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Risiken ausgeklammert

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Bankenstresstests müssen noch deutlich strenger werden

Anfang November veröffentlichte die Europäische Bankaufsichtsbehörde (EBA) die Ergebnisse ihres Stresstests 2018, an dem 33 Kreditinstitute aus der Eurozone sowie 15 aus anderen EU-Ländern und Norwegen beteiligt waren. Insgesamt decken sie etwa 70 Prozent der gesamten Vermögenswerte des EU-Bankensektors ab.

Die Parameter des Stresstests wurden im Vergleich zu 2016 verschärft, insbesondere die Annahmen des „negativen Szenarios“. Diese vorsichtigere Haltung ist vor dem Hintergrund eines verlangsamten Wirtschaftswachstums und zunehmender makroökonomischer Risiken angemessen. Dennoch wurde bei den Stresstests 2018 ein weiter Bogen um zwei der größten „Elefanten im Raum“ gemacht: die Risiken, die von unsicheren Staatsanleihen und von notleidenden Krediten (NPLs) ausgehen.

Im negativen Szenario berücksichtigt der Test nicht die möglichen Folgen einer Herabstufung der Bonität eines EU-Mitgliedstaats auf die Bankbilanzen. Große Bestände an Staatsanleihen mit niedrigem Rating wurden in jüngster Zeit regelmäßig als eine wichtige Quelle für systemische Risiken in der EU und insbesondere im Euroraum erkannt. Die Prüfung der Widerstandsfähigkeit der Banken für ein solches Szenario, etwa in einem „strengen negativen Szenario“, wäre sinnvoll gewesen.

Es ist allgemein bekannt, dass weiterhin NPLs in Höhe von 730 Milliarden Euro den EU-Bankensektor belasten. Sowohl die EU-Mitgliedstaaten als auch die einzelnen Institute sind dabei sehr unterschiedlich stark betroffen. So betragen die NPL-Quoten einiger Banken ein Vielfaches des EU-Durchschnitts von 3,6 Prozent. Das Testdesign ermöglicht es den Banken jedoch, Zinsen für notleidende Kredite zu berücksichtigen, die in Wirklichkeit nie zurückgezahlt werden.

Sowohl in seiner Konzeption als auch in der Präsentation der Ergebnisse zeichnet der Stresstest ein etwas einseitiges und wohl zu rosiges Bild vom Zustand eines noch lange nicht sicheren Sektors.

Wenn das Ziel dieser Übung unter anderem darin besteht, der Öffentlichkeit ein umfassendes Bild von der Gesundheit des Bankensektors zu vermitteln, um anhaltende Zweifel auszuräumen und das Vertrauen wiederherzustellen, sollten die Europäische Bankenaufsicht und Zentralbank die Tests auf weitere Banken ausdehnen und strenger testen.

Der Autor ist Generalsekretär von Finance Watch.

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