Smarte Hausgeräte

Riskanter Komfort

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Smarte Hausgeräte machen das Leben der Bewohner angenehm. Aber nur solange nichts schiefläuft. Denn dann bewegt man sich auf juristisch unsicherem Terrain.

Mitdenkende Haushaltsgeräte. Diese Verheißung, dieses Versprechen ist schon mehr als zwei Jahrzehnte alt, und wenig geschah. Nun jedoch bahnt sich die Technik gerade den Weg in den Massenmarkt. Der globale Umsatz wird in diesem Jahr auf 65 Milliarden Euro steigen, erwarten Analysten. Das wäre ein Wachstum von über 30 Prozent. Die Kunden erhoffen sich von den Neuanschaffungen mehr Komfort im Alltag.

In so einem attraktiven Markt tummeln sich mehr und mehr Anbieter. Sie kommen im Wesentlichen aus zwei Richtungen: Digitalfirmen wie Google, Apple, Amazon und die Telekom sind von ihrer Seite her in den Markt für Hausgeräte eingewandert. Auf der anderen Seite haben traditionelle Hersteller wie Philipps, Ikea oder Bosch digital aufgerüstet. Häufig sind die Apparate untereinander verknüpfbar: smarte Lampen von Philipps lassen sich mit der Sprachsteuerung „Alexa“ von Amazon ansteuern. Gemeinsam ist den Systemen meist, dass sie sich mittels Apps kontrollieren lassen. Fast alles lässt sich bereits anschließen: Licht, Heizung, Kühlschränke, Jalousien, Fernseher, Alarmanlagen, Staubsaugroboter, Tierfutterspender und sogar die Kaffeemaschine.

Einige der Geräte erfordern erheblichen Mut zur Technik. Vor allem die allgegenwärtigen Lautsprecher und Kameras wecken bei vielen Deutschen auch die Sorge, dass Dritte einem in den privatesten Bereich hineinspähen können. Und das smarte Türschloss eröffnet eine völlig neue und zeitgemäße Form des Einbruchs. Wer das Schloss übers Netz davon überzeugen kann, sich zu öffnen, kann ohne weitere Gewaltanwendung in die Wohnung spazieren. Eine Umfrage der Verbraucherzentralen hat ergeben, dass knapp die Hälfte der Deutschen Hackerangriffe oder die Weitergabe von Daten durch das Smart Home fürchten. Trotz aller Erfolge am Markt: Für neun von zehn Befragten kommt die Anschaffung daher derzeit nicht in Frage.

Die Datensammelei ist in vielen Fällen keine Nebenwirkung, sondern aus Sicht der Anbieter der Hauptnutzen. Gerade die ganz Großen der Branche sehen im Vernetzungstrend eine Chance, noch mehr Daten zu sammeln, die sie den Profilen ihrer Kunden zuordnen können. Je besser sie den Menschen kennen, desto zielgenauer können sie ihm ihre Dienst nicht nur anbieten, sondern auch verkaufen.

Mit der zunehmenden Verbreitung smarter, vernetzter Hausgeräte wird auch die Wichtigkeit von Haftungsfragen steigen. Das fängt im Kleinen an. Was, wenn das App-gesteuerte Heizungsventil die Wohnung den ganzen Tag auf Bruthitze erwärmt und sich dabei das smarte Fenster öffnet? Muss der Hersteller des Geräts die Gaskosten ersetzen? Oder ist der Nutzer selbst schuld, weil er vielleicht etwas falsch gemach hat?

Die Liste der offenen Fragen ist lang. Wer haftet, wenn meine digitale Steckdose in Flammen aufgeht, wenn ich per App aus der Ferne ein Gerät einschalten will? Wie lässt sich der Schaden beziffern, wenn Videos aus der Privatsphäre im Netz landen?

Am Ende laufen alle diese Unsicherheiten auf die Frage hinaus: Wer zahlt, wenn etwas schiefgeht? Zwar ist die Haftung der Hersteller von fehlerhaften Elektrogeräten in Deutschland schon lange geregelt. Doch die Gesetze sind nur begrenzt auf das Digitalzeitalter anwendbar. Stattdessen herrscht erhebliche Rechtsunsicherheit, die Kunden mit jedem Gerät mitkaufen.

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