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Nicht nur für die New Yorker Börse ist die Fusion eine folgenreiche Nachricht.

Fiat Chrysler PSA

Riesig in die Zukunft

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  • Dominik Straub
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Gemeinsam wollen Fiat-Chrysler und PSA mehr Ressourcen in Elektrofahrzeuge stecken.

Die bereits am Vortag durchgesickerten Fusionsabsichten sind von den Konzernspitzen von Fiat-Chrysler Automobiles (FCA) und vom Peugeot-Mutterkonzern PSA am Donnerstagmorgen bestätigt worden: „Die laufenden Gespräche bereiten den Weg zur Bildung einer neuen Gruppe mit globalen Dimensionen und Ressourcen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Die beteiligten Partner würden je 50 Prozent am neuen Konzern halten. Geführt werden soll das Fusionsprodukt vom bisherigen PSA-Spitzenmanager Carlos Tavares; John Elkann, der bisherige Präsident des FCA-Aufsichtsrats, soll die gleiche Rolle im kombinierten Unternehmen erhalten. Die Konzernzentrale soll in den Niederlanden angesiedelt werden, wo FCA schon heute seinen Sitz hat.

Fiat-Chrysler verkaufte im vergangenen Jahr 4,8 Millionen Fahrzeuge, der PSA-Konzern 3,9 Millionen. Mit insgesamt 8,7 Millionen verkauften Fahrzeugen werden die beiden fusionierten Unternehmen zum viertgrößten Automobilbauer der Welt aufsteigen – hinter Volkswagen, Toyota und dem französisch-japanischen Renault-Nissan-Verbund. Der FCA-Konzern bringt die Marken Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Maserati, Chrysler, Dodge und Jeep in die Ehe ein; PSA vereinigt die Marken Peugeot und Citroën sowie seit rund zwei Jahren Opel unter seinem Dach. An PSA ist außerdem der chinesische Autobauer Dongfeng beteiligt, der wie die Gründerfamilie Peugeot und der französische Staat rund zwölf Prozent der PSA-Aktien hält.

In dem gemeinsamen Communiqué schätzen die künftigen Partner die kurzfristigen jährlichen Synergieeffekte auf 3,7 Milliarden Euro – ohne Werkschließungen, wie von den Konzernspitzen beteuert wird. Die jeweiligen Vorteile für die beiden Autobauer entsprechen im Wesentlichen denjenigen, die sich mit der im Juni dieses Jahres geplatzten Fusion von FCA mit Renault-Nissan ergeben hätten: Der PSA-Konzern kann dank des gut ausgebauten Händlernetzes von Chrysler seine bisher schwache Position im US-Markt stärken. Fiat-Chrysler wiederum profitiert vom bereits weit fortgeschrittenen Know-how der Franzosen im Bereich der Elektromobilität – eine Entwicklung, die vom früheren FCA-Konzernchef Sergio Marchionne verschlafen worden war.

Die beiden FCA-Marken Alfa Romeo und Maserati werden dem neuen Konzern außerdem zu sportlichem und luxuriösem Flair verhelfen, über den PSA kaum verfügt. Gemeinsam werden sich auch die großen Investitionen stemmen lassen, welche durch die Zukunftstechnologie des autonomen Fahrens erforderlich werden. Bei beiden Konzernen stecken die entsprechenden Projekte noch in den Kinderschuhen. „Die Fusion wird allen Stakeholdern einen signifikanten Mehrwert bringen und unseren Unternehmen eine glänzende Zukunft sichern“, erklärte PSA-Chef Tavares. Zufrieden zeigte sich auch der Nachfolger von Marchionne bei Fiat-Chrysler, Mike Manley: „Das neue Unternehmen hat das Potenzial, den gesamten Automobilsektor zu verändern; ich bin überzeugt, dass wir zu einem globalen Leader der Mobilität werden können.“

Laut italienischen Medienberichten ist die Idee der Fusion von FCA-Präsident John Elkann ausgegangen. Tatsächlich steckt der Konzern – nach einem bemerkenswerten Höhenflug in den ersten Jahren nach der Fusion von Fiat mit Chrysler – in Schwierigkeiten. Umsatz und Gewinn sind im ersten Halbjahr 2019 eingebrochen, vor allem in Europa und ganz besonders im Fiat-Heimmarkt Italien herrscht Krisenstimmung. Aber selbst die Verkaufszahlen der Marke Jeep, mit welcher der Konzern am meisten verdient, lassen in letzter Zeit zu wünschen übrig. Die Verschmelzung mit dem PSA-Konzern, der in den letzten Jahren viel investiert hat und über eine breite und moderne Modellpalette verfügt, könnte für die Italo-Amerikaner zum Rettungsanker werden.

Noch ist die Fusion freilich nicht unter Dach und Fach. Vor allem die französische Regierung trat in der Vergangenheit solchen Plänen gegenüber skeptisch auf. Diesmal gab sich Wirtschaftsminister Bruno Le Maire kleinlaut. Er bezeichnete sich „offen“ für die „sehr schöne“ Fusion von FCA und PSA.

Das wirft die Frage auf, warum Le Maire und Staatspräsident Emmanuel Macron die Fusion mit Renault so lange hintertrieben hatten, bis Fiat-Chrysler entnervt das Handtuch warf.

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