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Gehen bald nicht mehr über die Theke: Plastiktüten in der Supermarktkette Rewe.
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Gehen bald nicht mehr über die Theke: Plastiktüten in der Supermarktkette Rewe.

Plastiktüten bei Rewe

Rewe verbannt Plastiktüten

Die Supermarktkette Rewe streicht Einweg-Plastiktüten aus seinem Sortiment. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hofft auf Nachahmer.

Von Niels Altenmüller

Als erster großer Lebensmittelhändler stellt Rewe den Verkauf von Plastiktüten ein. In Kürze sollen die letzten Restbestände der umweltschädlichen Tragetaschen über die Ladentheke gehen. „Ende Juni oder Anfang Juli werden Sie keine Plastiktüten mehr in den rund 3000 Rewe-Märkten sehen“, versprach Vorstandsmitglied Lionel Souque am Mittwoch in Berlin. Pro Jahr verkauft das Unternehmen nach eigenen Angaben 140 Millionen Plastiktüten.

Kunden müssen künftig auf umweltfreundlichere Alternativen zurückgreifen: Baumwolltragetaschen, Permanent-Tragetaschen aus Recycling-Material, Jutetaschen  oder Papiertüten sollen die Lösung für einen bewussteren Lebensmitteltransport sein. Das kostet den Verbraucher zunächst oft ein Vielfaches, rentiert sich durch Mehrfachverwendung aber schon nach wenigen Einkäufen. Auch die sogenannten Hemdchen, also Plastikbeutel für Obst, werden bald aus den Märkten verschwinden. Aktuell sucht das Unternehmen noch nach Alternativen, in wenigen Monaten soll laut Souque ein umweltfreundlicher Ersatz gefunden sein.

Zunächst wird das Ende der Plastiktüten ausschließlich in Rewe-Filialen umgesetzt, andere Märkte der Unternehmensgruppe wie Rewe to go, Penny oder Nahkauf warten zunächst ab. Das Engagement kommt beim Kunden offenbar gut an: Nach Unternehmensangaben befürwortet ein Großteil der Verbraucher den Verkaufsstopp der Plastiktüten, mehr als 65 Prozent wollen nach der dreimonatigen Testphase zu mehrfachverwendbaren Tragetaschen und Einkaufskartons greifen.

Hendricks hofft auf Nachahmer

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks lobte die Initiative bei der Vorstellung in Berlin als „genau den Schwung, den wir in der Debatte brauchen“ und erhofft sich einen „Sog für andere Unternehmen“. Tatsächlich übernimmt Rewe mit der strikten Maßnahme aber eine alleinige Rolle unter den großen Lebensmittelhändlern. Ein verbindender Verzicht ist bei den größten Konkurrenten nicht vorgesehen. Edeka, umsatzstärkster Player auf dem Markt, spricht auf Anfrage dieser Zeitung von einer „deutlichen Reduzierung des Plastiktüten-Verbrauchs“, zu der sich das Unternehmen verpflichtet habe. In den Märkten gebe es zahlreiche ökologische Alternativen. Auch Aldi Süd und Real lehnen eine komplette Abschaffung des Plastiktüten-Verkaufs auf Anfrage dieser Zeitung ab.

Hintergrund der Rewe-Initiative ist vor allem eine immer größer werdende Debatte um Plastik in Ozeanen. Zehn Millionen Tonnen Plastikmüll landen nach Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen jährlich in den Weltmeeren. Bis sich Plastik dort vollständig zersetzt hat, können Hunderte Jahre vergehen. Die Folgen sind vor allem für Meeressäuger- und Vögel dramatisch: Tiere verenden, weil Plastik den Verdauungsapparat verstopft. Im Nordpazifik hat sich bereits ein Müllstrudel der Größe Mitteleuropas gebildet.

„Die Initiative ist ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung, viele weitere müssen folgen. Wir müssen langfristig gänzlich von Einweglösungen wegkommen“, fordert Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), der das Nachhaltigkeitsengagement von Rewe seit acht Jahren begleitet.

71 Tüten pro Jahr

Nach EU-Richtlinien soll der Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten bis 2025 auf 40 Tüten pro Jahr und Bürger sinken. Derzeit benutzt jeder Einwohner Deutschlands im Jahr im Durchschnitt 71 Tüten. Zuletzt hatten sich nach einer Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und dem Handelsverband Deutschland 260 Unternehmen verpflichtet, Tragetaschen nicht mehr gratis über die Theke zu reichen.

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