid-Vorschriften unter hunderten Gastarbeitern in einem Testzentrum unweit von Moskau. (rtr) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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