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Reparieren statt neu kaufen

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Von: Joachim Wille

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Die EU will die Nutzungsdauer von elektronischen Geräten erhöhen. Doch Aktivstinnen und Aktivisten sind unzufrieden mit den Ideen.

Elektronische Geräte wie Smartphones, Tablets und Laptops haben, obwohl nicht billig, oft nur eine kurze Lebensdauer. Zwei, drei Jahre, dann landen viele beim Elektroschrott oder gar in der Mülltonne. Reparaturen sind unmöglich, zu kompliziert, zu teuer, oder aktuelle Software läuft nicht auf den Geräten. Das ist vielen ein Dorn im Auge. Die Politik plant Abhilfe.

Die EU will ein „Recht auf Reparatur“ durchsetzen, das die Nutzungsdauer der Geräte verlängern hilft. Umweltaktivist:innen warnen nun aber davor, dass die vorgesehene konkrete Umsetzung des hehren Ziels nicht hält, was der Titel verspricht. Das geplante Recht sei ein „Fake“.

Der Druck, die Umwelt- und Klimafreundlichkeit von Smartphone und Co. zu verbessern ist groß. Das EU-Parlament hat sich bereits im Frühjahr mit der Maxi-Mehrheit von 509 zu drei Stimmen für ein Recht auf Reparatur ausgesprochen. Ziel: Reparaturen sollen unionsweit einfacher und billiger werden. Die EU-Kommission hat dazu einen Gesetzesentwurf vorbereitet. Am heutigen Donnerstag treffen sich nun Fachleute aus den EU-Ländern in Brüssel, um entsprechende neue „Ökodesign“-Regeln für Smartphones und Tablets abzusegnen.

Doch dabei wird es Ärger geben. Die „Right to Repair“-Koalition wird vor dem Gebäude, in dem die Expert:innen tagen, protestieren. In dieser NGO haben sich über 100 Verbraucherschützer:innen, Umweltexpert:innen und Pro-Reparatur-Aktivist:innen aus 21 EU-Ländern zusammengeschlossen, die seit Jahren für eine bessere Reparierbarkeit der Geräte kämpfen und damit recht erfolgreich waren. Das zeigt sich daran, dass die EU und Länderregierungen – so auch die Ampel in Berlin – das Thema aufgegriffen haben.

„Lauter Schlupflöcher“

Den Aktivist:innen liegt der Entwurf für die Reparaturvorschriften vor. Dieser sei „voller Schlupflöcher“, monieren sie. „In der Praxis werden die neuen Vorschriften in ihrer jetzigen Form den Bürgern kein echtes Recht auf Reparatur geben.“ Konkret kritisieren sie, dass zum Beispiel die Preise für Ersatzteile nicht begrenzt werden, so, wie das etwa in den in Frankreich bereits gültigen Vorschriften geregelt sei. Die Erschwinglichkeit der Teile sei aber ein „Schlüsselfaktor“, damit Reparaturen überhaupt angepackt würden.

Außerdem würden Privatleute, Reparaturcafés und unabhängige Reparateure gegenüber Profi-Geschäften benachteiligt, sie sollten nur fünf statt 15 Arten von Ersatzteilen zur Verfügung gestellt bekommen. Weiterer Punkt: Es werde zwar proklamiert, dass Nutzer:innen und Reparateure sieben Jahre lang nach Produktionsende eines Gerätes Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen haben sollen. Für Ersatzteile, Software und Sicherheitsupdates seien jedoch kürzere Zeiträume geplant. Das mache keinen Sinn.

Orla Butler von der NGO Europäisches Umweltbüro (EEB) sagte: „Kurzlebige Smartphones belasten unser Klima, die Nachfrage nach seltenen Metallen und die Geldbörsen der Verbraucher.“ Um eine Reparaturwirtschaft für elektronischen Geräte Wirklichkeit werden zu lassen, müsse die EU sicherstellen, dass das Reparieren preiswert und für alle Interessenten zugänglich ist, einschließlich unabhängiger Reparateure, Reparatur-Cafés und Endverbraucher:innen.

Die „Right to Repair“-Campaignerin Cristina Ganapini ergänzte, die EU müsse unbedingt den Preis von Ersatzteilen als Kriterium in den vorgeschlagenen Reparaturindex aufnehmen. „Die Reparatur wird erst dann Realität werden, wenn wir die Bedingungen für ihre Erschwinglichkeit schaffen.“

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