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Ressourcen

Der durchgepflügte Planet

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Ein UN-Report zeichnet ein dramatisches Bild der Ausbeutung und Verschwendung von Ressourcen. 

Das UN-Umweltprogramm (Unep) warnt davor, dass sich die weltweite Ausbeutung natürlicher Ressourcen – von Wasser über Sand, Holz und Metalle bis zu den Energierohstoffen – ohne Änderung der bisherigen Trends bis 2060 zu verdoppeln droht. Dies werde die Klimakrise und den Verlust der biologischen Vielfalt weiter dramatisch anheizen, heißt es im neuen, dem sechsten Unep-Bericht „Global Environmental Outlook“ (GEO 6), der unlängst auf der UN-Umweltversammlung in Nairobi veröffentlicht wurde. So würden dann bis dahin weitere zehn Prozent der Wälder und 20 Prozent der natürlichen Lebensräume verschwinden. GEO erschient alle fünf Jahre, an der aktuellen Ausgabe waren 250 Wissenschaftler aus 70 Ländern beteiligt.

Aktuell werden laut dem Report (Titel: „Gesunde Umwelt, Gutes Leben für alle“) global jährlich rund 92 Milliarden Tonnen an natürlichen Ressourcen verbraucht. Das entspricht einer Verdreifachung in den letzten 50 Jahren. Rohstoffgewinnung und -Verarbeitung seien für die Hälfte der Treibhausgasemissionen und mehr als 90 Prozent des Verlusts an biologischer Vielfalt verantwortlich. Das Ressourcenproblem ist damit ein wesentlicher Treiber des Klimawandels. Unep schätzt, dass die Treibhausgas-Emissionen bis 2060 um 40 Prozent ansteigen könnten, wenn die Trends nicht gedreht werden. Der Pariser Weltklimavertrag erfordert allerdings, dass der CO2-Ausstoß bis Mitte des Jahrhunderts deutlich in Richtung netto null gesenkt wird.

Die Unep-Vizechfin Joyce Msuya kommentierte: „GEO zeigt, dass wir die endlichen Ressourcen dieses Planeten durchpflügen, als gebe es kein Morgen – und das trägt zum Klimawandel und zum Verlust der biologischen Vielfalt bei.“ Es werde „für viele Menschen kein Morgen geben, wenn wir damit nicht aufhören“. Ohne ein effizienteres Management der Ressourcen seien weder das Paris-Abkommen noch die 2015 aufgestellten UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDG) zu erreichen.

Die UN-Experten forderten eine stärkere Regulierung der Ressourcengewinnung und mehr Investitionen zur Entwicklung von Alternativen. „Wir müssen innovative Lösungen entwickeln, um dieselben Produkte mit weniger natürlichen Ressourcen herzustellen oder durch andere Materialien zu ersetzen“, sagte Bruno Oberle, einer der Autoren des Berichts. Er sprach sich auch für die Einführung von Ressourcensteuern aus.

Im Bereich Ernährung, der ebenfalls sehr ressourcenintensiv ist, empfiehlt der Report eine Reduzierung des Fleischkonsums und eine Verminderung der Lebensmittel-Verluste. Das könne die zusätzliche Menge an Lebensmitteln halbieren, die nötig sei, um die für 2050 prognostizierten bis zu zehn Milliarden Menschen auf der Erde zu ernähren. Derzeit werden laut GEO weltweit 33 Prozent der Lebensmittel verschwendet, wobei 56 Prozent der Mengen in den Industrieländern anfallen.

Generell, so der Report, steht es um die Umwelt des Planeten so schlecht, dass dies auch die Gesundheit der Menschen zunehmend bedroht. „Entweder, wir verbessern den Umweltschutz drastisch, oder Millionen Menschen werden in Städten und Regionen in Asien, dem nahen Osten und Afrika bis Mitte des Jahrhunderts vorzeitig sterben“, heißt es darin warnend. Bereits heute komme es aufgrund von Luftverschmutzung weltweit zu sieben bis neun Millionen vorzeitigen Todesfällen und gesamtgesellschaftlichen Kosten von fünf Billionen US-Dollar. Die Autoren von GEO räumen ein, dass es durchaus einige Verbesserungen gegeben hat, etwa durch Luftreinhalte-Vorschriften in den Industrieländern. Dies sei jedoch durch Verschlechterungen in anderen Bereichen und Regionen zunichte gemacht worden, vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern mit ihren schnell wachsenden Großstädten.

Msuya sagte: „Die Wissenschaft ist klar. Die Gesundheit und der Wohlstand der Menschheit sind direkt mit dem Zustand unserer Umwelt verbunden.“ Die Welt befinde sich an einem Scheideweg. „Setzen wir unseren bisherigen Weg fort, der zu einer trostlosen Zukunft für die Menschheit führen wird, oder setzen wir auf einen nachhaltigeren Entwicklungspfad?“ Das sei die Entscheidung, die die politischen Führer jetzt treffen müssten.

In dem Bericht wird in diesem Zusammenhang betont, dass die Welt über die notwendigen wissenschaftlichen, technologischen und finanziellen Voraussetzungen verfügt, um sich auf einen nachhaltigeren Entwicklungspfad zu begeben. Allerdings fehle bisher die Unterstützung der Öffentlichkeit, der Wirtschaft und der politischen Entscheidungsträger, die an veralteten Produktions- und Entwicklungsmodellen festhielten.

In dem Bericht wird der Widerstand von Akteuren in anderen Politikbereichen als eine wesentliche Ursache für die geringe Wirksamkeit von umweltpolitischen Maßnahmen identifiziert. Um Fortschritte zu erzielen, müsse die Umweltpolitik institutionell gestärkt und besser in alle Sektoren integriert werden. Staatssekretär Jochen Flasbarth (SPD) vom Bundesumweltministerium kommentierte: „Durchsetzungsstarke Umweltpolitik ist die entscheidende Voraussetzung für dauerhaften Wohlstand.“ Um die Ursachen von Umweltschäden effektiv anzugehen, müssten umweltpolitische Anliegen ernster genommen werden. Investitionen sollten viel mehr als bisher in umweltverträgliche Vorhaben fließen. „Nur so kann der überfällige Wandel zu nachhaltigeren Konsum- und Wirtschaftsweisen vorankommen“, sagte er.

Hintergrund 

Der UNEP-Report GEO 6 bezeichnet Luftverschmutzung, Artensterben, die massive Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen sowie die Verschmutzung der Ökosysteme, insbesondere durch Chemikalien, als besonders kritische Bereiche. Einige Fakten aus dem Bericht:

Artensterben: Je nach Lebensraum sind 24 bis 40 Prozent der Wirbellosen-Arten, zu denen die Insekten zählen, vom Aussterben bedroht. Das Artenstreben hat sich besonders im Bereich der Korallenriffe dramatisch beschleunigt. Das bedroht nicht nur den Lebensraum vieler Arten, sondern auch die Fischerei.

Süßwasser: Die Qualität von Süßwasser verschlechtert sich durch Krankheitserreger, Plastik, Antibiotika und andere Schadstoffe. Die Verfügbarkeit von Frischwasser pro Kopf der Weltbevölkerung sinkt.

Böden und Wald: Rund 29 Prozent aller Landflächen weltweit gelten als degradiert. Fast drei Viertel aller landwirtschaftlich genutzten Flächen werden für die Tierhaltung beziehungsweise Futtermittelproduktion in Anspruch genommen. Die globale Ent-waldung hat sich zwar verlangsamt, ist aber noch lange nicht gestoppt.

Ozeane: Die Weltmeere sind übernutzt, überfischt und verschmutzt. Rund acht Millionen Tonnen Plastikmüll geraten jährlich in die Ozeane, vor allem über die großen Flüsse in Asien und Afrika. 

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