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Mit Robotaxis steigt die Betriebsdauer eines Autos von einer Stunde pro Tag auf – je nach Nachfrage – bis zu 24 Stunden.

Mobilität

Das Robotaxi könnte alles ändern

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Die meiste Zeit stehen Autos unbewegt auf Parkplätzen - die reine  Geldverschwendung. Es könnte sein, dass sich das mit dem Robotaxi bald ändert.

Die Zukunft kommt in großen Schritten. Das Unternehmen Waymo, eine Tochter des Google-Mutterkonzerns Alphabet, hat vor einigen Tagen die Erlaubnis der kalifornischen Behörden erhalten, erste Passagiere per Robotaxi zu befördern. Auch in Arizona ist die Firma bereits vertreten, in dem Bundesstaat sind die Regeln allerdings nicht so streng wie in Kalifornien.

Im Silicon Valley gehören die Fahrzeuge von Waymo seit einigen Jahren zum Straßenbild, bisher waren das aber nur Testfahrten. Es wurden Daten und Erfahrungen gesammelt, um die Technik zu perfektionieren, die Fußgänger, Autos, Straßenschilder und Ampeln erkennen und darauf reagieren muss. Inzwischen ist die Technologie offenbar so ausgereift, dass erste Passagiere mitfahren dürfen, ein Sicherheitsfahrer muss allerdings weiterhin an Bord sein.

Waymo, Uber, GM und Tesla tummeln sich auf dem Markt für Robotaxis

Der Markt für Robotaxis ist heiß umkämpft. Auch der Fahrdienst Uber, der Autobauer GM und der Elektroautopionier Tesla sind ganz vorne mit dabei. Tesla-Chef Elon Musk hat angekündigt, dass seine Autos ab dem Frühjahr 2020 als Robotaxis genutzt werden können. Seine Vision: Während die Besitzer ihr Auto nicht nutzen, transportiert es andere Menschen und verdient so Geld. Ein Tesla würde dadurch wertvoller für den Besitzer. In einem Tweet erklärte Musk deshalb kürzlich, dass Teslas teurer werden könnten.

Implizit zeigt Musks Äußerung, dass Autos ihr Potenzial in den vergangenen Jahrzehnten kaum ausgeschöpft haben. Sie standen die meiste Zeit ihrer Lebensdauer nämlich nur herum. Einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge fährt ein Auto im Durchschnitt eine Stunde am Tag, den Rest der Zeit ist es geparkt. Das ist pure Geldverschwendung. Wirtschaftlich gesehen sollte ein Investitionsgut wie das Auto möglichst rund um die Uhr im Einsatz sein, damit sich das Geld für Anschaffung und Betrieb rentiert.

Das Auto ist endlich tatsächlich mobil

Wenn Robotertaxis eines Tages die Straßen erobern, wird folglich eine riesige Verschwendung gestoppt. Die Betriebsdauer eines Autos steigt dann von einer Stunde pro Tag auf – je nach Nachfrage – gegen 24 Stunden. Die Zahl der transportierten Menschen steigt, und das Auto ist endlich nicht mehr nur dem Namen nach, sondern auch tatsächlich mobil. 134 Jahre nach seiner Erfindung wird es seiner Kernbestimmung gerecht. Denn bislang wurde mit einem Auto zwar auch Mobilität verkauft, vor allem aber Prestige, Wohlbefinden und Flexibilität.

Nun ist schwer abzuschätzen, wie sich das Mobilitätsverhalten der Menschen verändert, wenn immer ein Robotaxi bereitsteht, sobald sie eines brauchen (könnten). Gehen die Leute noch zu Fuß? Nutzen sie weiterhin den öffentlichen Verkehr? Oder dominiert das Auto? Das Risiko besteht, aber genauso gut kann es sein, dass deutlich weniger Fahrzeuge benötigt werden.

Das ist auch eine Frage der politischen Gestaltung. Vorstellbar wäre, gewöhnliche Autos aus den Städten zu verbannen. Robotaxis würden ihre Funktion übernehmen. Gleichzeitig würde dafür gesorgt, dass eine Fahrt im ÖPNV günstiger wäre als im Robotaxi. Parallel dazu müssten Fußgänger und Fahrradfahrer sowie Elektrokleinstfahrzeuge wie E-Roller gefördert werden.

Das würde – freilich zulasten der Autoindustrie und ihrer Beschäftigten - jährlich Milliarden sparen. Geld, das dann zum Beispiel in Pflegedienstleistungen fließen könnte. So schafft Innovation neue Spielräume.

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