Teures Pflaster: Laufsteg aus Gold. 
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Teures Pflaster: Laufsteg aus Gold. 

Goldpreis steigt

Giftiges Gold

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Auch in der Corona-Krise stürzen sich die Anleger wieder auf den glänzenden Rohstoff. Die Umweltorganisation WWF ruft sie dazu auf, stärker auf die Herkunft des Edelmetalls zu achten.

Insbesondere in Krisenzeiten greifen Anleger gerne zu Gold. Es glitzert nicht nur schön - es gilt vor allem als wertbeständig und dadurch sicher. Das hat sich auch in der Corona-Krise wieder gezeigt. Die Preise für Gold sind ob der großen Nachfrage in die Höhe geschossen. Die Feinunze mit 31,103 Gramm kostet derzeit mehr als 1700 US-Dollar – zwölf Prozent mehr als zu Jahresanfang und ein Drittel mehr als vor Jahresfrist. Das Allzeithoch vom September 2011 ist damit fast in Sicht, damals wurden 1921 Dollar erreicht. In Euro gerechnet ist die Rekordmarke aus dem Jahr 2011 wegen Wechselkurseffekten sogar schon übertroffen worden. Mitte Mai stand das Edelmetall bei 1600 Euro – so hoch wie nie zuvor.

Insbesondere goldgestützte, börsengehandelte Fonds sind beliebt, aber auch die Notenbanken kaufen zunehmend von dem Edelmetall. Goldexperten erwarten, dass der Goldpreis weiter nach oben geht. Analysten der ING und der Schweizer Großbank UBS rechnen damit, dass die psychologisch wichtige Marke von 1800 US-Dollar bald erreicht wird.

Manche Experten wagen aber noch viel weitergehende Prognosen. Der österreichische Fondsmanager Ronald-Peter Stöferle, Autor des turnusmäßigen Reports „In Gold We Trust“, prophezeit bis Ende dieses Jahrzehnts einen Anstieg des Goldpreises auf 4800 US-Dollar (4374 Euro). Zur Begründung sagt er, wegen der Corona-Krise hätten viele Länder jegliche Budgetdisziplin über Bord geworfen: „Die Finanzierung der Defizite durch die digitale Druckpresse ist ein hervorragendes Umfeld für Gold.“

Inmitten dieses Goldrauschs macht die Umweltstiftung WWF allerdings auch auf die negativen Seiten der Hausse aufmerksam. Jährlich werden nach Angaben der Naturschutz-Organisation weltweit rund 3300 Tonnen Gold aus Erzen gewonnen – und zwar verbunden mit erheblichen Umweltschäden. So werde Wald für die Minen und Transportwege zerstört, und der Einsatz von Blausäuresalzen schade Gewässern und Böden.

In der Amazonas-Region gefährdeten zum Beispiel Quecksilbereinträge aus dem Goldbergbau die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen. Laut WWF sind dort bereits rund 1,5 Millionen Menschen betroffen. Die Vergiftung damit könne tödlich sein. „Die Vergiftungssymptome umfassen Muskelschäden, Nierenerkrankungen, Lähmungen, kognitive und motorische Verzögerungen oder Psychosen“, so die Organisation.

Rund ein Viertel des neuen Goldes wird in Klein-Minen gewonnen, in denen weltweit schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Menschen arbeiten. Die Arbeitsbedingungen seien hier „häufig ausbeuterisch und gesundheitsgefährdend“, so der WWF. Viele Menschen arbeiteten dabei auch in illegalen Minen, allein in Südafrika angeblich rund 30 000 Menschen.

Brasilien ist hier laut der Organisation ein weiterer Hotspot, denn ein unregulierter Goldbergbau zerstört laut NGOs das Land der indigenen Bevölkerung. Dabei wird ein seit Februar vorliegender Gesetzesentwurf zur Regulierung in Indigenen-Gebieten von Kritikern sogar als weiterer Beschleuniger der fortschreitenden Zerstörung gesehen. Die Kritik: Die bislang häufig illegal operierenden „Garimpeiros“ – Goldbergbauern in kleinen Strukturen – könnten dadurch neben den großen Bergbaufirmen Lizenzen für diese Regionen bekommen.

Die Umweltstiftung fordert Goldhändler und Anbieter goldgestützter Fonds wegen dieser Probleme auf, künftig „Recycling-Gold“ Vorrang zu geben und den Kunden lückenlos Aufschluss über die Herkunft des gehandelten Goldes zu geben. „Sonst haben Anleger keine Chance, giftiges Gold aus ihren Portfolios rauszuhalten“, so WWF-Rohstoffexperte Tobias Kind. Wiederverwertetes Altgold habe den gleichen Wert wie neu abgebautes Gold, belaste die Umwelt aber weitaus weniger. Kind: „Der ökologische Fußabdruck des Goldes sinkt mit jeder Wiederverwertung.“

Anleger mit Interesse an Gold und Käufer von Goldschmuck ruft der WWF auf, gezielt nach Recyclinggold oder wenigstens zertifiziertem Gold zu fragen. Er verweist auf Zertifizierungssysteme wie „Fairmined“, die zum Beispiel im Kleinbergbau den Ersatz der dort vielfach noch üblichen Abbautechniken mit Quecksilber fördern. Für Großbergbauunternehmen setzten weitere Zertifizierungssysteme wie „IRMA“ wichtige Umwelt- und Sozialstandards. „Eine erhöhte Nachfrage erzeugt bei Banken, Händlern und Juwelieren Druck, ihre Lieferketten sauber zu halten“, so Kind. Freiwillige Zertifizierungssysteme allein würden den Goldbergbau nicht ausreichend sozial und umweltfreundlich machen, dazu brauche es, so Kind, den „massiven Druck des Marktes“.

Entlastung bei den Umweltschäden könnte übrigens auch ein besseres Recycling von elektronischen Geräten bringen, in denen oft ebenfalls Gold – und andere wertvolle Metalle und Mineralien – verbaut ist. Beispiel: Alleine in deutschen Haushalten liegen nach Expertenschätzung über 120 Millionen alte Handys, die nicht mehr genutzt werden und unter anderem 2,9 Tonnen von dem Edelmetall enthalten. Recycling oder Rückgabe an den Hersteller, so wie in anderen Ländern üblich, etwa Großbritannien oder den Niederlanden, ist hierzulande eher unüblich. (Von Joachim Wille)

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