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An der Lade: Flotte des Sammeltaxi-Dienstes Moia in Hannover.
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An der Lade: Flotte des Sammeltaxi-Dienstes Moia in Hannover.

Verkehrswende: Mobil mit Ridepooling

Mitfahrgelegenheit 2.0

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Das sogenannte Ridepooling, wie vom VW-Projekt Moia betrieben, kann ein wichtiges Instrument für eine erfolgreiche Verkehrswende sein.

Der neue Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat einen Megajob. Er muss dafür sorgen, dass den Klimaschutz-Nachzügler Verkehr in die Spur zu bringen. Die CO2-Emissionen des Sektors sollen laut Klimaschutzgesetz bis 2030 etwa um die Hälfte sinken. Ein wichtiges Instrument dafür könnte die möglichst flächendeckende Einführung von „Ridepooling“-Systemen sein. Eine neue Untersuchung zeigt: In einer Großstadt wie Hamburg könnten dadurch in Verbindung mit einem guten ÖPNV die Autofahrten um rund ein Drittel verringert werden.

„Ridepooling“ ist das Kunstwort für die Mitfahrgelegenheit im Digitalzeitalter. Es handelt sich um ein Mittelding zwischen Taxi und ÖPNV. Personen, deren Start und Ziel in ähnlicher Richtung liegen, teilen sich dabei ein Fahrzeug, jedoch unabhängig von einem Fahrplan oder festen Linienwegen. Wer mitfahren will, bestellt es per Handy-App. Ein Algorithmus ordnet den neuen Fahrgast in Bruchteilen einer Sekunde einer bereits bestehenden Fahrt zu. Er oder sie wird dann abgeholt und gemeinsam mit anderen auf einer dynamischen Route befördert.

Ridepooling mit Moia: Die Fahrt per App bestellen

Das europaweit größte Ridepooling-System wird von der VW-Tochter „Moia“ in Hamburg betrieben, Deutschlands zweitgrößter Stadt. Das Unternehmen setzt dort sechssitzige Elektro-Busse mit Fahrer;innen ein. Wer eine Fahrt per App bestellt, bekommt mitgeteilt, wann der Shuttle am Treffpunkt ist und was die Fahrt kostet. Die Fußwege zur „Haltestelle“ betragen im Schnitt 200 Meter. Bezahlt wird automatisch per App. In Hamburg betreibt Moia bis zu 190 Fahrzeuge, ein weiterer Standort ist in Hannover. Moia ist ein leicht abgewandeltes Wort aus dem Hindu-Sanskrit und bedeutet „magisch“.

Ein Forschungsteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat über zwei Jahre hinweg die Wirkungen des Moia-Systems auf den Verkehr in Hamburg und die Potenziale einer Ausweitung untersucht. Ergebnis: Bei flächendeckender Verfügbarkeit von autonom fahrenden Ridepooling-Angeboten, einem gut ausgebautem ÖPNV und gleichzeitigen Einschränkungen für den Autoverkehr ließe sich dessen Anteil am Gesamtverkehr in Hamburg um acht Prozentpunkte reduzieren, nämlich von 25 Prozent im „Modal Split“ auf 17 Prozent. „Der Rückgang der Fahrzeugkilometer um etwa 15 Millionen Kilometer pro Woche wäre beachtlich“, sagte Martin Kagerbauer vom KIT-Institut für Verkehrswesen. „Die Hamburger Mobilität würde dadurch nachhaltiger und grüner.“

Der ÖPNV profitiert vom Ridepooling

Befürchtungen, Moia werde dem öffentlichen Verkehr Fahrgäste abspenstig machen, bestätigten sich laut KIT nicht. Dieser profitiere sogar, da Umsteiger vom eigenen Auto dann oftmals auch Busse und Bahnen nutzten. „Wenn zum Beispiel jemand von zu Hause ins Kino und wieder zurückfährt, wird auf dieser Tour mit zwei Wegen oft nur einer mit Ridepooling zurückgelegt, der andere Weg fast immer mit dem öffentlichen Verkehr“, erläuterte KIT-Mitarbeiterin Gabriel Wilkes. In der Summe ergäben sich positive Effekte für die Bus- und Bahn-Nutzung.

Um die Verkehrssimulation durchführen zu können, hat das Karlsruher Institut ein Software-Tool entwickelt, „mobiTopp“ genannt. Es sei in der Lage, die Mobilität der gesamten Hamburger Bevölkerung und aller dorthin Reisenden im Verlauf einer Woche abzubilden, also sämtliche Wege zu allen Aktivitäten wie Arbeit, Einkauf oder Freizeit – auf die Minute genau und räumlich hoch aufgelöst. Die Neuheit dabei sei, dass dabei neben PKW Bus und Bahn auch neue Mobilitätsformen wie beispielsweise Ridepooling, Car- und Bikesharing sowie E-Scooter-Sharing detailliert berücksichtigt werden, so das KIT.

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