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Renten-Kürzung: Eine Million Rentner und Rentnerinnen fallen Wirtschaftsflaute zum Opfer

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Die Krise auf dem Kapitalmarkt bedroht die Renten aus Versorgungswerken. Rentner müssen mit Kürzungen rechnen.

Berlin – Jeder, der in Aktien oder ETFs investiert hat, ist sich des Risikos bewusst, dass die Märkte schwanken können. Langfristige Renditen können zwar erzielt werden, aber das Risiko bleibt bestehen. Die Nachricht, die viele Rentner und Rentnerinnen aus sogenannten „verkammerten Berufen“ bald erreichen könnte, dürfte daher wenig erfreulich sein. Aufgrund einer risikoreicheren Anlagestrategie verzeichnen Versorgungswerke in der aktuellen Wirtschaftskrise erste Verluste. Dies könnte bedeuten, dass Renten gekürzt werden müssen.

Renten aus den Versorgungswerken: Diese Berufe sind betroffen

Diejenigen, die in einem kammerfähigen Beruf tätig sind, beziehen ihre spätere Rente hauptsächlich aus dem Versorgungswerk für diesen Beruf. Es gibt berufsständische Versorgungswerke für verschiedene Berufsgruppen:

Wer in einem solchen Beruf arbeitet, ist verpflichtet, sich beim jeweiligen Versorgungswerk auf Länderebene zu versichern. So ist beispielsweise eine Tierärztin in München beim Versorgungswerk der Tierärzte in Bayern versichert. Neben der Altersrente kümmern sich die Versorgungswerke auch um die Hinterbliebenen- und Erwerbsminderungsrenten.

Das Rentensystem in den kammerfähigen Berufen: So funktioniert es

Die Finanzierung der Renten aus dem Versorgungswerk funktioniert anders als bei der Deutschen Rentenversicherung. Bei der Rentenversicherung zahlen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in die Rentenkasse ein und die Beiträge fließen an die aktuellen Rentner und Rentnerinnen. Dies wird als Umlagesystem bezeichnet.

Bei den Versorgungswerken werden die Beiträge der Mitglieder gesammelt und zu einem bestimmten Anteil kapitalbildend angelegt, mit dem Ziel, dass dieses Geld plus etwaige Renditen später als Rente ausgezahlt werden kann. Ein Teil der Mitgliederbeiträge wird auch zur Reservebildung beim Versorgungswerk genutzt. In der Regel funktioniert dies so gut, dass die Renten aus Versorgungswerken höher sind als die aus der Rentenversicherung. Laut der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungswerke waren 2021 über eine Million Menschen bei den 91 Versorgungswerken in Deutschland versichert.

Anlagen machen Verluste – Renten-Kürzungen drohen

Das kapitalbildende System birgt jedoch auch ein gewisses Risiko. Dieses könnten die betroffenen Rentner und Rentnerinnen nun zu spüren bekommen. Wie der Großversicherer Allianz auf seiner Webseite erklärt, passen die Versorgungswerke ihre Anlagestrategie immer an die Konjunktur an. In den letzten zehn Jahren des Niedrigzinses waren Festzinsanlagen, in die im Jahr 2000 noch gut 77 Prozent der Kapitalanlagen investiert waren, nicht mehr besonders attraktiv. Die geringen Renditen reichten nicht mehr aus, um die versprochenen Renten der Mitglieder zu decken, und das Geld wurde anders, risikoreicher, angelegt. Ende 2020 betrug der Anteil der Kapitalanlagen in Festzinsangeboten nur noch 46 Prozent.

Ein Senior schaut besorgt auf seinen Laptop.
Viele Rentner werden von einem Versorgungswerk finanziell versorgt. © Uwe Umstätter/Imago

Risikoreiche Anlagen, wie Immobilien und Unternehmensbeteiligungen, geraten nun in der Wirtschaftskrise ins Wanken. Die Immobilienpreise sind im freien Fall, insbesondere Büroflächen und Gewerbeimmobilien sind betroffen. Laut vdp-Immobilienpreisindex sind die Preise für Gewerbeimmobilien zwischen dem zweiten Quartal 2022 und dem ersten Quartal 2024 um 17,2 Prozent eingebrochen.

Die Situation bei den Unternehmen sieht ebenfalls düster aus. Überall werden Stellen abgebaut, Insolvenzen häufen sich und die Stimmung ist am Boden. Dies hat Auswirkungen auf Anleger und damit auch auf die Versorgungswerke. Sie könnten nun Verluste machen, was die Auszahlung der Renten beeinflussen wird. Wie die Wirtschaftswoche erklärt, gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder werden die Beiträge der Mitglieder erhöht und die Mehreinnahmen gleichen die Verluste aus, oder die Renten werden gekürzt.

Durchschnittliche Rente in den Versorgungswerken liegt über 2000 Euro

Es ist auch möglich, dass die Versorgungswerke auf ihre Reserven zurückgreifen und daraus die Verluste ausgleichen. In der Regel reicht diese Reserve jedoch nicht aus, um die Renten langfristig stabil zu halten. Eine neue Strategie muss her: Entweder wird zu den Festzinsanlagen zurückgekehrt, die gerade wieder etwas attraktiver geworden sind, oder die aktuelle Flaute wird einfach ausgehalten, bis es wieder bergauf geht. Es wird sicherlich stark vom jeweiligen Versorgungswerk abhängen, wie die Lage bei ihnen aussieht. Betroffene sollten die Situation jedoch im Auge behalten.

Trotz allem sind die Renten aus den Versorgungswerken in der Regel wesentlich höher als die gesetzliche Rente. Während letztere im Durchschnitt 1500 Euro im Monat beträgt, erhalten Rentner und Rentnerinnen in den Versorgungswerken je nach Berufsstand zwischen 2500 Euro und sogar 4000 Euro im Monat. Dies hängt jedoch stark von den Beitragsjahren, dem Beruf und der Anlagestrategie ab.

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