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Die grüne Lunge der Erde: Am Amazonas gedeiht der weltweit größte Regenwald – noch.

Brasilien

Wie rettet man den Regenwald?

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Brasiliens Präsident Bolsonaro lässt den Amazonas-Dschungel vernichten. Kann Deutschland ihn aufhalten, indem es die Förderung von Umweltprojekten stoppt?

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kritisiert im Zusammenhang mit dem von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) verhängten Förderstopp für Aufforstungsprojekte in brasilianischen Amazonasgebieten den Schutz der einheimischen Wälder. „Deutschland ist beim Schutz seiner Wälder leider bisher auch kein Vorzeigeland“, sagte Nabu-Vizepräsident Thomas Tennhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Nur wenn Deutschland seine Wälder naturnah umbaut, sind globale Forderungen der Bundesregierung wie gegenüber Brasilien auch glaubwürdig. Dennoch ist es legitim, dass Bundesumweltministerin Schulze jetzt Druck beim Regenwaldschutz ausübt.“

Abholzung des Regenwaldes in Brasilien.

Der Präsident des Bundes für Umwelt und Natur in Deutschland (BUND), Hubert Weiger, unterstützt Schulzes Ankündigung, die Fördergelder für Aufforstungen im Amazonasgebiet einzufrieren. „Es dürfen jedoch keine Gelder abgezogen werden für die Zivilgesellschaft, die sich für den Schutz des Regenwaldes und der betroffenen Bevölkerung einsetzt“, mahnte Weiger gegenüber dem RND. Er fordert vor allem, dass sich die Bundesregierung aus dem Freihandelsabkommen Mercosur zurückzieht. „Dieses Freihandelsabkommen ist darauf angelegt, den Agrarhandel auszuweiten, mehr Rindfleisch und Soja in Südamerika zu produzieren und damit die Zerstörung des Regenwaldes im Amazonasbecken voranzutreiben. Mit dem Mercosur-Vertrag geben Deutschland und die EU Brasiliens Präsident Bolsonaro einen Freifahrtschein zur Abholzung.“

Anders als Schulze plant Entwicklungsminister Gerd Müller vorerst keinen Ausstieg aus dem Amazonasfonds. Bei seinem Besuch in dem Land hätten „Indigene, Umweltgruppen und Regierungsvertreter sich für eine Fortsetzung der wichtigen und erfolgreichen Zusammenarbeit ausgesprochen“, sagte der CSU-Politiker am Montag. Gespräche mit Brasiliens Umweltminister Ricardo Salles seien „offen und konstruktiv“ gewesen, man wolle „einen neuen Ansatz der Zusammenarbeit zur Fortsetzung des Amazonasfonds“ erarbeiten. „Jeder, der die herausragende Klimafunktion des Regenwaldes erhalten will, muss diese Maßnahmen verstärken und nicht beenden.“

Brasilien wolle Vorschläge machen, wie der Fonds weiterentwickelt werden könne, sagte ein Sprecher Müllers. „Auf diese Vorschläge warten wir jetzt.“ Deutschland sei mit 55 Millionen Euro beteiligt, Norwegens Anteil mit einer Milliarde Euro viel größer. Entscheidungen könnten nur im Konsens fallen. Umweltministerin Schulze hatte eigene Fördergelder ihres Hauses auf Eis gelegt und die Frage aufgeworfen, ob man mit dem Amazonasfonds zum Schutz des für das Weltklima enorm wichtigen Regenwalds weitermachen könne wie bisher.

Eine Sprecherin von Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte, es sei „sehr nachvollziehbar“, die Dinge auf den Prüfstand zu stellen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, der Erhalt des Amazonas sei „ein Menschheitsthema“ und habe Bedeutung für alle. „Dafür treten wir politisch ein.“ Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte am Sonntag gesagt, sein Land brauche das Geld aus Deutschland nicht. Er will keine weiteren Schutzgebiete ausweisen und mehr Rodungen zulassen.

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