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Rente und Steuer: Diese Einnahmen und Kosten gibt es im Ruhestand

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Von: Delia Friess

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Eine Studie zeigt, dass Deutsche zwar viel Steuern zahlen, am Lebensende wird aber sogar ein Überschuss aus erhaltenen Leistungen deutlich.

Köln - Wer zahlt schon gerne Steuern? Die meisten Menschen gehen wohl davon aus, dass sie mehr Steuern zahlen, als sie im Laufe ihres Lebens vom Staat Leistungen oder Rente bekommen. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft mit Sitz in Köln hat in einer Studie das Verhältnis zwischen erhaltenen Leistungen und gezahlten Abgaben für das Jahr 2021 errechnet. Dafür wurden Statistiken und soziodemografische Daten herangezogen.

In der am Montag, den 21.02.2022 erschienenen Studie „Die Altersverteilung von Steuern, Abgaben und staatlichen Leistungen“ wurden die geleisteten Abgaben und erhaltenen Leistungen unter verschiedenen Kriterien analysiert. So wurden die gezahlten Steuern und erhaltenen Zahlungen von Männern und Frauen nach Alter unterschieden. Durch eine interaktive Grafik lässt sich genau betrachten, wer 2021 im Durchschnitt in welchem Alter Leistungen erhalten und Beträge an den Staat gezahlt hat.

In einer neuen Studie wurde analysiert, welche Altersgruppen im Jahr 2021 welche staatlichen Leistungen erhalten und welche Abgaben gezahlt haben. (Symbolbild)
In einer neuen Studie wurde analysiert, welche Altersgruppen im Jahr 2021 welche staatlichen Leistungen erhalten und welche Abgaben gezahlt haben. (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa

Steuern: Studie analysiert Abgaben und Leistungen nach Alter, Geschlecht und Bildungsabschluss

Bei den gezahlten Beiträgen wurde auch zwischen beispielsweise Einkommenssteuer, Mehrwertsteuer, Krankenversicherung (gesetzlich/privat), Altersvorsorge, Pflegeversicherung, Solidaritätszuschlag, Tabak-, Alkohol- und Wettsteuer unterschieden. Bei den erhaltenen Leistungen wurde unter anderem zwischen Rente, Grundrente, Kindergeld, Mutterschaftsgeld und Gesundheit unterschieden. So konnte für jedes Alter und je nach Geschlecht ein Durchschnittswert errechnet werden. Die Grundaussage der Studie soll sein, dass Deutsche im Durchschnitt nicht nur Steuern zahlten, sondern auch sehr viele Leistungen zurückerhielten.

In einer neuen Studie wurde analysiert, welche Altersgruppen im Jahr 2021 welche staatlichen Leistungen erhalten und welche Abgaben gezahlt haben. (Symbolbild)
In einer neuen Studie wurde analysiert, welche Altersgruppen im Jahr 2021 welche staatlichen Leistungen erhalten und welche Abgaben gezahlt haben. (Symbolbild) © Kheng Ho Toh/imago images

Rente und Steuern: Abgaben und Leistungen in Deutschland im Vergleich

Dafür lohnt ein Blick auf die Altersgruppen der Grafik: Die Grafik zeigt die durchschnittlichen jährlichen Werte pro Kopf in Euro. Jüngere Menschen bis zwanzig Jahre sind der Studie zufolge starke Leistungsbezieher. Ab dem zwanzigsten Lebensjahr jedoch wechselt die Kurve: Junge Menschen ab zwanzig Jahren zahlen sehr viel mehr Steuern, als sie Leistungen des Staates erhalten. Ab dem 60. Lebensjahr steigt dann durchschnittlich die Kurve der erhaltenen Leistungen durch das Erreichen des Renteneintrittsalters wieder an. Jedoch nimmt die Kurve auf der Seiten der gezahlten Beiträge an den Staat auch nicht ganz ab. Das spricht dafür, dass beispielsweise auch viele Senior:innen in Rente weiterarbeiten. Der Überschuss aus erhaltenen Leistungen gegenüber den Einzahlungen vergrößere sich den Forschenden zufolge jedoch sogar im Alter weiter. 

45-Jährige in DeutschlandEuro pro Jahr
Geleistete Abgaben18.593 Euro
Erhaltene Leistungen5547 Euro
Quelle: iwkoeln.de
70-Jährige in DeutschlandEuro pro Jahr
Geleistete Abgaben7832 Euro
Erhaltene Leistungen23.697 Euro
davon Rente13.703 Euro
Quelle: iwkoeln.de

Studie: Wie ist das Verhältnis zwischen Rente und Steuern in Deutschland?

Der Anstieg der erhaltenen Leistungen mit zunehmenden Alter sei auch auf eine frühere Rentenpolitik zurückzuführen, die großzügigere Renten im Alter zugelassen habe, teilte Studienleiter Dr. Martin Beznoska der FR auf Anfrage mit. Ab den 1990er Jahren sei die Rentendynamik dann durch Reformen etwas gebremst worden. Das Problem werde jedoch sein, dass die Demografie in den nächsten fünf bis zehn Jahren kippen werde, erklärt Beznoska. Dann werde es mehr Rentner:innen geben, aber auch weniger Personen, die einzahlen. Diese Veränderungen könnten es erforderlich machen, dass Menschen später in Rente gingen, „um die Tragfähigkeit des Sozialstaates nicht zu gefährden“, heißt es auch in einer Pressemitteilung zu der neuen Studie.

Auch andere soziodemokrafische Merkmale wie Geschlecht, Einkommenssituation des Haushaltes oder Bildungsgrad wurden ausgewertet. Bei Frauen zeigt sich auch im Jahr 2021, wie durchschnittlich die Zahlungen an den Staat im Gegensatz zu den Männern ab zwanzig Jahren deutlich niedriger liegen. Die Kurve ist auch bei den Rentenbezügen bei Frauen ab einem Alter von 63 Jahren deutlich flacher. Hier wird wohl die Rentenlücke durch die Folgen von nahezu unbezahlter Carearbeit sichtbar. Männer und Frauen zahlten hingegen gleich viel indirekte Steuern beispielsweise durch den Verbrauch von Konsumgütern im Haushalt oder die Energiesteuer, sagt Studienleiter Martin Beznoska. 

Rente und Steuern in Deutschland: Vergleich zwischen Ost und West

Auch der Vergleich zwischen Westdeutschland und Ostdeutschland wurde in der Studie gezogen: Westdeutsche zahlten im Schnitt mehr Steuern und Abgaben im Vergleich zu Ostdeutschen. Bei den erhaltenen Leistungen ist die Kurve bei Ostdeutschen zwar höher, aber nicht signifikant.

Eine deutliche Differenz lässt sich jedoch bei den Menschen ohne Ausbildung und mit Hochschulabschluss in Deutschland feststellen. Personen ohne Ausbildung zahlten kaum Steuern und Abgaben an den Staat, während bei Personen mit Hochschulabschluss die Kurve hoch ist. Allerdings fällt die Rente im Alter dann auch deutlich niedriger bei Menschen ohne Ausbildung als bei Menschen mit Hochschulabschluss aus. Niedrige Renten können beispielsweise zu Altersarmut führen. Nicht analysiert wurde in der Studie, ob die Grundrente beispielsweise zum Leben überhaupt reicht.

Als politisches Ziel empfehlen die Forscher:innen, den Anteil der Personen ohne Berufsausbildung in der Bevölkerung zu reduzieren. Ein Vergleich zu anderen Sozialstaaten in der EU wurde in der Studie laut Studienleiter Dr. Martin Beznoska noch nicht gezogen. (df)

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