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Aktivisten waren von Anfang an gegen die Übernahme.

Bayer-Monsanto

Riesenschlappe für Bayer

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Der Leverkusener Chemiekonzern verliert erneut im Glyphosat-Prozess. Damit steigt das Risiko von Schadenersatzzahlungen in Milliardenhöhe. Die Übernahme von Monsanto droht zu einem finanziellen Desaster zu werden.

Es ist die höchste und wohl auch die riskanteste Wette, auf die sich ein großer deutscher Konzern jemals eingelassen hat. Bayer hat den US-Saatgut- und Herbizidhersteller Monsanto für rund 62 Milliarden Dollar übernommen. Wie riskant der Deal ist, wurde am Dienstag deutlich, als Anleger panikartig die Papiere des Leverkusener Unternehmens verkauften. Die Aktie verlor zeitweise gut elf Prozent.

Der Einbruch hat viel mit Suzanne Ramos Bolanos zu tun. Die Kalifornische Richterin hat die Höhe des Schadenersatzes für den früheren Schulhausmeister Dewayne Lee Johnson zwar deutlich verringert, aber das Urteil aus der ersten Instanz bestätigt, dass seine Krebserkrankung der Lymphknoten auf ein Pflanzenschutzmittel zurückzuführen ist, das unter der Bezeichnung Roundup von Monsanto verkauft wird.

Der Hauptwirkstoff von Roundup heißt Glyphosat. Er wird auch als Total-Herbizid bezeichnet, weil er auf einem Acker oder einer Wiese alles abtötet – bis auf Pflanzen, die mit Gentechnik dagegen immunisiert wurden. Entsprechendes Saatgut und passenden Dünger hat Monsanto ebenfalls im Angebot. Glyphosat wird seit den frühen 1970er Jahren eingesetzt. Umweltschützer und Entwicklungshilfeorganisationen kritisieren, dass Glyphosat großen Schaden an Flora und Fauna anrichte und dass Bauern von Monsanto-Produkten komplett abhängig gemacht würden.

Die Krebsforscher der Weltgesundheitsorganisation haben das Mittel als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Und im Fall von Johnson liegen nach Ansicht des Gerichts ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse vor, dass Roundup ein „substanzieller Faktor“ für die Erkrankung des Mannes ist. Es gebe keine plausiblen Hinweise für eine andere Erklärung. Die Beweislast sei überwältigend, betonten die Anwälte des Klägers. Johnson hat bei der Pflege der Außenanlagen mehrerer Schulen über Jahre hinweg regelmäßig Roundup in großen Mengen versprüht.

Bayer hatte in dem Verfahren versucht, die Richterin zu überzeugen, dass es keine hinreichenden wissenschaftlichen Nachweise für den Zusammenhang zwischen der Anwendung von Glyphosat und der Krebserkrankung gebe. Insbesondere wurde ein Gutachten des behandelnden Arztes in Zweifel gezogen, der vor allem damit argumentierte, dass bei Johnson die Erkrankung erheblich früher als bei anderen Patienten aufgetreten ist.

Bolanos ließ sich davon nicht beeindrucken, allerdings senkte sie die Höhe des Schadenersatzes, der von einer Vorinstanz festgelegt wurde, erheblich. Die Leverkusener sollen nicht mehr 289 Millionen Dollar, sondern noch rund 78 Millionen Dollar (68 Millionen Euro) zahlen. Bayer teilte mit, die Reduzierung des Schadenersatzes sei ein Schritt in die richtige Richtung. Aber man sei nach wie vor überzeugt, dass der Richterspruch nicht mit ausreichend Beweisen unterlegt sei. Deshalb gehe man in Berufung.

Rechtsexperten betonen, dass das Urteil formal nicht als Präzedenzfall zu bewerten sei. Allerdings würden nun die Chancen steigen, dass auch andere Kläger vor Gericht Recht bekämen. Und davon gibt es viele. Etwa 8700 Verfahren sind in den USA anhängig. Ian Hilliker, Analyst beim Investmenthaus Jeffries, hat errechnet: Wenn man die Forderungen aus allen Klagen aufaddiert, kommt eine Schadenersatzsumme von 680 Milliarden Dollar zusammen. Er mutmaßt, dass die Glyphosat-Verfahren Bayer noch Jahre beschäftigen werden.

Der Börsenwert von Bayer ist seit der ersten Gerichtsentscheidung im August um 20 Milliarden Euro auf 66 Milliarden Euro geschrumpft. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten knapp 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Die Grünen-Politikerin Renate Künast sagte, Bayer bekomme nun zu spüren, dass der Kauf von Monsanto eine „klare Fehlentscheidung“ gewesen sei. Statt auf Warnungen zu hören, habe sich der Konzern das „System Monsanto“ zu eigen gemacht, und zwar zum Schaden von Bauern, Verbrauchern und nun auch von Aktionären. Monsanto sei für Bayer „finanziell und gesellschaftlich zu einem Fass ohne Boden geworden“.

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