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Bei einem Urlaub im Ausland ist beim Geldabheben allerdings Vorsicht geboten.

Ratgeber

Richtig Geld abheben

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Wer im Ausland an Bares kommen will, muss oft hohe Gebühren zahlen. Mit ein paar Tricks lassen sich einige Kosten allerdings sparen.

Sommerferien sind Reisezeit: Bei einem Urlaub im Ausland ist beim Geldabheben allerdings Vorsicht geboten. Die Gebühren dafür können schnell sehr hoch werden, wenn man die Tricks der Automatenbetreiber nicht kennt. Im aktuellen Heft „Finanztest“ (06/19) der Stiftung Warentest machen die Tester auf drei Kostenpunkte aufmerksam, die zum Teil vermeidbar sind.

Die Sofortumrechnung: Wer in einem Land mit ausländischer Währung Geld am Automaten abheben möchte, bekommt häufig am Bildschirm die Frage gestellt, ob der Betrag direkt in die Heimatwährung umgerechnet werden soll. Das geschieht aber in der Regel zum Nachteil des Kunden. „Der Wechselkurs ist meist viel schlechter als der Kurs, mit dem die Heimatbank abrechnet“, warnt Stiftung Warentest.

Um die fünf bis maximal 13,7 Prozent teurer wäre diese Möglichkeit im Testzeitraum Dezember 2018 bis März 2019 im Durchschnitt in 23 Nicht-Euro-Ländern gewesen. Deshalb sollte man standhaft bleiben und auf die Landeswährung beharren, auch wenn die Frage beim Abhebe-Prozess ein weiteres Mal auftaucht: „Sind Sie sich sicher?“

Banken, die Kunden aus Deutschland kennen könnten, schnitten im Test nicht besser ab. Die Commerzbank lag bei einem Test in Tschechien mit plus 12,9 Prozent weit vorn. Auch taucht die Sofortumrechnung vorwiegend in europäischen Ländern auf.

Gleiches gilt im Übrigen bei Kartenzahlung im Geschäft. Auch dort kann es vorkommen, dass man gefragt wird, ob man eine Sofortumrechnung wünscht – hier gilt dasselbe wie bei den Automaten, die Umrechnungskurse sind in der Regel schlecht. Wie schlecht – oder auch gut – ein Wechselkurs ist, könnte nur wissen, wer sich unmittelbar zuvor über den offiziellen Wechselkurs informiert hat. Nicht hineinfallen sollte man laut Stiftung Warentest auf Hinweise wie „garantierter fester Wechselkurs“, „Null Prozent Provision“ oder „Null Prozent Umrechnungsgebühr“. Damit ist ein schlechterer Wechselkurs nicht ausgeschlossen.

Wechselkurs

Währungsrechner: Die App des Bundesverbands Deutscher Banken „Reise + Geld“ bietet einen tagesaktuellen Währungsrechner für mehr als 160 Währungen. Dabei handelt es sich allerdings nur um Durchschnittswerte von internationalen Devisenmärkten – eine richtungsweisende Hilfe kann die App aber sein.

Währungsumtausch: Wer Bargeld in Fremdwährung tauschen möchte, sollte dies nur in Banken und offiziellen Wechselstuben tun – egal ob in Deutschland oder vor Ort im Reiseland. Andere Händler bieten einen Tausch in der Regel nur zu überhöhten Preisen an, warnt der Bundesverband Deutscher Banken.

Automatengebühren: Auch anfallende Automatengebühren können das Geldabheben teurer als nötig machen. Diese Gebühren kann die Heimatbank nicht beeinflussen, sondern sie wird von den Automatenbetreibern erhoben. In Singapur lagen sie im Test bei gut zwei Euro, in Thailand durchgehend bei sechs Euro. Es macht also Sinn, lieber einen großen Betrag abzuheben anstatt immer wieder kleinere Beträge. So wird nur einmal die Gebühr aufgeschlagen. Denn mit einem Klick umgehen kann man diese nicht. Hier hilft es nur, mehrere Automaten auszuprobieren und den mit der niedrigsten Gebühr zu wählen. Welche Gebühr erhoben wird, muss der Automat anzeigen.

Gebühren der kartenausgebenden Bank: Neben den Automatengebühren können noch zusätzliche Gebühren für die Kredit- oder EC-Kartennutzung durch die eigene Bank anfallen. Die Gebühren sind unterschiedlich hoch. Häufig schreibt die Bank einen Mindestbetrag vor und erhebt Gebühren von etwa einem bis 1,75 Prozent des Umsatzes. Auch wegen dieser Gebühren ist das häufige Abheben kleinerer Beträge teuer.

Zusätzlich können für das Umrechnen der Fremdwährung Kosten auf den Kunden umgelegt werden. Was für die eigene Bank gilt, steht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Mit der Sparcard der Postbank können Kunden beispielsweise viermal im Jahr kostenlos Geld im Ausland abheben. Komplett kostenlos ist die Auslandsabhebung bei der DKB-Bank.

Vorsicht ist laut Stiftung Warentest bei kostenlosen Kreditkarten geboten, die nicht an ein Girokonto gebunden sind und bei denen nur Teilzahlungen möglich sind. Heißt: Monatlich wird immer nur ein kleiner Teil der Rechnung abgegolten, für den Restbetrag werden hingegen hohe Zinsen fällig.

Ob aber letztendlich Kreditkarte oder EC-Karte die günstigere Variante zum Geldabheben im Ausland ist, hängt von den individuell geforderten Gebühren der Banken ab. Bei manchen sind die Konditionen der EC-Karten besser, bei anderen die der Kreditkarte.

Keine Gebühren, dafür auch kein Geld: Noch ungünstiger als hohe Gebühren zu zahlen ist es allerdings, wenn im Urlaubsland gar kein Geld abgehoben werden kann, weil der Automat die Karte nicht annimmt. So sind EC-Karten nur mit dem „Maestro“-Zeichen weltweit einsetzbar, EC-Karten mit „V-Pay“-Logo funktionieren hingegen nur innerhalb Europas – es sei denn, die Bank hat die Karte auch außerhalb Europas freigeschaltet. In diesem Fall kann auch eine Karte mit V-Pay-Logo eingesetzt werden, sofern der Geldautomat oder die ausländische Bank Visa-Karten akzeptiert.

Es kann allerdings auch vorkommen, dass die eigene Bank die Karte aus Sicherheitsgründen sperrt, weil sie vermutet, dass die Karte missbräuchlich im Ausland verwendet wird. „Manche Banken setzen das Auslandslimit aus Sicherheitsgründen auf null Euro, um zu verhindern, dass Unbefugte im Ausland mit der Karte Geld abheben oder bezahlen können“, sagt Kathleen Altmann vom Bundesverband Deutscher Banken.

In einem solchen Fall reicht ein Anruf bei der Bank. Besser ist es, diesen schon vor Antritt des Urlaubs zu tätigen, um gar nicht erst in eine missliche Situation zu kommen. Das gilt für EC-, wie auch Kreditkarte und im Übrigen auch für die digitale Karte auf dem Smartphone, sofern man mobiles Bezahlen im Reiseland nutzen möchte. Darauf weist der Bankenverband hin.

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