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Viel Geld bleibt den meisten im Alter nicht übrig.
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Viel Geld bleibt den meisten im Alter nicht übrig.

Rentenniveau

Renten im freien Fall

  • Karl Doemens
    VonKarl Doemens
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Das Sozialministerium legt eine Prognose zur langfristigen Entwicklung der Rente vor. Nahles will im November ein Gesamtkonzept zur Zukunft der Altersvorsorge präsentieren.

Mit der Vorlage einer neuen amtlichen Prognose nimmt die Rentendebatte kräftig an Fahrt auf. Erstmals hat das Sozialministerium eine Vorausberechnung über das Jahr 2030 hinaus erstellt. Sie zeigt, dass das gesetzliche Rentenniveau von derzeit 47,8 Prozent über rund 44 Prozent im Jahr 2030 bis auf etwa 41,6 Prozent im Jahr 2045 zu fallen droht. Damit werde das Vertrauen der Beitragszahler in die gesetzliche Altersvorsorge untergraben, heißt es in Regierungskreisen. Ministerin Andrea Nahles (SPD) hatte schon vor einigen Tagen eine Haltelinie gefordert, ohne sich freilich auf deren Höhe festzulegen.

Das Rentenniveau errechnet sich aus dem Verhältnis einer Rente nach 45 durchschnittlichen Beitragsjahren zum mittleren Lohn der aktiven Beschäftigten. Sein Absinken war Anfang des Jahrtausends von der damaligen rot-grünen Bundesregierung beschlossen worden, um die Beiträge trotz der Alterung der Gesellschaft bezahlbar zu halten. Inzwischen schwindet jedoch in der SPD und auch bei den CDU-Sozialausschüssen die Unterstützung für diese Politik. Die Gewerkschaften fordern ein Festschreiben des Rentenniveaus mindestens auf dem aktuellen Niveau. Die Wirtschaft warnt in diesem Fall vor drastisch steigenden Arbeitskosten.

In dieser heiklen Gemengelage hat Nahles mehrere Treffen mit verschiedenen Interessengruppen organisiert. Gleichzeitig stellt sie die Fakten für den Renten- und den Alterssicherungsbericht ihres Hauses im November zusammen. Die nun bekanntgewordenen Zahlen sind noch vorläufig, zeigen aber eine eindeutige Tendenz. So haben die Experten auch errechnet, dass ein Festschreiben des heutigen Sicherungsniveaus schon 2030 zusätzliche Kosten von 19 Milliarden Euro verursachen würden. 2045 läge die jährliche Mehrbelastung bereits bei 40 Milliarden Euro. Dadurch würde der Beitragssatz von derzeit 18,7 auf 26,4 Prozent klettern. Vor diesem Hintergrund gilt die Forderung der Gewerkschaften in Regierungskreisen als unfinanzierbar.

Nahles will im November ein Gesamtkonzept zur Zukunft der Altersvorsorge präsentieren. Sie weist regelmäßig darauf hin, dass zur Beurteilung der finanziellen Lage der Senioren auch mögliche andere Einkunftsarten sowie die private und betriebliche Altersvorsorge berücksichtigt werden müssen. Nach Erhebungen des Ministeriums liegt das Durchschnittseinkommen eines Rentnerhaushalts bei 2543 Euro. Alleinstehende Männer kommen auf 1614 Euro und Frauen auf 1420 Euro. Derzeit sind lediglich drei Prozent aller Rentner auf staatliche Grundsicherung angewiesen. Altersarmut ist also kein Massenphänomen.

Das könnte sich freilich auf mittlere Sicht ändern, da bestimmte Personengruppen derzeit unzureichend fürs Alter vorsorgen. Nach Erhebungen des Ministeriums kommt rund die Hälfte der selbständigen auf eine Rente unter 1000 Euro im Monat. Fast die Hälfte aller sozialversicherungspflichtigen Geringverdiener mit einem Einkommen von weniger als 1500 Euro im Monat betreibt zudem keinerlei private oder betriebliche Vorsorge.

In einem ersten Schritt möchte Nahles die betriebliche Altersvorsorge attraktiver machen und für eine weitere Verbreitung sorgen. Dazu hat sie sich mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf Grundzüge einer Reform geeinigt. So sollen Unternehmen die Betriebsrenten künftig nicht mehr in einer bestimmten Höhe garantieren müssen. Zudem soll es eine höhere Steuerförderung geben.

Diskutiert wird darüber hinaus, ob Betriebsrenten bei Geringverdienern künftig nicht mehr zu hundert Prozent auf die Grundsicherung angerechnet werden sollen. Mit einem Gesetzesentwurf wird noch im Oktober gerechnet.

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