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Ruhestand

Rente ist meist nicht steuerfrei – Was Sie beachten sollten

  • Martin Staiger
    vonMartin Staiger
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Immer mehr Rentnerinnen und Rentner müssen Abgaben an den Fiskus entrichten. Wie die Rente besteuert wird – und worauf man achten sollte.

  • Viele Rentner:innen nehmen an, dass die gesetzliche Rente steuerfrei ist – doch das ist oft nicht der Fall.
  • Welcher Anteil der Rente versteuert werden muss, hängt vom Jahr des Renteneintritts ab.
  • Was Sie bei der Besteuerung der Rente beachten müssen.

Viele Seniorinnen und Senioren unterliegen dem Irrglauben, dass ihre gesetzliche Rente steuerfrei ist. Und sind dann schockiert, wenn das Finanzamt bei ihnen anklopft und eine Einkommensteuererklärung und Steuerzahlung verlangt. Dabei gilt die Steuerfreiheit tatsächlich nur für relativ niedrige Renten. Da Alterseinkünfte jedes Jahr zu einem etwas größeren Anteil besteuert werden, unterliegen immer mehr Rentner:innen der Steuerpflicht.

Rente: Besteuerungsanteil erhöht sich jedes Jahr

Der Besteuerungsanteil von Renten hängt vom Jahr des Renteneintritts ab. 2005 lag er bei fünfzig Prozent. Seitdem erhöhte er sich jedes Jahr um zwei Prozentpunkte und betrug bei Neurenten des letzten Jahres achtzig Prozent. Beginnend mit dem Jahr 2021 erhöht sich der Besteuerungsanteil um einen Prozentpunkt pro Jahr, bis er ab 2040 bei hundert Prozent liegt.

Die Annahme, dass die Rente steuerfrei sei, ist ein Irrglaube. (Archivfoto)

Der Besteuerungsanteil wächst jedoch auch bei Bestandsrenten. Denn der steuerfreie Teil, der über die gesamte Rentenlaufzeit gilt, wird im Jahr nach dem Renteneintritt festgelegt. Bei einem Neurentner des Jahres 2017, dessen Rente zu 74 Prozent zu versteuern ist, sind 26 Prozent der Rente des Folgejahres steuerfrei.

Rente: Wie berechnet sich eigentlich die zu bezahlende Steuer?

Lebt er in Westdeutschland und bezog eine monatliche Bruttorente, also die Rente vor Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen in Höhe von 2000 Euro im ersten Halbjahr und 2064 Euro im zweiten Halbjahr 2018, ergibt sich ein steuerfreier Betrag von rund 528 Euro, der für die gesamte Laufzeit der Rente gilt. Mit jeder Rentenerhöhung erhöht sich somit auch der Besteuerungsanteil. Im Beispiel betrug er im letzten Jahr immerhin schon 75,6 Prozent. Denn der von der Versteuerung verschonte Betrag von im Beispiel rund 528 Euro wird ja während der gesamten Rentenbezugszeit nicht erhöht.

Wie berechnet sich nun die zu bezahlende Steuer? Zugrunde zu legen ist die Jahresbruttorente, die im Beispiel im letzten Jahr bei rund 26.000 Euro lag, von der der steuerfreie Teil der Rente (hier rund 6340 Euro) abzuziehen ist. Von dem sich so errechnenden Betrag von 19.661 Euro werden der Grundfreibetrag, die steuerfreien Werbungskosten, mindestens aber eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro und die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen.

Steuerfreie Rente: Spenden und Sonderausgaben

Außerdem steuerfrei sind unter anderem Spenden, Sonderausgaben in tatsächlicher Höhe, mindestens jedoch ein Pauschbetrag von 36 Euro und unter Umständen weitere Pauschbeträge, zum Beispiel, wenn die steuerpflichtige Person schwerbehindert ist.

Wenn der Beispielsrentner durchschnittliche Beiträge zur Krankenversicherung bezahlt und zu fünfzig Prozent schwerbehindert ist, ergibt sich für 2020 ein zu versteuernder Betrag von 16 054 Euro. Ist er nicht verheiratet und kinderlos hat er für das vergangene Jahr 1342 Euro Einkommensteuer zu bezahlen, die spätestens einen Monat nach Erhalt des Steuerbescheides fällig wird.

Rente: Steuererklärung bis zum 31. Juli abgeben

Rentner:innen, die eine Rente in einkommensteuerpflichtiger Höhe erhalten, müssen ihre Steuererklärung bis zum 31. Juli des Folgejahres abgeben. Wer sich von einem Lohnsteuerhilfeverein, einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater helfen lässt, hat Zeit bis Ende Februar des übernächsten Jahres.

Steuerpflichtige Rentner:innen können auch beim Finanzamt beantragen, alle drei Monate ein Viertel der für das laufende Jahr mutmaßlichen Einkommensteuer vorauszuzahlen. Eine Steuererklärung müssen sie aber dennoch machen. Eine vierteljährliche Vorauszahlung ist aber nur möglich, wenn die Einkommensteuer mindestens 400 Euro pro Jahr beträgt.

Auch niedrige Renten sind steuerpflichtig

Nicht nur Bruttorenten jenseits von 2000 Euro, sondern auch deutlich niedrigere Renten sind steuerpflichtig. Wer erst vor kurzem in Rente gegangen ist, muss selbst bei einer Bruttorente von 1200 Euro pro Monat, von der nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen nicht einmal ganz 1070 Euro bleiben, Steuern bezahlen – es sei denn, es lassen sich Steuerfreibeträge etwa für eine Schwerbehinderung geltend machen.

Eine Bruttorente von 1200 Euro führt in vielen Fällen dazu, dass ein Anspruch auf Wohngeld besteht, das zum Teil aus den Steuern bezahlt wird, die auf die Rente fällig werden.

Rente: Rentner:innen müssen sich über die Steuerpflicht informieren

Die Finanzämter fordern steuerpflichtige Rentner:innen in der Regel nicht auf, eine Steuererklärung zu machen, da sich aus der Höhe der Rente alleine nicht ableiten lässt, ob eine Steuerpflicht besteht oder nicht. Rentner:innen sind verpflichtet, sich selbständig darüber zu informieren, ob sie eine Steuererklärung machen müssen.

Da die Finanzämter Daten von der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten, können sie von Rentner:innen, die aufgrund der Daten mutmaßlich steuerpflichtig sind und keine Steuererklärungen abgegeben haben, für bis zu vier Jahre rückwirkend Einkommensteuererklärungen verlangen, was unangenehm und teuer werden kann.

Besteuerung der Rente: So lässt sie sich berechnen

Ob eine Steuerpflicht besteht, lässt sich mit verschiedenen Internetrechnern zumindest abschätzen. Die Alterseinkünfterechner des Bayerischen Landesamtes für Steuern, in die auch Angaben zu weiteren Einkünften eingegeben werden können, rechnen sehr genau, sind aber nicht ganz einfach zu bedienen. Der Rechner für Alleinstehende ist unter dieser Website, der Rechner für Ehepaare ist unter dieser Seite zu finden.

Mit dem Rentensteuerrechner, der bis kurz unter die Schmerzgrenze vereinfacht ist, lässt sich innerhalb von kurzer Zeit feststellen, ob mutmaßlich eine Steuerpflicht besteht. In Grenzfällen, bei denen wenige Euro darüber entscheiden, ob Einkommensteuer zu zahlen ist oder nicht und in Fällen, in denen über die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung hinaus Freibeträge geltend gemacht werden können, ist er jedoch nicht geeignet.

Ob die Rentenbesteuerung in ihrer jetzigen Form noch lange Bestand haben wird, ist allerdings alles andere als sicher. Denn dem Bundesfinanzhof liegen zwei Klagen gegen die Rentenbesteuerung vor, die nach Ansicht mehrerer Fachleute durchaus Aussicht auf Erfolg haben und über die vermutlich im Laufe dieses Jahres entschieden wird. (Martin Staiger)

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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