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Ferrero-Rückruf - Das müssen Sie über Salmonellen in Schokolade wissen

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Von: Hanna Gersmann

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Auch bestimmte Chargen von Schoko-Bons können insbesondere für Kinder gefährlich sein.
Auch bestimmte Chargen von Schoko-Bons können insbesondere für Kinder gefährlich sein. © Belga/Imago Images

Wegen einer möglichen Salmonellen-Belastung ruft Ferrero zahlreiche seiner Schoko-Produkte zurück. Die FR beantwortet die wichtigsten Fragen.

Frankfurt – Es ist eine üble Überraschung für den Süßwarenproduzenten Ferrero – und für Verbraucher:innen. Jetzt, kurz vor Ostern, hat der italienische Konzern verschiedene Schokowaren der Marke Kinder in etlichen Ländern aus den Supermarktregalen zurückgerufen. Dazu gehören bestimmte Chargen von Überraschungseiern, Schoko-Bons und Mini-Eggs. Auch Produkte aus der Weihnachtszeit, die eigentlich bis zum 20.04.2022 mindestens haltbar sind. Der Verdacht: Sie könnten mit Salmonellen belastet sein. Der Grund: Mehrere Kinder und Erwachsene sollen an Salmonellen erkrankt sein, nachdem sie Schokolade gegessen hatten. Bis Freitag waren EU-weit 105 bestätigte Fälle gemeldet, davon vier in Deutschland. Und nun?

Wie gefährlich sind Salmonellen?

„Nicht verzehren“, warnen die Verbraucherzentralen – und meinen die unter Salmonellen-Verdacht stehenden Produkte. Denn: Salmonellen sind Bakterien und können Magen-Darm-Erkrankungen auslösen. Vor allem für Kinder sind sie oft gefährlich, auch für Senior:innen und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem. Eine Infektion geht typischerweise mit plötzlichem Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen, allgemeinem Unwohlsein, manchmal auch mit Erbrechen und Fieber einher. Rat des Verbraucherschutzes: „Personen mit diesen Symptomen, die in der Regel innerhalb einiger Tage nach der Infektion auftreten, sollten unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.“

Rückruf von Ferrero-Produkten: Salmonellen-Erkrankung eine „typische Lebensmittelinfektion“

Warum tauchen Salmonellen auf?

Eine Salmonellen-Erkrankung sei eine „typische Lebensmittelinfektion“, heißt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Bakterien, die von Tieren stammen, könnten zum Beispiel in Produkten mit rohen Eiern stecken wie Mayonnaise, auch in Speiseeis. Oder in rohem Hackfleisch. Schlechte Küchenhygiene, etwa verunreinigte Schneidebretter oder Oberflächen, machten es den Bakterien leicht. Auch bereits infizierte Menschen können Lebensmittel kontaminieren.

Belgische Behörde entzieht Ferrero vorerst Lizenz

Aufgrund von Salmonellen-Fällen in mehreren Ländern muss der Süßwarenhersteller Ferrero die Produktion in einer Fabrik in Belgien vorerst stoppen. Die Aufsichtsbehörde Afsca kündigte am Freitag an, die Produktionslizenz für die Fabrik in Arlon in Folge von Ermittlungen zu entziehen. Ferrero habe in den Ermittlungen nicht ausreichend Informationen geliefert, so die Mitteilung. Alle Produkte aus dem Werk müssen demnach zurückgerufen werden, unabhängig von ihrem Produktionsdatum.

Dies umfasst laut der Mitteilung alle Kinder Surprise, Kinder Mini Eggs, Kinder Surprise Maxi und Schoko-Bons, die in Arlon gefertigt wurden. Afsca bat auch alle Vertriebsfirmen, die entsprechenden Produkte aus dem Einzelhandel zu nehmen. Das Werk in Arlon dürfe erst wieder öffnen, wenn alle Regeln und Anforderungen der Lebensmittelsicherheit erfüllt seien. (dpa)

Was machen Salmonellen in Schokolade?

Bei Schokolade gebe es eine Besonderheit, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung: Schon „außerordentlich niedrige Keimzahlen“ könnten zu Erkrankungen führen. Der Grund: In der fettreichen Schokolade sind die Salmonellen sehr gut gegen die sauren Verhältnisse im Magen des Menschen geschützt. So können sie größtenteils lebend in den Darm gelangen. Dort können sie dann die Infektion auslösen. Und: Sie können in Schokolade bis zu mehreren Jahren überleben. Wie sie da rein kommen? In Betracht kommen laut dem Institut „in erster Linie“ die Kakaobohnen, aber auch Kokosnüsse und Gewürze. Das Rösten der Kakaobohnen oder auch eine Behandlung der Kakaomasse mit Wasserdampf helfe – sicher abtöten ließen sich die Salmonellen damit jedoch auch nicht. Darum sei eine lückenlose Kontrolle entscheidend.

Salmonellen: Rückruf von Ferrero-Schokolade als „Vorsichtmaßnahme“

Was tun mit gekauftem Schokokram?

Noch ist unklar, ob die jetzigen Salmonellen-Erkrankungen wirklich mit der Schokolade zusammenhängen. Das untersuchen nun die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC. Erste Ergebnisse sollen kommende Woche vorliegen. Bislang seien in keinem der Schoko-Produkte Salmonellen gefunden worden, erklärt Ferrero. Der Rückruf sei eine „Vorsichtsmaßnahme“. Betroffen seien ausgewählte Chargen von „Kinder“-Produkten, die alle in Belgien hergestellt werden.

Das Unternehmen hat die Liste aller betroffenen Produkte online veröffentlicht. Und es verspricht, dass alle betroffenen Produkte „in der Regel auch ohne Kassenbon“ im Supermarkt zurückgegeben werden können. Es bedauere „diese Angelegenheit“. (Hanna Gersmann)

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