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WEF ruft zu mehr Solidarität auf

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Von: Markus Sievers

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Weltwirtschaftsforum warnt vor Populisten und sieht die Einkommenskluft als eine der größten Gefahren in den nächsten zehn Jahren.

Die Sorgen vor politischen Rückschlägen durch wachsende Gegensätze zwischen Arm und Reich beschäftigen zunehmend die Topmanager internationaler Konzerne. Auch auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos dürften sie sich mit dieser Furcht beschäftigen, dass eine zunehmende Frustration in den reichen westlichen Demokratien die freie Marktwirtschaft bedroht. Wenige Tage vor dem Treffen von Wirtschaftsbossen und Staatschefs in dem Schweizer Skiort präsentierten die Veranstalter ihren globalen Risikobericht. Darin nennen sie drei Trends, die aus ihrer Sicht den größten Einfluss auf die globale Entwicklung der nächsten zehn Jahre haben dürften: die zunehmende Ungleichheit, die gesellschaftliche Polarisierung und wachsende Umweltgefahren.

Konzertierte Aktion gefordert

Teilweise erinnert die Sprache an die Ausdrucksweise linker Gruppierungen, die seit Jahren Davos als Zusammenkunft einer abgeschotteten Elite kritisieren. So schreiben die Organisatoren – wohlgemerkt des Weltwirtschaftsforums – in einer Information zu ihrem Risikobericht: „Die Mächtigen der Welt müssen dringend gemeinsame Maßnahmen ergreifen, um Not und Unsicherheit im kommenden Jahrzehnt einzudämmen“.

Für die Studie haben die Veranstalter zusammen mit Wissenschaftlern 750 Fachleute, die als Teil der globalen Elite gelten, nach ihren Einschätzungen befragt. Dabei zeigt sich, wie stark der Schock über die politischen Ereignisse wie das „Nein“ der Briten zu Europa oder die Trump-Wahl in den USA nachwirkt. Diese Wahlergebnisse interpretieren die Autoren der Untersuchung als Sieg des Populismus. Zwar sei der Wohlstand rund um den Erdball auf beispiellos hohe Niveaus geklettert. Doch in vielen Ländern breite sich bei den Menschen das Gefühl aus, dass ihr Lebensstandard abnehme. Dies liege auch an der mauen ökonomischen Erholung seit der globalen Finanzkrise. Doch allein mit mehr Wachstum sei das Problem nicht zu beheben, heißt es in der Analyse. Vielmehr müssten tiefgreifende Reformen wieder für mehr Solidarität innerhalb der Gesellschaften sorgen.

Zwischen den Ländern, also auf globaler Ebene, hat die Ungleichheit dem Risikobericht zufolge abgenommen. Dieser Hinweis bezieht sich auf den rasanten Aufstieg von Schwellenländern wie Indien und vor allem von China, die ihren Rückstand gegenüber den Industriestaaten deutlich zu reduzieren vermochten. Anders sieht es aber innerhalb einzelner Nationen aus, wo die Einkommensschere auseinandergeht. Im Laufe des 20. Jahrhunderts seien die sozialen Gegensätze in den reichen Ländern zunächst geschrumpft. Seit den 1980er Jahren aber habe das obere ein Prozent seinen Anteil am gesamten Einkommen in vielen Regionen wieder erhöht, schreiben die Experten des Weltwirtschaftsforums.

Mittelschicht tut sich schwer

Als Beispiele nennen sie die USA, Großbritannien, Kanada, Irland und Australien. Besser sei es in Deutschland, Japan, Frankreich und Japan gelaufen. Eine Rolle spiele der technologische Wandel, von dem alle mit hoher Bildung profitierten. Schwer tue sich die Mittelschicht, die um ihren Status kämpfen müsse.

Vor kurzem hatte IWF-Chefin Christine Lagarde eine gerechtere Verteilung angemahnt. Diese sei auch nötig, um das Wachstum zu beleben. Ihre Bereitschaft, sich mehr um sozialen Ausgleich zu kümmern, haben auch die Staats- und Regierungschefs der G 20 mehrfach bekräftigt. Das Weltwirtschaftsforum greift also ein Thema auf, das die Mächtigen seit längerem umtreibt. Nächste Woche veröffentlicht Oxfam einen Bericht zur sozialen Ungleichheit. Laut dem Report von 2016 besitzen 62 Milliardäre so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.

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