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Rocket Internet - Erfolg und Enttäuschung

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Von: Jonas Rest

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Rocket Internet ist an die Börse gegangen.
Rocket Internet ist an die Börse gegangen. © REUTERS

Für Anleger war der Börsengang von Rocket Internet ein Reinfall. Die Samwer-Brüder dagegen können sich über riesige Erlöse freuen. Aber schon bald werden sie noch mehr Geld brauchen.

Als eine Art deutsches Alibaba hatte sich die Start-Up-Fabrik Rocket Internet der Brüder Marc, Alexander und Oliver Samwer zu positionieren versucht und ihren Börsengang sogar vorgezogen, damit er keine zwei Wochen nach dem chinesischen Internetkonzern folgte. Doch während Alibaba am ersten Handelstag Kursgewinne von 36 Prozent verbuchte, stand bei Rocket nach dem ersten Börsentag am Donnerstag ein Minus von 13 Prozent. Auch Zalando, die bekannteste Rocket-Ausgründung, die bei ihrem Börsengang am Tag zuvor ihren Ausgabekurs noch hatte halten können, verlor zwölf Prozent.

Anleger, die auf schnelle Zeichnungsgewinne wie bei Alibabas Kurssprung gesetzt hatten, gingen leer aus. Aus ihrer Sicht waren die Börsengänge eine Enttäuschung. Anders aus der Sicht von Zalando und Rocket: Der Börsengang bedeutet für sie zunächst einmal, dass es gelungen ist, zu sehr guten Bewertungen an neues Geld zu gelangen, um weiteres Wachstum zu finanzieren.

Oliver Samwer hat es einmal als seine Methode beschrieben, „unglaublich viel Geld zu unglaublichen Bewertungen“ einzutreiben. Beim Börsengang von Rocket ist ihm das zweifelsohne gelungen, vermutlich in einem Ausmaß wie noch nie zuvor. Die Entwicklung von Rockets Bewertung ist atemberaubend: Vor nicht einmal zwei Monaten, Anfang August, wurden die Rocket-Firmen bei einer Finanzierungsrunde mit 2,6 Milliarden Euro bewertet, der Apparat Rocket Internet folglich mit rund 400 Millionen Euro.

Eine Milliarde aus dem Nichts

Zum Börsengang sollen die Rocket-Firmen zwar immer noch 2,6 Milliarden Euro wert gewesen sein. Doch die Marktkapitalisierung zum Ausgabepreis der Aktien bedeutete, dass der Wert des Rocket-Apparats plötzlich auf rund 1,5 Milliarden Euro angewachsen war. Mehr als eine Milliarde Euro also, die aus dem Nichts entstanden ist, und das innerhalb von zwei Monaten.

Der Absturz des Kurses am ersten Handelstag war so gesehen nicht wirklich überraschend. Nach den Kursverlusten war Rocket noch 5,7 Milliarden Euro wert – der Aufschlag von einer Milliarde Euro wurde also wieder fast komplett geschluckt. Dabei dürfte es zunächst bleiben: Eine Erholung des Kurses in nächster Zeit ist eher unwahrscheinlich – nicht wenige halten schon die Bewertung der Portfolio-Firmen mit 2,6 Milliarden Euro für viel zu hoch. Überprüfen lässt sich diese angesichts der wenigen bekannten Zahlen ohnehin nicht.

Langfristig hat Rocket mit der aggressiven Bepreisung seiner Aktien beim Börsengang noch nichts gewonnen: Denn bei Rocket ist nach der Geldaufnahme immer vor der Geldaufnahme. Die Strategie, E-Commerce-Firmen zu Marktführern in den Entwicklungsländern zu machen, ist sehr kostenintensiv. Knapp eine halbe Milliarde Euro Verlust machten zuletzt alleine die umsatzstärksten Firmen der Start-Up-Fabrik. Noch einmal aber werden sich Investoren wohl nicht auf Abenteuer einlassen. Um noch einmal viel Geld einsammeln zu können, wird Oliver Samwer harte Zahlen liefern müssen.

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