Wie geht es mit der Lufthansa weiter?
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Wie geht es mit der Lufthansa weiter?

Fragen und Antworten

Ringen um Rettungspaket

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Lufthansa: Zustimmung der Hauptversammlung steht auf der Kippe.

Die Zukunft der Lufthansa ist ungewisser denn je. Großaktionär Heinz Hermann Thiele könnte auf der Hauptversammlung das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket verhindern. Am Montag verhandelten Thiele und Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit Vertretern der Bundesregierung über einen Kompromiss. Wir erläutern, was bei einer Insolvenz droht und welche Rolle der geplante Stellenabbau dabei spielt.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Rettung scheitert?

Das lässt sich nur schwer sagen. Alles hängt an der Strategie von Thiele, der 15 Prozent der Aktien besitzt. Ein Ziel hat er bereits erreicht: Es wird nachverhandelt und er sitzt mit am Tisch. Als Vertreter der Bundesregierung waren Medienberichten zufolge Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sowie Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bei den Gesprächen am Montag vertreten.

Warum hat Thiele eine so starke Position?

Mehrheitsaktionär Thiele ist gegen das staatliche Rettungspaket.

Laut Spohr haben sich für die Online-Hauptversammlung am Donnerstag Aktionäre angemeldet, die nur 38 Prozent der Stimmrechte vertreten. Das bedeutet, dass es für die Annahme des mit der Bundesregierung ausgehandelten Rettungsplans eine Zwei-Drittel-Mehrheit braucht. Und die kann Thiele mit seinem 15-Prozent-Paket verhindern. Damit wären nicht nur Hilfskredite und eine stille Beteiligung des Staates, sondern auch der von Thiele stark kritisierte Einstieg des Bundes mit einer 20-Prozent-Beteiligung vom Tisch.

Was folgt, wenn das Rettungspaket tatsächlich durchfällt?

Die Lufthansa hatte bereits vorige Woche gewarnt, dass „möglicherweise zeitnah zur Hauptversammlung ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren“ beantragt werden müsste. Spohr hat mittlerweile nachgelegt: In einem Brief an die Mitarbeiter hat er erklärt, man habe umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um ein Grounding zu vermeiden – also ein kurzfristiges Einstellen des Flugbetriebes. Das dürfte auch ein Signal an Thiele sein, dass die Lufthansa mit der Insolvenz ernsthaft kalkuliert. Zumal Spohr angekündigt hat, die Zeit vor der endgültigen Erklärung einer Insolvenz zu nutzen, um mit der Bundesregierung – nicht mit Thiele – „Optionen“ zu besprechen.

Muss Thiele eine Insolvenz fürchten?

Thiele hat in einem Interview zwar betont, dass er die Insolvenz nicht fürchtet. Allerdings wäre seine Position als Aktionär dann geschwächt. Zugleich wird das Unternehmen zunächst einmal vor den Forderungen von Gläubigern geschützt. Damit gewinnt es Zeit, ein Sanierungskonzept im Einvernehmen mit den Gläubigern zu erarbeiten oder zu überarbeiten. In der Branche wird gemutmaßt, dass Thiele bei einer Insolvenz ohne Einstieg des Staates langfristig vom unabdingbaren Verkauf von Flugzeugen profitieren könnte. Allerdings stellt sich die Frage, an wen die Jets veräußert werden sollen. Denn Airlines weltweit haben Bestellungen für neue Maschinen storniert und planen ebenfalls, Flotten zu verkleinern.

Wie wichtig sind bei all dem die Gewerkschaften?

Sie sind enorm wichtig. Insgesamt stehen 22 000 Arbeitsplätze von weltweit 138 000 zur Disposition. Die Gewerkschaften Verdi, Ufo und Vereinigung Cockpit haben angekündigt, möglichst viele Stellen zu retten. Es wird unter anderem um Teilzeit-Regelungen und den zeitweisen Verzicht oder die Stundung von Gehaltsbestandteilen verhandelt – dazu könnten Zulagen, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gehören. Eigentlich wollte Spohr am Anfang dieser Woche Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern unter Dach und Fach bringen. Das ist misslungen. Die Positionen seien noch weit voneinander entfernt, ließ die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo am Montag wissen.

Welche Optionen hat Spohr nun?

Er hat die Auszahlung der Gehälter für diesen Monat auf diesen Montag vorgezogen, um einen „ungestörten Zahlungsverlauf zu gewährleisten“. Das wird von Insidern als taktischer Schachzug bewertet, um für gute Laune in der Belegschaft zu sorgen und um bei Betriebsräten die Chancen für eine kurzfristige Einigung zu erhöhen.

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