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Wie Riestern funktioniert

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Von: Sebastian Wolff

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Gute Angebote bei der Riester-Rente sind laut einem Test der Stiftung Warentest rar (Symbolbild).
Gute Angebote bei der Riester-Rente sind laut einem Test der Stiftung Warentest rar (Symbolbild). © dapd

Walter Riester ist heute Teil im kollektiven Gedächtnis der Bundesbürger - als Namensgeber der von ihm einst ins Leben gerufenen Riester-Rente. Unser Autor erklärt wie der Staat private Altersvorsorge fördert und für wen sich die Zusatz-Rente lohnt.

Walter Riester ist heute Teil im kollektiven Gedächtnis der Bundesbürger - als Namensgeber der von ihm einst ins Leben gerufenen Riester-Rente. Unser Autor erklärt wie der Staat private Altersvorsorge fördert und für wen sich die Zusatz-Rente lohnt.

Das hätte sich Walter Riester wohl nie träumen lassen, dass er über seine Amtszeit als Arbeitsminister hinaus so lange im kollektiven Gedächtnis der Bundesbürger haften bleiben würde – als Namensgeber der von ihm ins Leben gerufenen Riester-Rente.

Als Arbeitsminister der rot-grünen Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder kam Riester zu der Erkenntnis, dass es an der Zeit sei, der Bevölkerung angesichts der demografischen Entwicklung (immer wenige Junge müssen die Rente von immer mehr Alten erwirtschaften) reinen Wein einzuschenken. Während sein Vorgänger Norbert Blüm noch bei jeder Gelegenheit „die Rente ist sicher“ getönt hatte, entwickelte Riester ein Modell, das es Beschäftigten erlauben sollte, eigene finanzielle Vorsorge zu treffen, um die zu erwartende Versorgungslücke im Alter zu schließen: Es mündete im sogenannten Altersvermögensgesetz, das im Jahr 2002 eingeführt wurde. Doch durchgesetzt hat sich der Begriff Riester-Rente.

Zulage für Kinder

Die Idee: Die gesetzliche Rente wird gekürzt. Wer aber entsprechend eigenverantwortlich vorsorgt, um die entstehende Lücke wieder zu schließen, kommt dennoch auf das alte Rentenniveau. Unterstützt wird er dabei vom Staat in Form einer Zulage. Diese lag zu Beginn bei 38 Euro pro Jahr und hat sich seitdem auf 154 Euro vervierfacht. Wer die volle Zulage kassieren will, muss allerdings auch viermal so viel in seinen Riester-Vertrag einzahlen wie noch 2002 – und zwar vier Prozent des Vorjahreseinkommens, vermindert um die Zulage. Zudem ist der Beitrag auf vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung gedeckelt. Derzeit liegt der Höchstbeitrag also bei 2.100 Euro.

Wer Kinder hat, für den lohnt sich Riester umso mehr: Für jedes Kind, das im Haushalt lebt, gibt es nämlich noch eine staatliche Extra-Zulage von 185 Euro. Ist der Nachwuchs nach 2008 geboren, beträgt die Kinderzulage sogar 300 Euro. Hinzu kommen noch mögliche Steuervorteile. Denn die Beiträge und die Zulagen können als Sonderausgaben bei der jährlichen Einkommensteuererklärung beim Finanzamt geltend gemacht werden.

Ausbezahlt wird die Riester-Rente in Form von monatlichen Raten ab Rentenbeginn – auf diese Weise kann der Begünstigte seine gesetzliche Rente unmittelbar aufbessern. Anfangs war die Riester-Rente dennoch ein Flop. Nur die allerwenigsten Bundesbürger sahen es ein, von ihrem hart Erarbeiteten über die Beiträge zur gesetzlichen Rente hinaus nochmals zusätzlich Geld für Riester abzuzwacken. Doch mittlerweile hat sich die Riester-Rente etabliert: Gut 15 Millionen Riester-Verträge hatten die Bundesbürger bis Ende März dieses Jahre bereits abgeschlossen. Rund acht Milliarden Euro zahlen sie jährlich insgesamt ein. Im Gegenzug bekamen sie 2011 fast 2,9 Milliarden Euro an staatlichen Zulagen.

Bei der Riester-Rente können die Kunden unter verschiedenen Sparformen wählen. Sie können einen normalen Versicherungsvertrag abschließen, was auch die meisten tun. Sie können sich aber auch für einen Investmentfondsvertrag oder für einen Banksparvertrag entscheiden. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit des Wohn-Riesters, also das angesparte Geld zum Kauf einer Eigentumswohnung oder eines Hauses zu verwenden.

Sicherheit kostet Rendite

Das Besondere an Riester ist die Tatsache, dass die Vertragsanbieter garantieren müssen, dass zum Laufzeitende mindestens die eingezahlten Beiträge inklusive Zulage zur Verfügung stehen. Der Nachteil: Diese Sicherheit kostet natürlich Rendite. Das trifft besonders auf die Investmentfondsverträge zu. Diese investieren zum Teil in Aktien. Doch um die Garantie des Kapitalerhalts sicherzustellen, müssen die Anbieter sich mit Optionen gegen Kursverluste absichern. Für den Kunden bedeutet das zwar, dass er garantiert kein Geld verliert, auch wenn die Aktienkurse zum Ende der Laufzeit tiefer stehen. Andererseits profitiert er aber nur zu einem Bruchteil von möglichen Kursgewinnen.

Wie viel der Sparer beim Riestern letztlich herausbekommt, hängt nicht nur von der Sparform ab, sondern auch von der Qualität des Anbieters. Die Stiftung Warentest hat die Anbieter in ihrem aktuellen Finanztest-Heft verglichen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Gute Angebote sind rar. Von 28 getesteten Produkten erhielt kein einziges das Prädikat „Sehr gut“. Nur fünf schafften immerhin ein „Gut“. Es handelt sich um die Anbieter Huk 24, Alte Leipziger, Debeka, Hannoversche und Hanse Merkur.

Insgesamt bemängeln die Tester die hohen Kosten, die von den Anbietern gleich einbehalten werden. Am schamlosesten kassiert demnach die Barmenia ab: Sie behält 16,5 Prozent der Kundenbeiträge als Abschlussprovision und für Verwaltungsgebühren ein. Zusätzlich kassiert die Barmenia noch 7,5 Prozent der staatlichen Zulagen. Das wirkt sich massiv auf die Rente aus, die der Kunde am Ende bekommt: „Versicherer, die hohe Kosten verlangen, können ihren Kunden bei Vertragsabschluss keine ordentliche Mindestrendite zusagen“, schlussfolgert Finanztest.

Dies ist Teil 3 einer sechsteiligen Serie zum Thema Altersvorsorge.

Teil 1 über die Berechnung Ihrer Versorgungslücke finden Sie hier.

Teil 2 über Wege, mit denen Sie die Versorgungslücke schließen können, lesen Sie hier.

Teil 4 befasst sich mit der Rürup-Rente.

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