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Resilienz statt Effizienz

Über die Rückkehr zur Fundamentalökonomie.

Italien verfügt über drei, Deutschland über acht und Großbritannien über 2,5 Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner. Nun ist nicht mehr Effizienz gefragt, sondern Resilienz: die Fähigkeit eines Systems, Schocks abzupuffern und zu bewältigen.

Neoliberale Politiken versprachen hingegen Effizienz, förderten den produktiven Sektor und schlachteten die Infrastrukturen grundlegender öffentlicher Güter und Dienstleistungen aus, sagt das Autorenkollektiv Foundational Economy in dem Buch „Die Ökonomie des Alltagslebens“, das dem Krankenhauspersonal gewidmet ist.

Die Auto rin ist Soziologin am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen und Vertretungsprofessorin an der Universität Hamburg.

Fundamentalökonomie umfasst materielle Infrastruktur, also Rohre, Kabel, Transport- und Versorgungsnetze ebenso wie öffentlich zugängliche Leistungen der Medizin, Bildung, Justiz und Verwaltung. In Großprojekten des 19. Jahrhunderts wurde Fundamentalökonomie aufgebaut, von der wir noch heute profitieren. Ab den 1980er Jahren aber wurde die Fundamentalökonomie nach finanzökonomischen Leitbildern umgebaut. Das brachte schnellen hohen Profit, aber keine besseren Leistungen und zehrte an der Substanz. Betreiber verstecken Verluste und Subventionen mit Finanzakrobatik und gehen selbst kaum unternehmerisches Risiko ein.

Das Autorenkollektiv will die Fundamentalökonomie neu aufsetzen - über Unternehmensverfassungen mit verbindlichen sozialen Verpflichtungen, eine Ungleichheit nivellierende Steuerreform und neue demokratische Entscheidungsprozeduren.

Angesichts akuter Mängel der Gesundheitsversorgung, aber erst recht aufgrund sich anbahnender Krisen in Europa, der Welt und des Ökosystems wird deutlich, dass Marktversprechen nicht hilfreich sind. Das exportorientierte Deutschland ist trotz mehr Krankenhausbetten nicht resilient.

Damit die Krise nicht als Schocktherapie auf Kosten sozial Schwacher und der Umwelt gelöst wird, sollten wir politisch-gesellschaftliche Ziele jenseits angeblicher finanzieller Zwänge setzen. Geld ist genug da, nur an der falschen Stelle. Könnte ein umfassender Green New Deal gute Arbeitsplätze für den ökologischen Umbau schaffen und Ungleichgewichte in Europa und den Gesellschaften beseitigen und Versorgung neu organisieren?

Die Auto rin ist Soziologin am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen und Vertretungsprofessorin an der Universität Hamburg.

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