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ARCHIV - Der Roboter REEM der Firma PAL Robotics, aufgenommen am 03.06.2014 auf der Messe Automatica in München (Bayern). Im Hintergrund steht sein "Kollege" REEM-C. Foto: Peter Kneffel/dpa (zu dpa "Beginn Robotik-Messe Automatica" vom 21.06.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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ARCHIV - Der Roboter REEM der Firma PAL Robotics, aufgenommen am 03.06.2014 auf der Messe Automatica in München (Bayern). Im Hintergrund steht sein "Kollege" REEM-C. Foto: Peter Kneffel/dpa (zu dpa "Beginn Robotik-Messe Automatica" vom 21.06.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Automatica

Was Roboter heute können

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    VonThomas Magenheim-Hörmann
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In München läuft die weltgrößte Roboter-Schau. Die Automaten werden immer komplexer und kommen in immer mehr Branchen zum Einsatz. Auch das deutsche Handwerk könnte profitieren.

Falk Senger versucht zu beruhigen. Nein, die 13 hochrangigen Delegationen aus China seien nicht angereist, um sich neue Übernahmekandidaten aus Deutschland auszusuchen, sagt der für die weltgrößte Roboter-Schau Automatica zuständige Geschäftsführer der Messe München. Robotik und Automatisierung unter dem Schlagwort Industrie 4.0 ist zwar ohnehin ein Boombereich der heimischen Wirtschaft. Aber seit der chinesische Midea-Konzern nach der Augsburger Branchenperle Kuka greift, erfreuen sich die Hersteller von Robotern, die sehen, sprechen und mit Menschen zusammenarbeiten können, zusätzlicher Aufmerksamkeit. Vier Tage lang zeigen sie zur Automatica, was möglich ist und das wird immer mehr.

Verbrauchern am nähesten und im Kommen sind Pflegeroboter für alte und gebrechliche Menschen. Schon durchgesetzt haben sich Roboter zum Rasenmähen und Staubsaugen, sagt Patrick Schwarzkopf. Im Maschinen- und Anlagenbauverband VDMA ist er Geschäftsführer Robotik und Automation. Künstliche Helfer mit wirklich menschlichen Zügen für jeden Haushalt nach dem Vorbild des humanoiden Star Wars-Roboters C3PO seien aber auf Jahre hinaus noch Science Fiction. In der Industrie erobern sie dagegen immer mehr Anwendungsfelder vor allem in der Fertigung aber auch der Logistik.

„Moderne Roboter sind wie der dritte Arm für einen Menschen“, beschreibt Schwarzkopf maschinengetriebene Kooperationen in der Arbeitswelt von morgen. Cobots nennt man in der Branche diese mit Menschen Hand in Hand arbeitenden High-tech-Geräte. Sie können menschliche Fehler korrigieren, schwere oder stupide Arbeiten übernehmen und Menschen ihre Tätigkeit so erleichtern, dass sie länger im Job bleiben können. Vor allem für eine alternde Gesellschaft sei das wichtig, betont auch Senger.

86 Prozent von im Vorfeld der Automatica befragten Branchenmanagern erwarten, dass Cobots vor allem die Fertigung revolutionieren werden. Noch mehr sagen, dass die Bedienung eines solchen Kollegen aus Kunststoff und Metall nicht schwerer falle als die eines Smartphones. Über 40 Prozent geben aber auch an, dass die Furcht vor Datenlecks und Industriespionage den Einsatz von Robotern hemme. Diese Bedenken zu entschärften, sei Aufgabe der Technologie, aber auch des Gesetzgebers, sagt Schwarzkopf.

Das EU-Parlament hat sich über Roboter jüngst Gedanken gemacht und zu vorläufigen Antworten gefunden, die der VDMA nicht erwartet hatte. EU-Politiker erwägen etwa, ein europaweites Roboterregister einzurichten und den Status einer „electronic person“ zu schaffen, deren Besitzer Sozialabgaben entrichten muss. Das ist der Industrie dann doch zu viel der Regelung. Sie will möglichst ungehemmt wachsen.

Neue Zielgruppen sind Handwerksbetriebe und der Mittelstand. Roboter, die einem Schreiner beim Fräsen helfen, seien auch für Kleinbetriebe mittlerweile lukrativ, wirbt Schwarzkopf. Aber auch China bleibe als Abnehmerland Nummer eins für Roboter made in Germany wichtig. Mehr als jeder zehnte deutsche Industrieroboter gehe ins Reich der Mitte. „Man kommt kaum durch die Gänge durch“, freut er sich über den Besucherzuspruch zur Automatica.

Unter dem Strich dürften die Geschäfte mit kleinen und großen Kunden dieses Jahr hierzulande für 12,5 Milliarden Euro Branchenumsatz sorgen. Das ist zwar nur noch ein Plus von zwei Prozent gegenüber sieben Prozent Wachstum im Vorjahr. Aber auch die Wachstumsbranche bekomme die wirtschaftliche Flaute Chinas langsam zu spüren, sagt der Manager.

Arbeitsplätze würden die mechanischen Kollegen übrigens nicht vernichten. Das zeige die Automobilindustrie, die als Vorreiter beim Einsatz von Robotern in der Fertigung gilt. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre sei der Einsatz von Robotern in deutschen Autofabriken um 17 Prozent gestiegen, die Personalzahlen aber auch um 13 Prozent. Weltweit wurden seit 2010 rund 1,1 Millionen Industrieroboter in Dienst gestellt. Insgesamt 1,7 Millionen Einheiten weist eine Branchenstatistik für 2015 aus. 2,3 Millionen sollen es nach einer Prognose 2018 sein, im Schnitt zwölf Prozent mehr jedes Jahr.

Das schafft in westlichen Industriestaaten wie Deutschland auch den Spielraum, abgewanderte Fertigung wieder nach Deutschland zurückzuholen. In der Kooperation zwischen Mensch und Maschine werde Handarbeit wieder wettbewerbsfähig, sagt Schwarzkopf. Zurückverlagern könnten dann vor allem Industrien wie Textil und Sportartikel aber auch Elektronik.

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