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Eine Rabattschlacht hält die Branche derzeit in Atem.

Apotheken

Ruinöse Rabattschlacht der Apotheker

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Die Arzneimittelhändler graben sich gegenseitig das Wasser ab. Davon profitieren die Kunden.

Die Arzneimittelhändler graben sich gegenseitig das Wasser ab. Davon profitieren die Kunden.

Am Vormittag bestellt und am Nachmittag schon geliefert: Wenn eine Apotheke ein Medikament mal nicht vorrätig hat, das ein Patient benötigt, dann erhält sie es in Deutschland in der Regel innerhalb von wenigen Stunden. Möglich machen den flotten Service die Pharmagroßhändler, die mit einem Netz an Logistikzentren eine flächendeckende Versorgung sicherstellen. In ihren Lagern halten sie weit über 100.000 Produkte vor, die sie jederzeit an die Apotheken liefern können.

Was ein wichtiger Service für die Patienten ist, lohnt sich für die Hersteller derzeit kaum noch. Eine Rabattschlacht hält die Branche derzeit in Atem. Die ohnehin seit langem sehr bescheidenen Gewinnmargen von unter einem Prozent des Umsatzes schmelzen endgültig dahin. „Ich gehe davon aus, dass momentan niemand im Markt Geld verdient“, sagte ein Vertreter eines großen Händlers der Fr, und bestätigt damit, was auch von anderen Unternehmen zu hören ist.

Genossenschaft mischt den Markt auf

Der Pharmagroßhandel wird in Deutschland von fünf Händlern dominiert, die sich zusammen über 90 Prozent des Marktes teilen. Man könnte meinen, dass es sich die Oligopolisten in dieser Marktkonstellation bequem machen könnten. Doch das ist keineswegs der Fall. Im Gegenteil, alle paar Jahre beharken sie sich gegenseitig. In der Regel beginnt ein Unternehmen damit, den Kunden, den Apotheken, hohe Rabatte zu gewähren und so Marktanteile zu erobern. Dann ziehen die Konkurrenten nach.

Die Ursache des Preisverfalls ist diesmal nicht geklärt. Klar ist allerdings, dass eine Genossenschaft den Markt aufmischt: Der Pharmahändler Noweda, der den Apotheken gehört, wächst schnell und konnte zuletzt Marktanteile hinzugewinnen. Inzwischen ist er der zweitgrößte Arzneimittelhändler. Vor ihm liegt nur noch die Mannheimer Phoenix, die einst zum Imperium des verstorbenen Unternehmers Adolf Merckle gehört hatte. Phoenix musste in den vergangenen Monaten Federn lassen.

Ob Phoenix wegen einer falschen Geschäftspolitik Marktanteile verloren hat, oder ob es am harten Wettbewerb der Konkurrenz liegt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Von Phoenix jedenfalls heißt es, dass das Unternehmen nicht länger zuschauen wollte, wie Marktanteile verloren gehen.

„Wenn einer den Wettbewerb über Gebühr verschärft, dann muss man reagieren. Das haben wir getan“, sagte Firmenchef Reimund Pohl dem Handelsblatt mit Blick auf den Konkurrenten Noweda. In der Branche raunt man sich verärgert die Höhe der Rabatte, die Phoenix den Apothekern gewährt haben soll, zu. Sie waren zumindest so hoch, dass sie andere Marktteilnehmer ebenfalls in den Preiskampf hineingezwungen haben.

Freuen können sich darüber die rund 21.000 Apotheken, deren wirtschaftliche Lage auch schon besser war. Seit drei Jahren gibt es mehr Apothekenschließungen als Eröffnungen. Nun können die Pharmazeuten von dem Machtkampf der Großhändler profitieren. Sie kommen in den Genuss der höheren Rabatte. Die Pharmagroßhändler erhalten für den Vertrieb jeder Arzneimittelpackung einen fixen Zuschlag von 70 Cent und einen variablen Zuschlag von 3,15 Prozent auf den Einkaufspreis. Damit finanzieren sie ihr Geschäft. Auf den variablen Zuschlag können sie den Apotheken einen Rabatt gewähren. Auch bei Zahlungskonditionen und Serviceleistungen besteht Verhandlungsspielraum.

Apotheker suchen Heil in Dienstleistungen

Für die Großhändler bleibt da traditionell nicht viel übrig. 2011 wuchs der Gesamtumsatz nur um 0,4 Prozent auf 25,1 Milliarden Euro. Das Jahresergebnis der Branche fiel laut Institut für Handelsforschung auf 0,37 Prozent des Umsatzes. Jede Rabattschlacht trifft die Unternehmen und führt schnell zu roten Zahlen in der Bilanz. Bei Celesio heiß es, dass man gerade noch eine schwarze Null erwirtschafte. Und dass man sich an dem Preiskrieg nicht mehr beteilige. In der Vergangenheit haben die Kämpfe um Marktanteil-Prozente meist auch zu nichts geführt: Am Ende gab es kaum Verschiebungen im Markt.

Wegen der geringen Margen im Handel suchen die Unternehmen das Heil zudem immer öfter in neuen Geschäftskonzepten, in denen der eigentliche Großhandel nur noch ein Element ist. Sie bieten Apothekern immer mehr Dienstleistungen vom Marketing bis hin zu Kundenbindungsprogrammen an.

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