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„Der Nächste, bitte!“ Callcenter-Beschäftigte litten am häufigsten an einer Erkältung.

Fehltage

Rund 20 Tage krank im Jahr

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Laut einer AOK-Analyse fehlten Beschäftigte 2018 fast drei Tage häufiger als noch zehn Jahre zuvor.

Nach einer Stagnation in den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage im Jahr 2018 auf durchschnittlich 19,9 Tage angestiegen. Das entspricht einer Zunahme von einem halben Tag im Vergleich zu den zwei Jahren zuvor, wie eine am Mittwoch veröffentlichte AOK-Analyse der Daten von knapp 14 Millionen versicherten Arbeitnehmern ergab. Im Jahr 2008 fielen die Versicherten noch lediglich 17 Tage aus, in den Jahren danach hat sich die Zahl stetig erhöht.

Markus Meyer vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (Wido), das die Daten analysiert hat, macht dafür unter anderem die starken Erkältungswellen in den vergangenen Jahren verantwortlich. So stieg die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von akuten Infektionen der Atemwege um 0,2 Tage im Vergleich zum Vorjahr an. „Es werden aber auch immer häufiger psychische Erkrankungen dokumentiert“, sagte Meyer auf FR-Anfrage.

Doch sind es nicht etwa die Berufe mit hoher psychischer, sondern die mit physischer Belastung, bei denen es 2018 die höchsten Krankenstände gab: Die körperlich geforderten Beschäftigten in der Ver- und Entsorgung fehlten mit 32,5 Fehltagen pro Jahr am häufigsten, gefolgt von den Straßen- und Tunnelwärtern mit 31,4 Fehltagen. Demgegenüber fielen Hochschullehrende und -forschende mit lediglich 4,6 Fehltagen im vergangenen Jahr am seltensten wegen Krankheit aus, gefolgt von den Berufen der Softwareentwicklung mit 7,7 Fehltagen.

Wegen psychischer Erkrankung fielen dagegen „auffällig“ häufig Beschäftigte im Dialogmarketing aus, zu denen auch Mitarbeiter in Callcentern gehören. Diese fehlten mit durchschnittlich 7,1 Tagen im Jahr 2018 sogar häufiger wegen psychischer Belastung als Berufstätige in der Haus-, Familien oder Altenpflege (6,3 Fehltage).

Zugleich waren Callcenter-Mitarbeiter am häufigsten wegen Erkältung krankgeschrieben. Sie belegen mit 4,8 erkältungsbedingten Fehltagen den Spitzenplatz mit mehr als einem ganzen Fehltag Abstand zu den Beschäftigten in der Kinderbetreuung (3,6 Fehltage). Die Wido-Analyse führt das auch auf die Arbeitssituation der Callcenter-Mitarbeiter in einem Großraumbüro zurück, wo sich Bakterien schnell verbreiten.

Wie lange Beschäftigte krankheitsbedingt fehlen, ist also eng mit der Art der beruflichen Tätigkeit verknüpft, so das Fazit der Wido-Analyse. „Jeder Beruf beinhaltet ein spezifisches gesundheitliches Risikoprofil. Präventionsangebote im Betrieb müssen daher immer auf die jeweilige Berufsgruppe angepasst werden“, fordert entsprechend der stellvertretende Wido-Geschäftsführer Helmut Schröder.

Der Beruf beeinflusse die Fehlzeiten augenscheinlich auch stärker als das Alter, wie sich bei einem statistischen Ausgleich der Altersunterschiede in den beiden Extremen (Ver- und Entsorgung einerseits, Hochschule andererseits) gezeigt habe. „In Zeiten des Fachkräftemangels“, so Schröder, „unterstützen bereits heute viele Unternehmen ihre Beschäftigten dabei, möglichst lange gesund im Betrieb zu bleiben. Hierzu sind auch altersgerechte Arbeitsbedingungen notwendig, die insbesondere den spezifischen Bedürfnissen älterer Beschäftigter Rechnung tragen.“

Welcher volkswirtschaftliche Schaden durch die krankheitsbedingten Arbeitsausfälle entsteht, hat die Wido-Analyse nicht berechnet. Darüber gibt der Bericht „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales Auskunft. Demnach beliefen sich die geschätzten Produktionsausfallkosten durch Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2017 auf insgesamt 76 Milliarden Euro – bei angenommenen 114 Euro pro krankheitsbedingt ausgefallenem Mitarbeiter am Tag. Das entspricht einem Anstieg von einer Milliarde Euro beziehungsweise zwei Euro pro täglich fehlendem Mitarbeiter im Jahr 2016.

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