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Wärmetauscher einer CO2-Klimanalage von Mercedes-Benz.

Kältemittel

VW rüstet bei Klimaanlagen um

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Der Einsatz von CO2 als Kältemittel bedroht Monopol von US-Chemiemultis.

Rund 80 Millionen Neuwagen jährlich werden weltweit verkauft, und in praktisch allen sind Klimaanlagen verbaut. In den Aggregaten arbeitet fast ausnahmslos das chemische Kältemittel R1234yf, das unter den Markennamen Solstice respektive Opteon verkauft wird und von den US-Konzernen Honeywell und Dupont entwickelt worde. Doch das bisherige Monopol auf diesem Milliardenmarkt beginnt zu wanken. Nach Daimler und Audi treibt nun auch Europas größter Autobauer Volkswagen die Umstellung seiner Pkw-Klimaanlagen auf das natürliche und unbrennbare Kältemittel CO2 voran.

Nach FR-Informationen gibt es in Wolfsburg Pläne, das neue Top-Modell Arteon mit einer Klimaanlage anzubieten, die ohne das umstrittene Kältemittel der US-Konzerne laufen. Der Arteon wird offiziell auf dem Genfer Autosalon vorgestellt, der am 9. März beginnt. Insider erwarten, dass mit dem Geländewagen Touareg ein weiteres VW-Modell folgen könnte, womit höhere Verkaufszahlen für die neue Technik erreicht würden.

Vorreiter der neuen Klimatechnik ist der Daimler-Konzern. Er ließ sie entwickeln, nachdem bei Crash-Simulationen mit R1234yf-Anlagen das brennbare Gas in den heißen Motorraum geströmt und in der Folge hochgiftige Flusssäure entstanden war. CO2-basierte Klimaanlagen werden inzwischen in S-Klasse-Modellen und demnächst auf Kundenwunsch auch in der E-Klasse eingebaut. Daimler hat die Aggregate völlig neu entwickeln lassen. Der Druck, mit dem sie arbeiten, ist mit 120 bar fast zehnmal so hoch wie bei herkömmlichen Anlagen.

Offiziell heißt es beim Autobauer Volkswagen, man werde die Fahrzeugflotte „aus Gründen der Nachhaltigkeit sukzessive mit dem Kältemittel CO2 auszurüsten“. Einen konkreten Einsatztermin wollte ein Sprecher der FR „aus Wettbewerbsgründen derzeit noch nicht nennen“. Aus Sicht des Umwelt- und Klimaschutzes sei CO2 für den VW-Konzern „langfristig und strategisch das bevorzugte Kältemittel“. Wie die FR weiter erfuhr, soll demnächst auf einem Treffen zuständiger Vorstände aller zwölf VW-Marken über die Klimaanlagen-Strategie entscheiden. Stellt der gesamte Konzern in allen Modellreihen auf CO2-Anlagen um, hätte das einen enormen Skaleneffekt. VW baut weltweit jährlich etwa zehn Millionen Autos. Damit erwüchse eine ernstzunehmende Konkurrenz für das Kältemittel-Geschäft der US-Chemiekonzerne.

Zurückhaltung beim Thema CO2-Klimatisisierung übt unter den deutschen Autobauern nur noch BMW. In München heißt es, aktuell gebe es keine Pläne zur Umstellung auf das Kältemittel CO2. Aber: „Wir behalten das im Auge und forschen daran“, sagte ein BMW-Sprecher auf Anfrage. Offenbar warten die Münchner ab, wie die Einführung der CO2-Anlagen bei Daimler, Audi und VW läuft.

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) wiederum betont, dass die Nutzung des Kältemittels CO2 inzwischen „serienreif ist und damit auch eine gute Alternative zu R1234yf darstellt“. Man habe an der Normung für die CO2-Anlagen mitgewirkt. Damit werde ein „einheitlicher Standard sichergestellt, der eine Massenproduktion solcher Komponenten ermöglicht“. Der VDA hatte die CO2-Technik ursprünglich als Ersatz für die Nutzung des früher standardmäßig benutzten Kältemittels R134a präferiert; dieses ist inzwischen für Neuwagen verboten, da sehr stark treibhauswirksam. 2008 schwenkte der Verband dann aber ins R1234yf-Lager um. Inzwischen gibt er sich technologieoffen. Eine Aussage, ob er CO2 oder die US-Chemikalie präferiert, lässt er sich nicht entlocken.

Die Bundesregierung jedenfalls ist zufrieden mit der neuen Entwicklung. „Wenn die Automobilbranche verstärkt auf CO2 als Kältemittel setzt, begrüßen wir das“, sagte der Staatssekretär aus dem Umweltministerium, Jochen Flasbarth (SPD). Herkömmliche Klimaanlagen enthielten fluorierte Treibhausgase, die weltweit geächtet würden. „CO2 als Kältemittel ist eine klimafreundliche Alternative“, meinte Flasbarth. Die CO2-Technologie lasse sich zudem gut in Elektroautos einsetzen und entspreche allen nötigen Sicherheitsanforderungen.

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