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Renteneintrittsalter

Lebenserwartung steigt: immer mehr arbeiten - dafür weniger von der Rente

  • Ines Alberti
    vonInes Alberti
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Soll die Politik das feste Rentenalter kippen? Bereits nach geltendem Recht führt steigende Lebenserwartung nicht zu mehr Jahren in Rente.

  • Vor der Bundestagswahl 2021 überlegt die CDU, das feste Rentenalter zu kippen.
  • Die Lebenserwartung steigt stetig, doch vielen würde das trotzdem nicht mehr Jahre in Rente bringen.
  • Besonders Ärmere haben oft nur die Hälfte ihrer Rente, weil sie im Schnitt früher sterben.

Berlin - Wir werden immer älter, weil die Lebenserwartung für Menschen in Deutschland stetig steigt. Aber wir haben nicht zwingend etwas von der gewonnenen Lebenszeit. Denn viele Menschen werden den Großteil dieser gewonnenen Lebenszeit nicht etwa in der Rente, sondern im Arbeitsleben verbringen, weil auch das Renteneintrittsalter steigt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die der „Deutschen Presse-Agentur“ vorliegt.

Wird das feste Rentenalter gekippt, bleiben trotz höherer Lebenserwartung nicht unbedingt mehr Lebensjahre in Rente.

Demnach haben langjährig versicherte Männer heute im Schnitt 18,1 Rentenjahre. Im Jahr 2035 sind es nach offiziellen Prognosen noch 18 Jahre. Die verbleibende Lebenserwartung steigt in diesem Zeitraum bei Männern im Alter von 60 Jahren aber um 1,6 auf im Schnitt voraussichtlich 23,6 Jahre. Bei langjährig versicherten Frauen sind es demnach in 15 Jahren noch 20,8 Jahre in Rente nach 21,3 Jahren heute. Die verbleibende Lebenserwartung ab 60 steigt bei Frauen in diesem Zeitraum von 25,6 auf 26,9 Jahre. Die Zahl der Rentenjahre sinkt also durch das spätere Renteneintrittsalter, obwohl die Lebenserwartung steigt. Diese steigt nämlich langsamer als das Renteneintrittsalter.

Höheres Renteneintrittsalter: Weniger Jahre in Rente trotz höherer Lebenserwartung

Der Grund für das Auseinanderklaffen ist der spätere Rentenbeginn. Wer 35 Versicherungsjahre hat und somit eine Rente für langjährig Versicherte erhält, kann heute mit 65,7 Jahre abschlagsfrei in Rente gehen, im Jahr 2035 mit 67. Wer als besonders langjährig versicherter 45 Versicherungsjahre hat und somit früher in Rente gehen kann, hat künftig mehr verbleibende abschlagsfreie Lebensjahre ab Rentenbeginn als nur langjährig Versicherte. Doch auch bei diesen Menschen sind es etwas weniger solche Lebensjahre als heute, da auch hier das Renteneintrittsalter steigt.

Der Linken-Abgeordnete Matthias W. Birkwald hatte die Regierung gefragt, wie sich die Altersgrenze für einen abschlagsfreien Renteneintritt und die verbleibende Lebenserwartung ab 60 entwickeln. Ergänzt wurden die Zahlen durch Angaben dazu, wie lange die Menschen nach dem jeweiligen Renteneintritt tatsächlich noch leben dürften. Hintergrund ist ein Positionspapier aus der CDU zur Rente, mit dem der Bundesfachausschuss Soziale Sicherung und Arbeitswelt der Partei für Aufsehen gesorgt hatte.

Rente Thema im Wahlkampf für Bundestagswahl 2021: CDU will festes Rentenalter streichen

Die CDU-Experten machen sich darin für eine Streichung des festen Rentenalters stark. „Gewonnene Lebenszeit muss (...) zum Teil in Erwerbstätigkeit verbracht werden“, heißt es in dem Papier. „Daher ist zu prüfen, in welchem Umfang die gewonnene Lebenszeit ausgewogen auf Erwerbsphase und Rentenphase verteilt werden kann.“ Gedacht ist der Vorschlag für das CDU-Wahlprogramm für den Bundestagswahlkampf 2021.

Der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach warnte: „Längere Lebensarbeitszeit in Zukunft kürzt den Rentenbezug im Vergleich zu heute.“ Die Lebenserwartung steige zwar, der Eintritt in die Rente steige aber schneller, so Lauterbach auf Twitter. Noch größer sei der Unterschied zwischen Arm und Reich. Ärmere stürben im Schnitt acht bis zehn Jahre früher und hätten daher oft nur rund die Hälfte von ihrer Rente.

Linken-Politiker: Bereits Rente ab 67 eine unsoziale Rentenkürzung

Birkwald sagte, bereits die Politik der Rente erst ab 67 sei eine unsoziale Rentenkürzung nach dem Motto „Länger einzahlen und kürzer Rente erhalten“. Darin reihe sich der CDU-Vorschlag für einen individuellen Rentenübergang ein. „Damit sollen die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber einseitig von Beiträgen entlastet werden, während die hart arbeitenden Beschäftigten in die Röhre gucken“, sagte Birkwald der dpa.

Anja Piel vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds sagte, seit rund 20 Jahren werde das abschlagsfreie Rentenalter mehr angehoben, als die Lebenserwartung steigt. „Beschäftigten drohen fatale Folgen, wenn Arbeitgeber, konservative und liberale Parteien den Hals nicht voll kriegen und in einem Überbietungswettbewerb immer schneller ein höheres Rentenalter wollen“, sagte sie der dpa. „Einziges Ziel solcher Forderungen ist offensichtlich, dass Unternehmen Profite steigern können.“

Im vergangenen Jahr haben unterdessen 21,6 Millionen Menschen Leistungen aus gesetzlicher, privater oder betrieblicher Rente erhalten. Insgesamt wurden dabei 328 Milliarden Euro ausgezahlt, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. (ial mit dpa)

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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