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Welcher ist der richtige Weg in die Zukunft?

Deutsche Bahn

Rüffel für die Bahnbosse

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Verspätungen, marode Züge: Die Bundesregierung kritisiert das Management der Deutschen Bahn - und macht Druck: Bis März erwartet sie ein Zukunftskonzept.

Es sind Sätze, die von wachsendem Misstrauen gegenüber den Bossen im Bahn-Tower zeugen. „Wir sind besorgt darüber, wie der DB-Vorstand das System Bahn fährt“, sagte Enak Ferlemann (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, der „Welt am Sonntag“. „Mit der Leistung kann man nicht zufrieden sein.“

Die Bahn brauche unbedingt eine Neustrukturierung. Bis März müsse ein entsprechendes Konzept her. Erste Ergebnisse erwarte man bei einem Treffen bereits im Januar.

Das ist Klartext aus der Bundesregierung. Staatssekretär Ferlemann dürfte sich kaum ohne Abstimmung mit seinem Chef, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), zu Wort gemeldet haben. Bahn-Chef Richard Lutz steht nun unter Druck wie nie zuvor und muss nacharbeiten. Seine „Agenda für eine bessere Bahn“, über die der Aufsichtsrat des Staatskonzerns in der vergangenen Woche beraten hatte, ist aus Sicht des Verkehrsministeriums offenbar nicht ausreichend. Offenbar soll der Konzern völlig anders aufgestellt werden.

„Mit milliardenschweren Investitionen in neue Züge schaffen wir die Voraussetzung für Wachstum und mehr Service“, heißt es in einer internen Präsentation des Bahnvorstands. „Unsere Anstrengungen sind vor allem darauf gerichtet, das Reiseerlebnis für unsere Kunden zu steigern, die Reisendenpünktlichkeit Schritt für Schritt weiter zu erhöhen und den Kunden entlang der Reisekette zuverlässiger zu informieren.“

Hintergrund: Die Pünktlichkeit im Fernverkehr lag im November bei gerade einmal 70,4 Prozent. Die Hauptursache dafür war zwar ein Einzelereignis, der Brand eines ICEs auf der Schnellfahrstrecke zwischen Köln und Frankfurt und die folgende Streckensperrung bis Mitte November, doch die Bahn redet sich nicht raus. „Der Kunde hat mehr verdient“, hat Konzernchef Lutz erst kürzlich eingeräumt. Als pünktlich gilt ein Zug dann, wenn er nicht mehr als sechs Minuten Verspätung hat.

Das aktuell größte Problem ist der schlechte Zustand der Zugflotte. Zuletzt war jeder fünfte Fernzug nicht einsetzbar. Weil es an Wagen und Loks fehlt, werden die Wartungen auf das Nötigste beschränkt. Längst sprechen Kritiker wie der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, vom Kollaps des Systems.

Hinter den Kulissen kämpft Bahnchef Lutz nun um zusätzliche Mittel – fünf Milliarden Euro will er in den nächsten Jahren investieren, unter anderem in neue Züge und die Digitalisierung des Netzes, um die Taktfrequenzen erhöhen zu können. Allerdings: Nur eine Milliarde Euro kann das Unternehmen bislang selbst aufbringen. Der Rest könnte durch höhere Schulden, einen Teilverkauf der Konzerntöchter Arriva und Schenker oder eben durch eine neue Finanzspritze des Bundes finanziert werden. Längst hat Lutz die Gewinnziele für die kommenden Jahre nach unten korrigiert.

Der Weihnachtsreiseverkehr wird für die Bahn einmal mehr zum großen Belastungstest. Man setze auf „gute Betriebsqualität und hohe Pünktlichkeit“, so der Bahnchef. Aufatmen kann er, weil über die Feiertage und zum Jahresende zumindest keine neuen Streiks drohen. Am Samstag hatte sich der Konzern mit der Gewerkschaft EVG auf Lohnerhöhungen von insgesamt 6,1 Prozent innerhalb von zwei Jahren und fünf Monaten verständigt. Dagegen hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL die Gespräche mit der Bahn für gescheitert erklärt. Streiken dürfte sie allerdings erst nach einer Schlichtung – und damit erst im neuen Jahr.

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